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Fazit: "Ich bin für Trump, weil alle anderen dagegen sind."

Die Meinung kann man natürlich haben, aber ich wüsste nicht, was diese Glosse ohne derartige Kennzeichnung in "News aus Politik und Wirtschaft" verloren haben sollte.

Der Artikel enthält keinerlei fachliche Informationen und ist eine Aneinanderreihung von Irrtümern. Die USA halten sich im Moment wirtschaftlich besser als Europa, was den Demokraten geschuldet ist (ob es mir nun passt oder nicht). Die republikanischen Präsidenten waren kein Erfolgsmodell, sie haben jedesmal die Staatsverschuldung in gefährliche und exorbitante Höhen geschraubt: Reagan wegen seiner Aufrüstungs-Provokation gegen die UDSSR und Bush einfach wegen korrupter Gefälligkeitsgeschenke. Dabei dachten die Republikaner fälschlicherweise, die USA seien "too big to fail", was sie nicht sind. Und um die Unterschiede zwischen den beiden Parteien für Sie zu veranschaulichen, Suchsland: die Demokraten sind ohne Frage grundkorrupt, aber die Republikaner sind nicht nur korrupt sondern dazu noch inkompetent. Und das ist eine sehr gefährliche Mischung.

Die Republikaner waren auch Auslöser der Weltwirtschaftskrise, weil sie nämlich den unter den Demokraten noch halbwegs mit Überblick regulierten Finanzmarkt komplett dereguliert haben und überdies die Wirtschaft "ungebremst" ihre eigenen Gesetze schreiben ließen. Dass die Republikaner womöglich naiv dachten, dass Wirtschaftsakteure auch gute Volkswirtschaftler seien, könnte man theoretisch positiv auslegen nach dem Motto: "Wir haben davon keine Ahnung, also fragen wir die, die Geld verdienen." Das Problem ist nur, dass das wirtschaftswissenschaftlich gesehen vollkommen unsinnig ist, weil Wirtschaftsakteure über selbstgeschriebene Gesetze Märkte aus dem Gleichgewicht stoßen - zum eigenen Vorteil, und das ist nicht das Ziel der Volkswirtschaft, die faire Märkte für alle anbieten will. Und genau das ist dann auch passiert. Der Finanzsektor hat sich seinen Finanzmarkt vergiftet, aus purer Gier, sodass niemand mehr irgendwem vertrauen konnte. Das ist wie wenn man ein antiautoritäres Laissez-Faire walten lässt gegenüber unerzogenen Kleinkindern - völlig sinnfrei.

Ihre Thesen über Trump indes sind schnell korrigiert: Trump ist natürlich keine Marionette von Lobbyisten, er bezahlt Washington selbst, er hat sein Kapital ins Ausland verlagert und außerdem von der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland massiv profitiert und sie auch befördert. Trump ist auch nicht gegen TTIP, sondern ist vielmehr der Meinung, dass US-Firmen und die US-Regierung eben nicht ihrerseits gegenüber ausländischen Firmen haftbar sein sollten - aber mit dem Gegenteil hat er gar kein Problem, dass ausländische Regierungen von US-Firmen auf entgangene Gewinne verklagt werden können. Genau das ist aber das Problem der ausländischen Regierungen, oder der EU. Dass er für den Mindestlohn sei, ist definitiv nur ein wahltaktisches Ammenmärchen - er ist gegen dessen Erhöhung und stellt ihn zur Disposition, sobald die USA wegen der Arbeitskosten ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren würden (was er relativ willkürlich einfädeln könnte, wäre er in der Regierung). Das kann man sich also alles getrost schenken.

Die Idee, dass er mit Russland anders verfahren würde, scheitert an Trumps aggressivem, geschäftlichen Verhalten. Die Situation zwischen den USA und Russland ist deswegen wieder eskaliert, weil die USA sehr aggressiv auf den internationalen Märkten agieren, insbesondere seit der Finanzkrise. Das hat der russischen Wirtschaft einige unvorhergesehene schwere Schläge versetzt, die Putin in der Tat mit dem Rücken zur Wand gedrängt haben. Versuche, den Dollar als Leitwährung abzulösen und mit China zu paktieren, waren z. B. eine vergebliche Reaktion darauf. Trump würde Russland noch aggressiver und noch weiter an die Wand drücken - vollkommen inkompetent und ohne jede Beachtung der geopolitischen Folgen (nach Trumps Motto: wer auf dem Weltmarkt verliert, der verliert eben). Und ob er von der Ukraine ablässt, würde ich wegen der wirtschaftlichen Bedeutung schon als nicht gesichert ansehen - ihm persönlich bringt es im Moment wohl wenig, aber wenn andere ihn mit Geld schmieren, sieht das schon wieder ganz anders aus.

Mit Trump und Putin würden wir deutlich näher an einen 3. Weltkrieg rutschen, als uns lieb sein kann.

Trump ist auch alles andere als ehrlich, er behält nur die schlimmsten Lügen für sich, von denen er weiß, dass sie ihm sehr negativ ausgelegt würden und verkauft seine unhöfliche Art als Ehrlichkeit. Seinen fortgesetzten Verrat an den amerikanischen Arbeitnehmern aus Profitgier würde ihm letztlich keiner seiner Wähler verzeihen. Unhöflichkeit hat eben noch nichts mit Ehrlichkeit zu tun.

Ich würde an Ihrer Stelle auch durchaus einen Mann fürchten, vor dem sich sogar nicht nur gemäßigte Republikaner fürchten, Suchsland. Sie sollten besser endlich mal Ihre Pubertät hinter sich lassen.

MFG/Z

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (28.03.2016 02:01).

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