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  • gilge

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Das „Projekt Öko-Bewegung“

Zur Erinnerung dieser Tatsache werfen wir einen Blick in das Buch 
„Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“,  des im Ölgeschäft aufgewachsenen
Autor  William Engdahl,  der eben dort auf Seite 221 schreibt:

9. Kapitel: Weltwirtschaft im Rückwärtsgang

Das „Projekt Öko-Bewegung“

(…) Anfang der siebziger Jahre begann eine gewaltige
Propagandaoffensive. Die Materialien stammten von ausgesuchten
anglo-amerikanischen Denkfabriken. Zuerst ausgesuchte Zeitungen und
schon bald die ganze Medienschar beteiligten sich einhellig an der
Kampagne. Eine allgemeine Diskussion über „Grenzen des Wachstums“
setzte ein. Sie sollte indirekt die willkürlich auferlegten Härten
des Ölschocks rechtfertigen und den Erfolg dieser Politik absichern.
Die zentrale Figur hinter der Kampagne war der Boß von Atlantic
Richfield, Robert O. Anderson. Der amerikanische Ölmann hatte am
Bilderberg-Treffen in Saltsjöbaden teilgenommen und es auf sich
genommen, die „Ökologiebewegung“ in Gang zu bringen.

Anderson und seine Firma trichterten Millionen Dollar in die
Atlantic-Richfield-Stiftung und von dort weiter in Organisationen,
die gegen die Kernenergie mobilmachten. Einer der größten Nutznießer
dieser außerordentlichen Freigebigkeit war eine Gruppe, die sich
„Freunde der Erde“ nannte. Sie wurde mit einem Scheck der Stiftung
über 200.000 Dollar als Starthilfe bedacht. Als erstes nahmen sich
Andersons „Freunde der Erde“ die deutsche Nuklearindustrie vor. Ihr
Mann war der Jungsozialist Holger Strohm, der mit seinem Buch
Friedlich in die Katastrophe schon 1973 die Argumente aus Freemanns
Ford-Studie nach Deutschland importiert hatte. Strohm und seine
öligen „Freunde der Erde“ waren die treibende Kraft hinter den
Antikernkraft-Demonstrationen zum Beispiel gegen Brokdorf 1976, die
nicht selten zu gewalttätigen Schlachten ausarteten. Die „Freunde der
Erde“ in Frankreich leitete Brice LaLonde. Er war Rechtsanwalt und
leitete das Pariser Büro der Kanzlei des Rockefeller-Clans, Coudert
Brothers. LaLonde ist heute Mitterrands Umweltminister…

Die Freunde der Erde waren aber nur eines der bescheideneren Mittel
des Robert O. Anderson von Atlantic Richfield Oil Co. Das
bedeutendste Vehikel zur Verbreitung der „Grenzen des Wachstums“ war
sein „Aspen-Institut für humanistische Studien“. Er selbst war
Vorsitzender des Instituts, ein weiteres Vorstandsmitglied der
Atlantic Richfield Oil Co., Thornton Bradshaw, sein Stellvertreter.
Das renommierte Aspen-Institut war der wichtigste Kanal, über den die
Antikernkraft-Bewegung in den frühen siebziger Jahren finanziert und
aufgebaut worden ist. Und für neue Ideen und Geld waren nicht nur die
stets kritischen Medien, sondern auch „linke“ Oppositionelle schon
immer zu haben…

Die Stockholmer Umweltkonferenz der Vereinten Nationen bereitete die
Infrastruktur für die bald vehement einsetzende Medienkampagne vor.
Sie wurde genau zu dem Zeitpunkt gestartet, als der Jom-Kippur-Krieg
die Ölkrise auslöste. Sie richtete sich in erster Linie gegen die
Kernenergie und benutzte die breiter angelegten Umweltschutzargumente
weitgehend nur als Einführungs- und Rahmenprogramm der
Antikernenergie-Kampagne. Mit der Ölindustrie so stark verwobene
Einrichtungen wie die Atlantic Richfield Foundation, die Rockefeller
Brothers Foundation und andere vergleichbare Organisationen der
anglo-amerikanischen Führungselite spuckten Millionenbeträge für
diese sich doch so „oppositionell“ gebärdende Bewegung aus. Und siehe
da, die Öko-Kampagne lief wie geschmiert…

Den überwältigenden Einfluß der Finanzeliten auf die stets kritischen
Medien zeigt die einfache Tatsache, daß in den langen Jahren der
Antikernkraft-Kampagnen niemand empört auf Interessenverflechtung
ihrer Betreiber verwies - auf die Verbindung zwischen der von Robert
O. Anderson so reichlich finanzierten Antikernkraft-Bewegung und der
Tatsache, daß seine Atlantic Richfield Oil Co. und die Gesellschaften
seiner Mitstreiter die Hauptnutznießer der fortgesetzten Abhängigkeit
ganzer Volkswirtschaften vom Öl waren. Aber wer wollte schon die
wildgewordenen Antikernkraft-Demonstranten in Brokdorf und anderswo
mit so ehrenwerten und staatstragenden Gesellschaften wie Andersons
Atlantic Richfield Oil Co., Esso, BP, und Shell in Verbindung
bringen?

Diese Gesellschaften hatten zig Millionen Dollar in finanziell
hochriskante Ölunternehmungen in Alaska und in der Nordsee gesteckt.
Sollten sie zusehen, wie billige Kernenergie diese Investitionen
wertlos machte? Die Öko-Bewegung und die stets kritischen Medien
zeigten für diese Interessen viel Verständnis, versteckten es aber
schamhaft hinter impotentem Geschimpfe auf das hemmungslose
Profitinteresse des Kapitals. Hätte der Ölschock von 1974 nicht den
Ölpreis pro Faß von 1,9 Dollar auf 3,01 Dollar und dann bis auf 11,65
Dollar hochgetrieben, wären diese Investitionen in Alaska und in der
Nordsee nicht nur unrentabel gewesen, sondern hätten diese
Gesellschaften in den finanziellen Ruin treiben können…

Und wie an der Katastrophe um die „Deepwater Horizon“ jüngst
festzustellen war, wird immer noch mit längst physisch, wie geistig,
abgeschriebenem Gerät zum Abbau notwendiger Ressourcen weiter
gewurschtelt. Am offensichtlichsten ist das in den sog. „Dritte
Welt-Ländern“, die, allein mit der Technik die hierzulande in den
60er Jahren(!!!) verfügbar war, die bis zum Erbrechen wiedergekäuten
Probleme nicht hätten – und Hungertote auf diesem Planeten lediglich
noch eine Fußnote in den Geschichtsbüchern wäre!

Doch der westl. „Bildungsbürger“ wird mittels Orwell-Neusprech seiner
bevorzugten Qualitätsmedien, subtil, aber bestimmt, eine Lösung
vorenthalten. Stattdessen wird dem Volk eingeredet es müsse
„Nachhaltigkeit“ leben und es gäbe – natürlich immer nur in anderen
Ländern – eine „Bevölkerungsexpolsion“. Der so anerzogene
Pawlowsche-Reflex akzeptiert sogar, daß dem größten Teil der
Weltbevölkerung nach wie vor als „angepaßte Technologie“ Hacke &
Schaufel empfohlen, und Kondome statt Brot und andere Hilfsgüter
geliefert werden; bzw. dort keine eigene Entwicklung in Gang kommt.
Und sie lassen den mit „panem et circenses“ abgerichteten Mob
glauben, mit der Bespendung irgend eines Vereins seinen
(Sünden-)Ablass erkauft zu können!
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