Avatar von victa
  • victa

280 Beiträge seit 05.03.2017

Re: Hört auf die Verbrechen ihrer Führer bei den Völkern abzuladen!

hgeiss schrieb am 04.02.2018 20:20:

Wir leben ja heute in einer Demokratie, dürfen unsere Meinung sagen, die Regierenden kritisieren.

Aber nur zur satirischen Unterhaltung. Wenn man es ernst meint wurde man bisher überwiegend als Utopist, Gutmensch, Stalin- bzw. Stasi Fan, wirtschaftsfeindlich oder linker Spinner verunglimpft der aus Dummheit, Bösartigkeit oder Naivität die vermeintliche Notwendigkeit der "alternativlosen" Politik fragwürdiger, transatlantischer Militärinterventionen sowie dem kontinuierlichen Sozialabbau entgegen stand.

Wenn ich mich da mal selber als Beispiel nennen darf, ich mache meinen Mund seit 50 Jahren auf, doch ich habe nichts von dem verhindern können, was unsere Regierungen so angestellt haben oder aktuell verbrechen.

Geht mir genau so. Das schlimme ist, dass jetzt plötzlich Protest aus der politisch rechten Ecke kommt, welche diese Entwicklungen über Jahrzehnte hingenommen, gutgeheißen und aktiv mitgestaltet haben.

Auch in allen anderen „demokratischen“ Ländern des Westens wird es dem Mutigsten nicht anders gehen. Kein Ami kann etwas dafür, dass seine verbrecherische Regierung alleine seit 1945 für den Tod von etwa 30 Millionen Menschen auf diesem Planeten verantwortlich ist.

Abgesehen von der Bevölkerungsmehrheit welche die US-Amerkanischen Parteien regelmäßig mit einem Mandat für diese Politik ausgestattet haben.

Ich darf also den Schluß ziehen, dass man die Schuld weder dem amerikanischem, dem deutschen oder sonst einem unter repräsentativer Demokratie lebendem Volk geben darf.

Und hier liegt Ihr Trugschluss: Die Repräsentanten der bürgerlichen Demokratie werden eben letztendlich durch Mehrheitsentscheide in der Bevölkerung bestimmt. Wenn die Mehrheit regelmäßig einen neoliberalen und transatlantischen Kanzlerwahlverein (CDU), neoliberale Hinterwäldler (CSU), die neoliberale Seeheimer-Partei (SPD), die neoliberale Bio-Bourgeoisie (grüne) oder die neoliberale Bourgeoisie selbst (FDP) wählt, dann ist die Mehrheit auch dafür verantwortlich dass es eben wieder in eine bestimmte Richtung geht - damals wie heute.

Und ausgerechnet einem Volk, das unter einer Diktatur lebte, soll für die Untaten seiner Führer verantwortlich sein? Es muss endlich einmal breiter thematisiert werden, ob und welche Schuld der deutschen Bevölkerung für die Untaten des Dritten Reiches zugewiesen werden kann. Hitler wurde nie in freien Wahlen gewählt, sondern, nachdem die Hochfinanz in der „Industrielleneingabe“ Hindenburg um einen Diktator angebettelt hatte, von oben her eingesetzt.

Die Förderung der NSDAP durch Industrielle und Banker ist durchaus ein interessanter Forschungsgegenstand, genau so wie die anfänglich weltweite Anerkennung durch konservative und anachronistische Gruppen (wie z.B. Klerus und Adel). Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass eine erhebliche, breite Unterstützung in der deutschen Bevölkerung eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Nazis gespielt hat - und somit auch eine entsprechende Schuld damit einhergeht.

Schon Wochen später, nach dem „Ermächtigungsgesetz“, war Deutschland eine faschistische Diktatur, die jeden ins KZ schickte, der sich auch nur muckte.

Diese Darstellung entspricht schlicht und ergreifend nicht den historischen Fakten. Im Gegensatz zum Gulag-System der Sowjets als Fortsetzung präsowjetischer Straf- und Arbeitslager der Zaren waren die KZs des NS-Regimes eine Einrichtung die neu geschaffen wurde. Zuerst wurden vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten verhaftet und in den Bau gesteckt, was International mehr wohlwollend als kritisch sowohl von bürgerlichen als auch von monarchischen Staaten betrachtet wurde. Den ging der Arsch erst mit dem unerwarteten und widersprüchlichen Hitler-Stalin auf Grundeis.

Warum soll ausgerechnet ein völlig entmachtetes Volk für die Verbrechen seiner Despoten verantwortlich sein?

Weil es eben eine signifikant großer Teil der Bevölkerung seinen Anteil an der eigenen Entmachtung bzw. der "Ermächtigung" hatte.

Das gilt selbstverständlich nicht für seine dienstbeflissenen Lakaien.

Aber eben genau so selbstverständlich auch für all die, die weggesehen und die braune Gefahr gehörig unterschätzt, kleingeredet und bagatellisiert und es sich damit sehr bequem gemacht haben.

Deutsche Verantwortung kann nur darin liegen, auf heutige Fehlentwicklungen hinzuweisen, solange es noch möglich ist. Selbiges gilt selbstverständlich auch für das polnische Volk.

Ich würde so weit gehen zu sagen, dass man aus der deutschen Geschichte nicht nur speziell als deutscher sonder in erster Linie als Mensch lernen sollte. Der braune Ungeist ist auch in dieser Zeit nicht nur in Deutschland (als vermeintliche "Alternative") am aufmarschieren sondern steht bereits in immer mehr Ländern in der Regierungsverantwortung. Man denken nur an Trumpland, Orbanistan, das Groß-Erdoganische Reich, die PAF (Putinsche Autokratische Förderation) und eben auch polnisch Dudanien.

Bewerten
- +
Anzeige