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  • MichaelLohmann, Michael Lohmann

149 Beiträge seit 03.11.2012

Die Sorgen der Spießbürger ernst nehmen...

Und bei der Bewertung der Vorgänge keinen Schaum vor dem Mund haben, sondern Augenmaß nehmen. Und nicht zuletzt: Die Sorgen auch der Spießbürger ernst und sich selbst weniger wichtig nehmen.

Diese Aussage von Haller wird missverstanden, wenn Nowak sie als "Einfühlen in die Wutbürger" abtut. Nowak meint ja offensichtlich ein empathisches Einfühlen. Aber Haller spricht von der journalistischen Einordnung der Ereignisse und genauer eben von der Bewertung dieser. In diesem Kontext ist das Ernstnehmen zu übersetzen: Die Journalisten sollen die Sorgen der Spießbürger nicht abtun, nicht abwerten, nicht verteufeln. Sie sollen sie dagegen als ganz normales Ereignis darstellen und darüber ohne Emotion berichten.

Daran ist nichts verkehrt und es ist auch kein Fraternisieren mit den Wutbürgern. Wobei "Wutbürger" schon ein Kampfbegriff ist, mit dem manche Medien vor allem den Protest gegen Stuttgart 21 diskreditiert haben. Aber zurück zum Thema: Verkehrt ist es, wenn Journalisten reflexhaft die Äußerungen von "Spießbürgern" abwerten, um hier sofort alle "Verunreinigungen" der demokratischen Öffentlichkeit mit weniger freundlichen Ausdrucks- und Denkweisen abzuwehren. Wenn Journalisten so etwas tun, signalisieren sie diesen Leuten bloß, dass sie parteiisch sind, dass sie sich auf die Seite der (linksliberalen) Mittelschicht geschlagen haben. Und das ist eben kein Journalismus, sondern das ist Kampagne. Deshalb ist es vollkommen richtig, wenn ein Journalist schlicht berichtet, wer welche Ängste, Sorgen, Forderungen geäußert hat, ohne das irgendwie zu politisieren.

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