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  • thogar

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Re: Warum bekommen diese Leute nicht einfach so eine Wohnung vom Staat?

Wenn_man_genau_darüber_nachdenkt schrieb am 14.11.2017 10:16:

thogar schrieb am 13.11.2017 17:46:

Findest du? Ich sehe hier lediglich eine gute Zusammenfassung der Realität,

Diejenigen, die hier im negativen Sinne über die "Leistungsgesellschaft" klagen, sollten mal über die Grenze schauen, wie es im Rest der Welt aussieht. Unsere Leistungsgesellschaft hat ein recht umfangreiches soziales Netz. (Ja, es geht sicher noch besser, aber zu >90% sieht es in der Welt schlimmer aus.)
Und die meisten Gesellschaften basieren darauf, dass man auch in die Gesellschaft zurück gibt, wenn man von ihr profitiert. Wenn jemand nicht dazu bereit ist, dann klinkt er sich aus der Gesellschaft aus und dann ist er auf freiwillige Hilfe angewiesen. Und es gibt eben einen gewissen Teil, die sich so ausklinken, egal ob freiwillig oder unfreiwillig.
Sprüche wie "neoliberale Leistungsgesellschaft" ist nur dummes Skandieren von politischem Bullshit-Bingo.
Und was haben solche Sprücheklopfer denn für Alternativvorschläge? Mal sehen.... ach, keine. Was ein Wunder.

Dein Absatz über den Slogan ist einfach nur daneben. Natürlich ist es wichtig, dass Menschen Arbeit, bzw. eine Aufgabe haben. Schafft man Arbeit, profitiert das gesamte Sozialleben davon. Dass die Nationalsozialisten sowas zur Propaganda nutzen und umdeuten in "Wer nicht arbeiten kann, ist nichts wert." ändert nichts daran.

Genau diese Umdeutung findet doch aber statt seitdem der Spruch "Sozial ist, was Arbeit schafft." (s)eine Renaissance ab etwa dem Jahr 2000 erlebte. Und wenn man dann sagt was eigentlich sozial ist, schlägt einem reflexhaft von den Verfechtern der sogenannten "Leistungsgesellschaft" das Pseudo-Totschlagargument der Alternativlosigkeit entgegen - so wie bei dir jetzt.
Dabei sind die Alternativen ja da, sie werden nur mangels eigener Fantasielosigkeit und dem Beharren auf den eigenen größtmöglichen Nutzen von den Eliten beiseite gewischt ohne sich damit ernsthaft zu beschäftigen. Ein Verweis darauf des es "woanders" schlechter sei, ist übrigens keine Beschäftigung damit, geschweige denn ein Argument - höchstens ein Indiz dafür dass man das St. Florians Prinzip vernebelnd anzuwenden weiß, mehr aber auch nicht.

...dein "Argument" dass wenn man Arbeit schafft dieses sozial ist ist völliger Humbug. Nebenbei gefragt, wie macht man das eigentlich? Seit zig Jahren ist die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland nahezu konstant, da wurde nichts (zusätzlich) geschaffen. Lediglich der Anteil an prekär Beschäftigter steigt kontinuierlich - inzwischen sind in Deutschland 22,5% im Niedriglohnsektor beschäftigt - was ist daran sozial? Während gleichzeitig diejenigen die eh schon viel hatten enorme Zuwächse verzeichnet haben - oft genug leistungslos - und sich dann auch noch oft genug dem Entrichten eines fairen Steueranteils entziehen konnten (ob legal oder nicht, moralisch verwerflich etc. lasse ich mal offen, denn es geht nur dabei um das aufzeigen der inzwischen völlig aus dem Ruder laufenden Entwicklung).

Mache doch bitte einfach einmal ein kleines Gedankenspiel als mögliche Alternative...
Nimm einmal an, basierend auf deiner Aussage von oben, das Unternehmen und "Wohlhabende" jene sind die maßgeblich der Gesellschaft etwas zurück geben (müssten). Denn sie sind in der heutigen Ökonomie und Gesellschaftsordnung jene die überwiegend (monetär) davon profitieren dass die Gemeinschaft funktioniert. Die Gemeinkosten die durch Steuern der Bürger bezahlt werden nutzen vorwiegend ihnen weil sie die Infrastruktur bereitstellen, (mehr oder weniger gut) gebildete Arbeitskräfte bereitstellen und auch erst den Markt mit dem (bescheidenen) Wohlstand der Bevölkerung schaffen der ihre Unternehmungen lukrativ macht. Warum sollten daher die Bürger (den maßgeblichen Teil an den gesamten) Steuern zahlen und nicht überwiegend die Unternehmen und "Wohlhabenden"?
Ich weiß das ist natürlich eine recht ketzerische Fragestellung - aber die Antwort natürlich auch, weil sich das dann für die Ausbeutung der Masse nicht mehr lohnen würde und die wenigen der Eliten die jetzt daran partizipieren eher gleichgestellt wären mit der breiten Masse.
Wobei man natürlich auch hinterfragen muss was es überhaupt für einen Sinn macht wenn einige wenige Menschen zig Millionen oder Hunderte davon, vielleicht auch Milliarden oder noch mehr auf den Konten haben, die sich dann auch noch praktisch leistungslos wie von selbst vermehren ohne dass darauf ein fairer Steueranteil entrichtet wird, während der Rest der Menschheit bzw. Bürger eines Landes eben eher wenig von seiner geleisteten Arbeit hat und dann auch noch das Gemeinwesen praktisch allein finanziert welches Unternehmen dann für ihre Zwecke nutzen?
Ich persönlich kann den Sinn darin nicht so richtig erkennen und wenn ich ganz ehrlich bin sind diese Leute die von dem System massiv profitieren für mich die wahren Sozialschmarotzer in den Gesellschaften und meist eben keine Leistungsträger im Sinne der oft propagierten Leistungsgesellschaft.

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