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  • Mathematiker

mehr als 1000 Beiträge seit 22.02.2014

Propaganda in Zeiten der Fake-News

Eine kleine Analyse des Textes von Herrn Mühlbauer:

In der birmanischen Provinz Rakhine gibt es seit einem Angriff der islamistischen Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) kriegerische Auseinandersetzungen zwischen dieser Guerillagruppe und der Armee, die einen großen Teil der Bevölkerung veranlassten, das Konfliktgebiet zu verlassen

Hier ist eine, in der Propaganda übliche, völlig willkürliche Null-Punktsetzung der zeitlichen Betrachtungen. Diese uralte Technik wird gerne auch bei ganz banalen Streitereien eingesetzt und soll suggieren, dass vorher Friede, Freude und Eierkuchen herrschte, bis der Gegner plötzlich böse wurde und aus heiterem Himmel seinen friedliebenden Gegner angriff.
Die ARSA wurde 2016 gegründet, der Konflikt besteht aber schon seit dem Ende der Kolonialzeit, als die britische Riesenkolonie willkürlich in verschiedene Länder aufgeteilt wurde. Der Nachbarstaat Bangladesh ist ein islamischer Staat, während die Rohingya das Problem hatten, dass ihr Siedlungsgebiet einem Staat mit größtenteils buddhistischen Ethnien zugeschlagen wurde. Seit dieser Zeit gibt es Spannungen zwischen den Arakan (quasi den Ureinwohnern), Rohingya und den Burmesen. Der aktuelle Ausbruch der Spannungen existiert seit 2012. Hier bei sollte erwähnt werden, dass das Bürgerschaftsgesetz von 1982 die Rohingya als illegale Einwanderer betrachtet und diesen die Staatsbürgerschaft verweigert, obwohl diese Leute dort schon seit der Kolonialzeit und teilweise noch viel länger leben.

Ethnische Birmanen (Bamar) fliehen ins Landesinnere, moslemische Bengalischsprecher eher über die Grenze nach Bangladesch, wo angeblich bereits ein knappes Drittel dieser als "Rohingya"

Hierbei wäre die Erwähnung hilfreich gewesen, dass die Bamar, zwar die größte Ethnie in Birma stellen, aber in der Region ebenfalls Einwanderer sind. In der Hauptkonfliktregion stellen die Rohingya sogar die Mehrheit. (Was weder den Arakan, noch den Bamar passt.)

Diesen Einmarsch begleitete damals eine ebenfalls sehr einseitige Berichterstattung in Medien der NATO-Länder ...
Stattdessen mussten fast alle Serben aus dem Kosovo fliehen.

Das ist hier der allergrößte Klopfer von Herrn Mühlbauer. Der Einmarsch der Nato-Friedentruppen fand vor dem Hintergrund der Erkenntnisse des serbischen Völkermordes in den Bürgerkriegen während des Zerfalls Jugoslaviens statt. Man hätte ja auch warten können, bis die albanische Mehrheit im Kosovo ermordet oder vertrieben worden wäre und hätte dann den moralischen Zeigefinger erhoben.
Den Kosovo hatte sich der serbische Retortenstaat im Zuge der Balkankriege gegen das Osmanische Reich einverleibt.
Das eigentliche Problem beim Kosovo ist, dass diese Region das Armenhaus des (ohnehin schon armen) Balkans darstellt und alleine überhaupt nicht lebensfähig ist. Wer kann, der nimmt die Beine in die Hand. Die alleinige Aufgabe der Nato war es, Übergriffe von beiden Ethnien zu unterbinden.

In den russischen Sputniknews weist man auf die Aktivitäten des Milliardärs George Soros in Birma hin, dessen Organisationen bereits seit 2013 von einem angeblichen "Völkermord" an Rohingya sprechen. Soros steht im Ruf, Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen zugunsten eigener Einflussnahme auszubeuten ...

Wie wäre es hier einmal mit sauberen Belegen? Wenn einer Bevölkerungsgruppe die Staatsbürgerschaft verweigert wird und diese damit staatenlos sind, geht das weit über die üblichen Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen hinaus.

Soros .... ist inzwischen auch in den USA nicht mehr unumstritten, nachdem der konservative indischstämmige Autor Dinesh D’Souza in seinem Bestseller The Big Lie enthüllte, dass der aus Ungarn stammende Mann jüdischer Herkunft wegen seiner Mithilfe bei der Arisierung des Eigentums anderer ungarischer Juden keinerlei Schuld empfand.

Das "Kapitalverbrechen der fehlenden Schuld" reicht natürlich völlig aus, um auch die hier besprochene Problematik der Rohngya völlig zu diskeditieren. Propaganda in Reinform.

Die manchmal geäußerte Vermutung, dass der Einfluss des chinesischen Buddhismus in Birma eine Rolle beim Ausbruch des Konflikts spielen könnte, kann deshalb schlecht mit einer möglichen Staatsraison Pekings untermauert werden. Zudem drängten buddhistische Mönche in Birma schon nach dem Ende der britischen Kolonialzeit darauf, den Buddhismus zur Staatreligion Birmas zu erheben, was sich damals vor allem gegen christliche Volksgruppen wie die Kachin, die Chin und die Karen richtete und inzwischen wieder rückgängig gemacht wurde.

Chinesischer Buddhismus hat nur wenig mit dem Staat China und einer Staatsraison Pekings zu tun. Die Chinesen hatten auch lange Jahre andere Sorgen, als irgendwelche Leute in Birma fernzusteuern. Das Problem sind eher die besagten Volksgruppen, die Ideologien und der Versuch Religion mit einer nationalen Identität zu verweben.

Dass westliche Medien einseitig berichten und unter den Tisch fallen lassen, dass ARSA-Islamisten auch Dörfer von Buddhisten in Brand steckten und gegen Bengalischsprecher vorgehen, die nicht auf ihrer Linie sind, bedeutet freilich nicht, dass es in Birma keine Gewaltakte gegen Rohingya gegeben hätte. In der Vergangenheit gingen solche Gewalttaten häufig von buddhistischen Mönchen aus. So führte beispielsweise die Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamian 2001 ...

Wieder einmal das übliche Spiel mit der Zeitachse. Die Buddhisten werden entlastet, weil ja die bösen Moslems angefangen haben.

Nein. Der Artikel ist kein Heldenstück. Aber hier läßt sich auch leicht sehen, dass Propaganda, auch wenn man unterschiedliche Seiten betrachtet, einem der Wahrheit nicht unbedingt näher bringt.

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