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  • stoffer1

389 Beiträge seit 24.01.2005

Glaube an die Wissenschaft

Der Glaube, das sich das Wissen der Menschheit immer weiter vermehrt,
erinnert mich an den Glauben an ein immerwährendes
Wirtschaftswachstum.

Wie absurd letzterer ist, lässt sich leichter durchschauen und leicht
wiederlegen.

Aber auch beim Wissen scheint es eher so zu sein, dass der Mensch
eine ungefähr gleichbleibende Fähigkeit hat, komplexe Zusammenhänge
zu durchleuten. Wie kommt es sonst, dass die Menschheit nicht im
geringsten in der Lage ist, wirtschaftliche Prozesse vernünftig zu
gestalten oder die Belange von Umweltschutz auch nur ansatzweise in
den Griff zu bekommen. Vielmehr steuert die Menschheit sehenden Auges
auf eine katastrophale Zerstörung von Umwelt und Gesellschaft bzw.
ihrer Lebensgrundlagen zu. Ein blöderes Tier gibt es auf der ganzen
Welt nicht.

Erstens ist Wissen nichts anderes als die Projektion gedanklicher
Modelle auf die Natur. Diese ist so spezifisch wie es die
Verhältnisse gerade erfordern. Ein Schamane kennt vielleicht hunderte
von Kräutern und "Zaubereien" die in der Lage sind ein spezielles
gesundheitliches Problem zu lösen. Der moderne Arzt kennt hunderte
von chemischen Präparaten, die zum gleichen Zweck geeignet sein
sollen (natürlich Produkte hochwissenschaftlicher Forschung). Aber
wenn man ehrlich sein soll, tappt der Arzt weitgehend im Dunkeln und
doktert allenfalls an Symptomen herum. Wir leben in einer Zeit wo
analytisches Denken und Spezialisierung im Vordergrund steht. Jeder
ist ein Fachidiot. Das Wissen und vor allem die Wahrnehmung von
Zusammenhängen bzw. die Art von Denken, die das Ganze berücksichtigt,
ist dafür kaum noch vorhanden. Ich würde sogar sagen, es ist
außerhalb unserer Vorstellungswelt.

Was auf der einen Seite dazukommt verschwindet auf der anderen Seite.

Zweitens, wer sagt den dass es in der Natur keine komplexeren
Strukturen gibt, als das Gehirn. Der Mensch ist beseelt von dem
Gedanken, dass er bzw. sein Geist die Krone der Schöpfung sei. Dabei
ignoriert er geflissentlich, dass er selbst Teil und Produkt eines
größeren und komplexeren Gebildes ist. Und damit natürlich auch seine
Gedanken bzw. sein Wissen. Das heißt, das Wissen ist immer nur eine
(kleinere) Teilmenge der Natur. Und es ist eine ganz spezifische
Erscheinung der jeweiligen Kultur bzw. Epoche. Das heißt nicht, dass
das Wissen in einer Epoche unbedingt mehr oder weniger ist als in
einer anderen, es ist möglicherweise nur anders.


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