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  • alexf38

108 Beiträge seit 15.01.2017

Wenn ein scheinbar Linker ...

... das hier

"Eine friedliche Welt ist nur vorstellbar, wenn die gesamte Menschheitsfamilie im Einklang mit sich selbst und der Umwelt zusammenlebt"

oder

"Wir setzen uns ein für Nachhaltigkeit in allen Bereichen unseres Lebens und schonen die Natur vor ungezügelten Eingriffen, damit folgende Generationen von Mensch, Tier und Pflanzen eine lebenswerte Umwelt behalten"

unter Esoterik verbucht, würde ich gerne glauben, der fühlt sich seiner Ziele beraubt und reagiert pampig, indem er Dreck wirft.

Bemerkenswert ist aber:
Wenn neue Bewegungen auf der Bildfläche erscheinen, kümmern sich die reichweitestarken Medien immer rasch um Etikettierung (die ÖR nennen es "Einordnung"), und viele Linke helfen dabei fleißig mit. Wehe, wenn einer von denen Inhalte von KenFM wiedergibt; wehe, wenn einer von denen geschichtsvergessen auf einem Gebiet eine Demo plant, auf dem früher Naziverbrechen stattgefunden haben, ohne sich lautstark davon zu distanzieren - man ahnt es, der Antisemitismus ist nicht weit entfernt, wenn nicht vorher brav das Lippenbekenntnis heruntergebetet wird. Dieser Übereifer beim Einordnen ist schwierig auf dem Hintergrund, dass erstens sich entwickelnde Bewegungen immer Menschen anziehen, die diese aus Eigeninteresse in eine bestimmte Richtung zu ziehen versuchen, und dass zweitens sich entwickelnde Bewegungen auf diese Weise leicht von außen zu Fall gebracht werden können: indem man gezielt Personen einschleust, die die die Voraussetzungen für eine Diskreditierung erwirken. Man kann zum Eindruck gelangen, Nowak (und im Besonderen Konicz) arbeiteten bisweilen solchen Zwecken zu, und was sie tun, sei keine Entlarvung gefährlicher Strömungen, sondern eine Anbiederung an die etablierten Mächte.

Ich habe mich 0, zero mit dieser Bewegung/Partei beschäftigt. Schwierig am Artikel finde ich die linke Analyse: sie fehlt. Am Ende kommt raus, dass irgendwie doch alles rechts ist, und wem man nicht trauen darf. Das Resultat ist, wie man es dreht und wendet, systemstabilisierend: Eine Gefahr, in diesem Fall Wir2020, wird entlarvt und scheint abgewendet - bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen, es profitiert: Der status quo. "Esoterik" als Merkmal einer Bewegung aktiviert sofort das Frame rechter Esoterik, der "Mittelstand" ist, wie man weiß, sowieso ein ganz verdächtiges Völkchen, und wer weiß, was da neben wirtschaftlichen Selbstinteressen und Aufbegehren gegen staatliche Autoritäten so an braunen Affinitäten einfließt, uiuiui. Impfkritiker, Esoteriker, Mittelständler, die "auch" Lohnabhängige und Beschäftigte ansprechen: schon haben wir alle Zutaten für nationalistisch und sozialistisch zusammen, fertig ist die braune Suppe.

Die größte Aufgabe, die die Linke bewältigen muss, ist, die Menschen in einer von sozialer Isoliertheit, Sektiererei und Selbstbezogenheit unterhöhlten Gesellschaft auf einen Nenner zu bringen. Was Nowak hier tut, ist das Gegenteil: Bevor eine Gruppierung überhaupt zustande kommt, wird sie diskreditiert und die Teilnahme an ihr problematisiert - und das auf eher schwachen Füßen.

Was daran links ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

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