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Der leichte Konsument

cndwlz schrieb am 13.08.2017 14:12:

Und ja - Kunst, die zumindest ein paar Widerhaken hat, ist halt nicht so leicht zu konsumieren, wie das drölftausendste hyperscharfe HDR einer tollen Landschaft oder ein Bild eines jungen Models mit photoshopweichgebügelter Haut.

Ich möchte weder den HDR-Kitsch noch die allgegenwärtigen Barbiepuppen rechtfertigen. Sind sie denn die einzige Alternative?
Dein Kommentar bestätigt es: Dass Kunst schwer verständlich sein und "Arbeit" vom Betrachter verlangen müsse, scheint nirgendwo in Frage zu stehen. Ich stelle das ausdrücklich in Frage.

Kunst muss nicht gerade Fast Food sein, aber darf ein raffiniertes Menü nicht auch jemandem schmecken, der von Kochen keine Ahnung hat? Mit anderen Worten: Vertiefte Beschäftigung mit einem Kunstwerk wird sich immer lohnen, wenn es sich um große Kunst handelt. Aber eben diese große Kunst bringt es gleichzeitig fertig, auch dem Unbedarften etwas zu geben, ihn zumindest nicht abzustoßen.

Wir könnten endlich aufhören, leichte "Konsumierbarkeit" (das sollte mal jemand versuchen genauer zu definieren) als Kunst-Ausschlusskriterium in Stein zu meißeln. Nicht alles, was leicht konsumierbar ist, ist Kunst, es ist aber auch nicht zwangsläufig keine. Und nicht alles, was leicht verständlich ist, ist leicht konsumierbar. Es ist eher ein Zeichen großer Kunst, das Schwierige einfach, das Neblige klar und das Verschwommene konturiert zu machen.

Heutige Kunst gefällt sich überwiegend im Gegenteil.

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