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  • exkoelner

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Das sein bestimmt das Bewußtsein

Von daher hat Adorno schon recht, mit seiner Aussage, es kann kein richtiges Leben im falschen geben. Wenn die große Mehrheit Teilnehmer einer Ausbeutungsgesellschaft ist, die zunehmend ein jeder gegen jeden organisiert, gibt es zwar immer wieder rühmliche Ausnahmen, die dem Trend zugegen laufen - aber dann doch das bestehende nur bestätigen. Der Hang zur Individualisierung ist ja keineswegs gebrochen, die social networks bedienen meist den Wunsch vieler, sich selbst darzustellen und dafür Resonanz, feedback zu bekommen, und nicht irgendwelche Gemeinsamkeiten zu suchen, um dann gemeinsam zu handeln. Die Identitäts-Politik der letzten Jahre greift das bewusst auf, und meine Vermutung ist, um eben genau das zu verhindern - die Entstehung neuer vernetzter Communties, die nicht nur gemeinsam diskutieren, sondern evt. auch gemeinsam handeln. Diese Gesellschaft ist immer stärker auf ein Nebeneinander, als auf ein Miteinander ausgerichtet - und das aus klar umrissenen Kalkül. Von Margret Thatcher über Tony Blair und Gerhard Schröder haben doch nicht von ungefähr sich gerade die unterwanderten Sozialdemokraten Europas extrem darum bemüht, die größten Sozial- und Gemeinschaftsbewegungen, die Gewerkschaften zu zerstören. Und das war so nur möglich, weil seit Jahrzehnten die neoliberale, ökonomisch geprägte Idee, there is no such thing as society, in die Hirne der meisten gepflanzt wurde, um bestehende Strukturen zu zerstören und das Bedürfnis des sozialen Wesen Mensch nach Gemeinsamkeit ins private zu verdrängen und mit Placebos, wie social networks und 24h online-Kommunkation via Smartphone zu ersetzen, online petitionen, die aber alle im realen Leben der meisten kaum nachhaltige Wirkung entfalten. Wenn man dieses schädliche wirken solcher Mechanismen nicht klar benennt, erzeugt man wahrscheinlich nur neue Frustrationen. Eine online-Petition ist was nettes, besser als nichts, aber es bleibt - es gibt nichts gutes, außer man tut es!

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