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  • 2007Twister2007

mehr als 1000 Beiträge seit 02.09.2007

Gründe

Wer kritisch gegenüber der aktuellen Sicherheitspolitik ist, muss
sich darum nicht nur gegenüber seinen politischen Gegenspielern
rechtfertigen. Er muss jenen seiner Mitmenschen Rede und Antwort
stehen, die vor dem Terror bewahrt werden wollen. Nicht zuletzt muss
er auch vor sich selbst bestehen können.

Die Überzeugungen vieler Menschen schlagen sich womöglich auch in
ihrem Wahlverhalten nieder. Damit bekommt plötzlich die eigene
Überzeugungsfähigkeit als Kritiker eine gewisse strategische
Relevanz. Es mag ja sein, dass Argumente an sich wenig bewegen und
dass man selbst, wenn man überzeugt, nur wenig bewirkt. Aber die
möglichen politischen Konsequenzen des Sicherheitsdenkens, zwingen
einem die moralische Forderung auf, nicht nur zuzusehen. 
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Ganz genau das ist der Punkt für mich.
Viele sagen, dass insofern das Engagement ja nur das Füllen der
eigenen Leerräume im Leben ist, dass man kompensiert und eigentlich
nur etwas vermisst und sich deshalb an Bürgerrechten "festbeisst".
Ich verhehle nicht, dass dies durchaus auch seine Berechtigung hat.
Nur: da kann man auch andere Dinge finden, die leichter sind - die
einem nicht all den Frust usw. einbringen, die Bürgerrechts- bzw. wie
ich finde Menschenrechtsarbeit mit sich bringt.

Für mich ist das, was ich mache und schreibe, jeden Tag ein Grund
dafür, dass ich mich noch schminken kann weil ich weder heulen noch
brechen muss wenn ich in den Spiegel sehe.

Es geht nicht darum, dass ich märtyrerhaft sage "einer muss es ja
tun" oder denke "wow, welche tolle Sache", es geht einfach darum,
dass ich bei manchen Dingen, wenn ich sie lese, Beklemmungen
verspüre. Ich merke dieses Ziehen hinter den Augen, dieses Verlangen,
die Hände zu Fäusten zu ballen, dieses trockene Gefühl im Hals und
diesen Drang etwas zu sagen, manche Dinge nicht unwidersprochen
hinzunehmen, den Mund aufzumachen, auch wenn ich dafür "Prügel
kassiere". 

Ob man mich dafür nun mit ++ bewertet oder nicht, mich mag oder nicht
oder als idiotisch ansieht - das ist völlig irrelevant. Ich wurde vor
knapp 8 Stunden gefragt warum ich das alles mache, warum ich immer
und immer wieder das Gleiche schreibe, Idiotien mit Argumenten
beantworte, warum ich wieder und wieder Sachen maile usw. und warum
ich, selbst wenn ich weiss, dass es unsinnig ist, auf manche Dinge
antworte. Der Schluss-Satz (sorry fürs -) lautete: Weisst Du, wenn Du
bei manchen Dingen einfach lässiger werden würdest, wenn Du mal nicht
auf Deine Prinzipien pochst oder einfach sagst "hier muss man mal
abweichen von den Regeln, geht nicht anders" dann wäre es viel
leichter"
Und die Frage war: warum bist Du so, warum machst Du das?
Eben deshalb (siehe oben): ich möchte morgens aufstehen und in den
Spiegel schauen und mir sagen können "okay, du hast es wenigstens
versucht"
Das ist nicht viel, aber es reicht um sich schminken zu können.
Und davon abgesehen war meine Antwort: ich kann nicht anders.

Ich möchte mich für diesen Zweiteiler wie auch für die vielen anderen
Artikel zum Thema bedanken.

Twister
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