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  • Artur_B

mehr als 1000 Beiträge seit 09.09.2004

Der deutsche Verein im Cyberspace

Neu ist das Ganze ja keineswegs, genau genommen spielt es sich in
ähnlicher Form schon seit fünfhundert Jahren ab. Der deutsche Verein
ist nicht nur zu seinem Satzungszweck da, ein Gesangverein etwa, um
die Welt mit schönen Gesängen zu erfreuen, vielmehr ist er auch der
Ort, an der der Deutsche gemeinhin wünscht, recht zu haben. Wenn der
Vorstand zum Amtsgericht laufen muss, um eine winzige
Satzungsänderung genehmigen zu lassen, ist der Deutsche mit sich
zufrieden, wenn der Antrag von ihm stammt. Seinssinn und Daseinszweck
sind damit unwiderlegbar bewiesen. Dass dem nun Stunden sinnloser
Diskussion vorausgegangen sind, die zum Zweck des Übens besser
angelegt gewesen wären, stört ihn nicht.

Insofern ist Wikipedia der deutsche Verein schlechthin: hier geht es
von vorn herein nur ums Rechthaben, ohne sich mit irgendwelchen
Gesängen oder Fußballmannschaften abmühen zu müssen. Nirgends kann
das Recht auf Rechthaben und andernfalls, wenn man keins bekommen
hat, auf Beleisigtsein so ungefiltert ausgelebt werden wie hier. 

Irgend jemand muss es den Deutschen mal sagen: den Fall, dass man
recht hat, aber keins bekommt, den gibt es. Andere Völker sehen das
eher locker. Zur Einübung solcher Gelassenheit empfiehlt sich
übrigens die Mitarbeit in der politischen Linken: man hat quasi
pausenlos recht, bekommt aber keins.

Oder gar eine Einsstellung wie diese (Beitrag weiter unten):

> Das Leben ist grausam und die Menschen sind schlecht
> und dumm, aber das Brot, dass ich backe, schmeckt trotzdem gut.

Das könnte zur Gründung von "Freibäckern" führen, die das etwas in
die Tage gekommene Konzept der Freimaurer ablösen könnte. Um im
Beispiel zu bleiben: wenn sich das durchsetzt, sind Gesänge von nie
dagewesener Schönheit in den Fluren und Auen zu hören.

Gruß Artur   


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