Avatar von Twistie2015

mehr als 1000 Beiträge seit 21.01.2015

Ein Einwand:

"Mit der DSGVO will der Staat uns Anwender schützen. Was dazu geführt hat, dass wir massenhaft und automatisch Hinweistexte abhaken, nur um schnell zu unserem eigentlichen Ziel zu kommen. In der Praxis hat uns dieses Gesetz nicht geschützt, sondern abgestumpft und damit den Herstellern die Möglichkeit gegeben, ihr Verhalten, quasi nebenbei, zu legitimieren."

So sehr ich auch die Kritik an sich verstehen und nachvollziehen, auch gutheißen kann, so sehr empfinde ich diesen Passus als irreführend. AGBen sind immer auch lang und bedeuten viel Lesestoff, wie jeder Vertrag, den jemand eingeht. Wer einen solchen Vertrag massenhaft und automatisch abhakt bzw. diese bei mehreren Verträgen so erledigt, der muss sich aber auch den Vorwurf gefallen lassen, sich selbst unmündig zu verhalten und dies anderen anzulasten.

Es ist wie jemand, der seinen Hypothekenvertrag nicht durchgelesen hat und nun den Banken einen Vorwurf macht weil darin ein Passus enthalten ist, den er nicht gutheißt.

Es hat niemand behauptet, dass es leicht oder ohne jede Mühe ist, sich wie ein mündiger Bürger zu verhalten, im Gegenteil. Es bedeutet, sich auf dem Laufenden zu halten, wenn es um Politik und Gesetze geht; Verträge sorgfältig und am besten mehrfach durchzulesen bevor sie unterzeichnet werden; sich mit den eigenen Möglichkeiten in Bezug auf Gesetze etc. vertraut zu machen etc.

Alles andere liefe auf einen Nannystaat hinaus, der, noch schlimmer als bisher, alle als unmündig ansieht. Dann gesellt sich eben zu "iss vernünftig, wir kümmern uns darum/lass das Böllern sein, wir kümmern uns darum..." noch ein "lies keine Verträge mehr, wir kümmern uns darum".

Wenn jedoch bereits ein durchaus gesundes Misstrauen gegenüber diesem Verlust an Eigenverantwortung, wie im Artikel beschrieben, vorhanden ist, dann frage ich mich, wie die freiwillige Abgabe in Form von einfachem Abhaken überhaupt ihren Platz haben kann bzw. sich damit verträgt.

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