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  • Yankee Gohome

mehr als 1000 Beiträge seit 09.03.2014

Verabschiedet Euch endlich vom Hollywood-Bild Amerikas und vom Hollywood-Denken

Das Problem der meisten Deutschen ist, dass sie Amerika nicht verstehen, sondern nur so ein merkwürdiges Abbild davon haben. Das gilt für die Kritiker etwas weniger als für die Lover - letztere haben wirklich null Ahnung von Amerika -, aber im Allgemeinen ist das so.

Ich will nicht behaupten, jetzt der Vollkenner zu sein, aber ich arbeite immerhin seit Jahren mit Amis zusammen, war mehrmals drüben, spreche, lese und verstehe absolut fließend deren Sprache, und lese seit Jahren vorwiegend kritische Quellen aus den USA. Da nimmt man schon was mit.

Was ich sagen will, ist dass Amerika überhaupt kein einheitliches Ding ist. Es gibt eigentlich nicht einmal so etwas wie eine amerikanische Identität, außer einem sehr oberflächlichen und äußerst diffusen Patriotismus, dem sich alle verpflichtet fühlen, der kulturell-identitär betrachtet aber eigentlich inhaltsleer ist. Die Identität und Lebensrealität eines Afroamerikaners unterscheidet sich nun mal komplett von der eines suburbanen Euroamerikaners, zumal sich selbst die Weissen oft als "Irish" oder "Italian" bezeichnen. Amerika ist nie ein echter Melting Pot gewesen, sondern immer seggregierte Gesellschaft. Das macht sich auch in der Alltagsrealittät der meisten suburbanen Amis bemerkbar, welche im Wesentlichen aus Haus, Garage, Auto, Garage, Büro, Parkplatz, Supermarkt, Garage, Haus, Couch besteht. Öffentliche Räume wie U-Bahnen, Cafés, kleine Geschäfte mit Bürgersteigen bilden leider die Ausnahme. Amerikaner, die schon mal in Europa waren, beneiden uns für unsere urbane Kultur, redet mal mit ihnen.

Dieses Hollywood-Bild Amerikas ist eine von Werbungs-, Medien- und Propagandaindustrie künstlich aufgebauschte, auf Hedonismus und Konsum beruhende Illusion, die auf geschichtsklitierender Basis des amerikanischen Siegs im sog. Good War (WK2) und den folgenden Aufschwung der 50er und 60er funktionierte. Selbst als sich in den 60ern eine Gegenkultur etablierte, wurde diese schnell in das hedonistisch-identitäre Theater aufgenommen und bildet heute die grundlage für Gleichschaltung und Gesinnungsdiktatur (SJWs, Feminismus, bei uns die Grünen und die Antifa - aber da bildet sich gerade in Canada und den USA eine massive und durchaus intelligente Gegenbewegung).

Aber, als der Kontradieff-Sommer vorrüber war und es nach Ölkrise, Vietnamkrieg und Ende von Bretton Woods abwärts ging, erodierte auch nach und nach dieses vorrübergehend identitäre Bild. In den Bush-Jahren implodierte das völlig. Wenn Du heute mit jungen Amerikanern sprichst, so bis Anfang 30, aber oft auch älter, dann stellst Du fest, dass die fast bescheiden sind und ihr Land nicht als das "größte" betrachten. Die machen sich eher - zu Recht - Sorgen um ihre Zukunft, gerade jene, die sich gerade für eine Ausbildung verschulden müssen. Die gebildeteren und "liberalen" tendieren eher zu Sanders. Die prekären oder aussenpolitisch interessierten eher zu Trump.

Wie auch immer, mein Punkt ist, dass die Deutschen endlich ihr Amerikabild korrigieren müssen. Das Problem ist, dass die Medien hier zwar gut darin sind, Russland zu verteufeln, aber uns so gut wie kein Bild vom derzeitigen Amerika geben, von der Verzweiflung und Wut der Menschen dort. Das Problem ist, dass die Deutsch auch endlich vom Gutmenschentum ablassen müssen, sondern wieder realistisch zu denken beginnen. Da sagt der Trump was gegen Mexikaner - was uns hierzulande komplett scheissegal sein kann -, schon hält man sich die Ohren zu, singt lalala, und hört nicht was er sonst sagt. Wir zensieren uns permanent selbst und wer 1984 wirklich gelesen hat, wird wissen, dass das die Voraussetzung für ein funktionierendes totalitäres Regime ist.

Wer die selbst angelegten Scheuklappen abnimmt, und das ganze dicke Ding anschaut, wird schnell erkennen, dass Clinton die mit Abstand gefährlichste Person ist, der derzeit Macht erlangen könnte. Zumal sie das hat, was - dank der Scheuklappen - Obama mit seiner Haut und Merkel mit dem gleichen Geschlecht hatte: Den Muschi-Mindherheiten-Bonus. Es wird dann wieder Jahre und einige hunderttausend Tote und Millionen von Flüchtlingen dauern bis die Scheuklappenträger dann für einen kurzen, hellen, aber konsequenzlosen Augenblick verstehen, dass sie sich mal wieder getäuscht haben.

Wird Trump die Lösung sein? Nee, glaube ich nicht, aber ich sehe in ihm zumindest eine kleine Chance, die ich den Amerikanern - die ich durchaus gut leiden kann - sehr gönnen wurde. Er könnte vielleicht den Imperialismus zurückfahren und so einen Kollaps oder Weltkrieg verhindern. Realistischer sehe ich nur einen totalen Kollaps als Lösung der durch durch Warshington verursachten Probleme - sowohl global als auch in Amerika.

Was dann folgt?

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (28.03.2016 11:06).

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