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  • cassiel

mehr als 1000 Beiträge seit 21.09.2001

三つ子の魂百まで

mitsugo no tamashii hyaku made
Die Seele eines Dreijährigen bleibt ihm 100 Jahre

Es nützt alles Geld nichts wenn der Verstand fehlt um die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Medizin, Psychologie und Psychatrie steht immer noch der Patient als therapiebedürftiges Individuum, das wieder gesund gemacht werden muss, damit es weiter buckeln kann.
Die Natur des Menschen als hochsozialem, nur in der Gruppe überlebensfähigem Lebewesen spielt praktisch gar keine Rolle. Nur genau da liegen viele Ursachen sogen. psychischer "Störungen" (ich bevorzuge Probleme). Oder wie jemand mal sagte: normale Reaktionen auf abnormale Umstände. Menschen gehen nun mal miteinander nicht immer freundlich um (besten Beispiel hier, das heise-Forum), sind aber trotzdem darauf angewiesen, dass sie sich gegenseitig helfen (bestes Beispiel hier, auch das heise-Forum).
Von einer Therapie des sozialen Umfeldes eines Betroffenen sind wir noch gefühlt Lichtjahre entfernt. Selbst die im Artikel genannten alternativen Ansätze sind noch in der Individuum-Therapie verharrt (was ich quick&dirty dazu fand).

Hirnforschungsmäßig wissen wir eigentlich schon genug, wenn man wissen will wie etwas funktioniert und welchen biologischen Sinn ein Mechanismus und ein Verhalten macht.
Z.B. wenn man versteht was Angst und Stress für einen biologischen Sinn haben, dann versteht man auch warum beides für kreatives Lernen nicht gut ist und warum Mathematik Angstfach Nr. 1 ist.

Grundsätzlich sollte man versuchen mehr zu verstehen: sich und andere Menschen. Es gilt das "Prinzip des guten Grundes". Jedes Verhalten hat eine Ursache und eine Motivation so zu handeln und nicht anders.

Ein wichtiger, weitgehend unbeachteter Kausalstrang ist nach meinen Erkenntnissen (deren Einzelteile alle nicht auf meinem Mist gewachsen sind) der Zusammenhang zwischen frühkindlicher Traumatisierung, einhergehend mit einer irreversiblen Verhinderung des Erlernens der Autoregulation von Angst und Stress, in Folge der Entwicklung einer komplexen PTBS mit Persönlichkeitsstörung, die das ganze Leben mit einem erhöhten Angst und Stresslevel prägt und den ganzen Folgen psychischer, sozialer und gesundheitlicher Probleme, Suchtprobleme und anderes Risikoverhalten, und frühzeitiger Tod (Suizid, Herzerkrankungen, Krebs). Ja, das mutet sehr weit hergeholt an und wurde mit schon als meine Privattheorie vorgehalten, aber das ist keine Erbsenzählerstudie sondern fusst auf unseren biologischen Grundlagen als hochsoziale Säugetiere. Privattheorie ist in soweit richtig, als ich diese unabhängig von institutioneller Forschung entwickelt habe und mich nicht viel Geld gekostet hat. Einstein brauchte auch nicht viel Geld um seine Ideen zu entwickeln und das Wichtigste im Leben kann man eh nicht kaufen.

Ich hab mal spaßeshalber in den Biografien prominenter Krebsopfer recherchiert. Nicht nur das von der Norm abweichende Verhalten (nicht nur als Promi, denn es gibt auch sehr viele langlebige Promis), sondern fast immer findet sich ein gestörtes Verhältnis zur den Eltern insbesondere zur Mutter. Und wenn man bedenkt wie leicht ein Kleinkind zu traumatisieren ist ("sitting ducks"), dann wundert man sich nicht mehr darüber, dass Krebstote bereits ein Viertel aller Todesfälle ausmachen. Mir hat auch noch keiner einen Denkfehler in meinem Modell nachweisen können.

Hochinteressant auch der Vergleich der Sozialisation von Kindern in anderen Kulturen, speziell fernöstlich-asiatisch wie in Japan, ein Land zu dem die Inseln der Hundertjährigen gehören. Kindererziehung und Familienleben läuft dort ganz anders ab als in westlich geprägten Kulturen wie der unsrigen. Und hat spürbar andere Folgen, nicht nur in der Lebenserwartung, sondern auch in der Belastbarkeit des Einzelnen als Erwachsener.
Die japanische Mutterrolle mutet hierzulande sicherlich rückständig an, nur wir ahnen gar nicht was wir unseren Kindern antun, wenn wir die Frauen auf Gebärmaschinen reduzieren, die möglichst schnell nach der Geburt wieder in Beruf und Karriere müssen und die Kinder schon als Kleinkind in die Kita abgeschoben werden.

Interessant an meinem Modell ist nicht nur die Erkenntnis, dass psychische Probleme praktisch immer ein Problem der Angst und Stressregulation sind, sondern dass diese Disregulation häufig irreversibel und unheilbar ist und wir eigentlich von krank nach behindert kommen. Nur von der Rücksichtnahme gegenüber psychisch Behinderten so wie sie körperlich und geistig Behinderten zukommt sind wir gesellschaftlich auch noch Lichtjahre entfernt. Stattdessen wird die Gesellschaft mit HartzIV-Gesetzen (re-)traumatisiert und wir sind in der Betrachtung von psychisch Behinderten auf dem Niveau von nach dem 1. Weltkrieg wo man die Kriegszitterer als Simulanten abgetan hat: "Stell dich nicht so an! Reiß dich zusammen! Du muss es nur wollen!" usw. usw.
Die Bereitschaft der Gesellschaft auf psychisch Behinderte Rücksicht zu nehmen ist gelinde gesagt sehr gering. Stattdessen werden Dutzende von evidence based Psycho-Therapien auf die Betroffenen losgelassen. Abgesehen von der Medizinerweisheit, dass die Anzahl der Therapien gegen eine Krankheit umgekehrt proportional zu deren Wirksamkeit ist, nützt eine Therapie, die maximal 1½ Stunden die Woche dauert, oder stationär in der Klinik ein paar Wochen, so sie überhaupt wirkt, nichts wenn die übrige Zeit der Rest der Welt unmöglich mit mir umgeht.

Geschrieben ca. "2000 Jahre, nachdem ein Mann an einen Baumstamm genagelt worden war, weil er gesagt hatte, wie phantastisch er sich das vorstelle, wenn die Leute zur Abwechslung mal nett zueinander wären"

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