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  • dusted

161 Beiträge seit 03.04.2011

Unheimlich

Nach langer Verweigerung hatte ich mich vor ein paar Monaten dazu hinreißen lassen mit mein erstes "Smartphone" zu holen, zuvor nutze ich ein winiziges Klapphandy, um für ein paar ganz wenige Menschen erreichbar zu sein.

Mir waren diese "Smart"-Dinger vorher schon nicht geheuer, aber seit dem ich eins habe und sehe wie hochsensibel und enorm leistungsfähig diese Dinger sind, sind sie mir noch unheimlicher geworden.

Es bietet Vorteile, erst recht man man ein verspielter, technikaffiner Mensch ist und ermöglicht es z.B. auch ohne einen Scanner zu besitzen, in sekundenschnelle Dokumente in beeindruckender Qualität zu digitalisieren um diese zu verschicken, oder auch eine Retoure mit einfachem Vorzeigen eines kryptischen Codes auf dem Display, ganz ohne Drucker eine Retoure auf den Weg zu bringen.
Man kann sich in fremden Gegenden auch mit einem miserablem Orientierungssinn einfach zurechtfinden und kann damit übersetzen, sich informieren, oder einfach mal irgend ein Spielchen starten und alles mögliche weitere, aber so nützlich und unterhaltsam wie es auch sein kann, ich werde mich niemals ganz auf diese neue Technik einlassen.

Die Kameras sind bei mir allesamt seit meinem ersten "Smart"-Tag zugeklebt und das WLAN an meinem Router nur selten und recht kurz aktiviert. Ferner schleppe ich das Ding nicht ständig mit mir herum - und schon gar nicht direkt an meinem Körper.
Einem jungen unbekümmerten Freund den ich vom spielen kenne, habe ich sofort mal eine Absage erteilt, weil der mich nachdem ich das erste mal "Whatsapp" ausprobierte, sogleich in meine erste Videokonferenz überhaupt einladen wollte, was er mit Unverständnis quittierte.

Diese totale Unbekümmertheit, gerade bei jüngeren Menschen, die sich ganz selbstverständlich auf alles einlassen, ist mir noch unheimlicher als die Geräte selber.

Wobei diese Geräte die reinsten Sensorenpakete sind, welche die Umgebung jedes Nutzers und den Nutzer selbst, auf vielfältige Weise regelrecht scannen, aber mit das schlimmste sind nicht die unzähligen Überwachungsmethoden welche diese unheimlichen Dinger ermöglichen, sondern das man damit das Wissen der Welt buchstäblich in der Tasche hat, was jederzeit und überall abrufbar ist.

Das erinnerte mich an ein Buch das ich vor längerer Zeit las, über Medienkritik von Günther Anders, in dem sehr gut und philosophisch reflektiert wird, wie die damals neuen Medien wie Fernsehen und Radio die Menschen negativ beeinflussen.

Ganz am Anfang des Buches stand ein Zitat, welches ich mir extra auch auf meinem neuen, ersten Smartphone überhaupt abspeicherte, welches lautet :

»Da es dem König aber wenig gefiel, dass sein Sohn, die kontrollierten Straßen verlassend, sich querfeldein herumtrieb, um sich selbst ein Urteil über die Welt zu bilden, schenkte er ihm Wagen und Pferd. Nun brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen, waren seine Worte. Nun darfst du es nicht mehr, war deren Sinn. Nun kannst du es nicht mehr, deren Wirkung.«

Das bringt perfekt die für mich größte Gefahr auf den Punkt, die von den sogenannten Smartphones ausgeht : Diese bringen nicht nur eine schier unvorstellbare Anzahl von Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten, sondern zwangläufig auch die Massenverblödung voran....

...und ganz im orwellschen Sinne, tragen die Geräte die maßgeblich zu unser aller Verblödung beitragen das Label "Smart".

Liebe Grüße @lle

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