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  • Tarli

293 Beiträge seit 02.06.2017

von "das" Volk zu "ein" Volk ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt.

Die Rahmenhandlung war wesentlich größer.

Sie endete in völlig ungehemmtem Kapitalismus, in "marktkonformer" Demokratur.
Die BRD hat sich nach 1989/90 in einer Weise verändert, die in den 40 Jahren davor undenkbar war. Stichwort: "das China Europas".

Vor dem als "Wiedervereinigung" genannten Anschluß kam die im Artikel völlig richtig beschriebene Episode.

Davor gab es einen "Massenexodus" über Ungarn und Prag, der ohne westdeutsche, grenzüberschreitende Massenmedien (speziell ARD/ZDF) nicht möglich gewesen wäre.
So ähnlich wie die Flüchtlingskrise 2015 nur mit Smartphones, Facebook und co. möglich war.

Davor tauchte einen Gorbatschow auf, der nur möglich war, weil (a) die Strategie der "Strangulierung" des Ostens (Wettrüsten, Afghanistan als russisches Vietnam) erfolgreich war und (b) die östlichen Chefetagen wegen Altersschwachsinns völlig merkbefreit waren.

Davor (da gehört gegen Ende auch teilweise der Sozialdemokrat Willi Brandt dazu) war seit 1919 das Ziel, das Böse im Osten einfach weg zu machen. Stichworte: General Wrangel, Freikorps und Ebert/Scheidemann/Noske). Nachdem Adolf Nazi (powered by General Motors) vor Stalingrad gescheitert ist, wurden Altnazis wie Gehlen und Globke weiterverwendet. Nuklearwaffen sollten anschließend das Böse wegmachen (siehe: "duck and cover").

Davor war es richtig spannend.
Wie ist Lenin eigentlich wieder nach Rußland gekommen und hat gut 70 Jahre Weltgeschichte markant beeinflußt?
Das deutsch Reich war im Krieg mit u.a. Rußland, 2 Fronten sind schlecht. Kann man eine davon im Inneren beschäftigen, ist es einfacher. Also schickte man Lenin mit der Reichsbahn nach Rußland. Sehr geschickt, aber zu spät für den Kaiser.

Davor gab es Halford Mackinders "Herzlandtheorie". Gefolgt von einer damals undenkbaren Propagandaschlacht ("Die Hunnen kommen") und dem ersten Weltkrieg.
Das britische Empire hatte einen unerwarteten Konkurrenten bekommen, der weg mußte.

Deutschland war immer irgendwie beteiligt.

Zwischendrinn gab es eine überlagernde Phase, speziell 60/70er und Anfang 80er Jahre. Nannte sich "Schaufensterpolitik". Deswegen war die BRD sehr viel kuscheliger als heute - und die war DDR das Beste, was man im Ostblock finden konnte (Lebensstandard).

Das "Schaufenster" wurde erfolgreich entfernt. Schröder/Hartz-IV und Bundeswehr im Ausland. Und "marktkonforme Demokratie".
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So sehr ich Albrecht Müller (und die Nachdenkseiten) heute schätze, seine Sicht auf die Vorgänge um und vor 1989/90 ist sehr begrenzt. Das liegt sicher auch daran, daß er selbst im Vorfeld als Mitarbeiter Willi Brandts möglicherweise einige (heute ungewollte) Leichen im Keller hat.
Willi Brandt ist nicht nur für europäische Annäherung bekannt, sondern auch für die Berufsverbote. Das BVerfG hat 20 Jahre gebraucht, diese für verfassungswidrig zu erklären.

Geschichte ist spannend und hinterhältig.

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