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  • Dirk Steuwer

78 Beiträge seit 02.06.2004

Re: Finanzierung der Entwicklungsleistung?

Electronic Wizard schrieb am 9. April 2010 12:44

> Die Finanzierung der Entwicklungsleistung von Open-Source habe ich
> schon nicht verstanden, noch weniger die von Open-Hardware.

i.d.R. sind es Auftragsentwicklungen die als Dienstleistung
abgerechnet werden. Dabei ist Opensource mit Closedsource im  Prinzip
identisch. Jedoch entsteht bei Offenlegung des Quellcodes (das
Endprodukt der Entwicklung) der Effekt, das nur ein Kunde einmal für
diese Anpassung bezahlen muss. Alle anderen Profitieren. Das heisst,
entweder ich zahle und bin vorne mit dabei und bekomme es genau so,
wie ich es haben will oder ich warte, und bekomme das, was eventuell
auch für meine Bedürfnisse passt, kostenlos.
Ansonsten gibt es noch das Lizenzierungsmodell im Prinzip ein Abo auf
Updates/Wartungsvertrag. Die laufenden Einnahmen werden zur Pflege
der Software verwendet.

> Meine Brötchen verdiene ich als Hardware-Entwickler. Wenn ich ein
> Produkt entwickle, dann wird der Preis für dieses Produkt auch einen
> Anteil für mein Gehalt enthalten.
> Wenn nun jeder - im Sinne des Open-Source-Gedankens - mein Produkt
> nachbauen (und selbst verkaufen) kann, wird kein Geld für mein Gehalt
> reinkommen. Denn wenn ich das Produkt verkaufe, schlage ich natürlich
> auf den Preis anteilsmäßig Kosten für mein Gehalt auf. Andere können
> dieses Produkt billiger verkaufen, da keine Entwicklungskosten
> anfallen.

> Damit wäre ich nicht so ganz einverstanden, denn wovon sollte ich
> leben, wenn nicht von meiner Arbeit als Entwickler?

> In meiner Freizeit fände ich es natürlich spannend, an so einem
> Projekt mitzuarbeiten. Allerdings wäre ich nur mäßig erfreut, wenn
> ich die Arbeit mache und andere Geld damit machen.

> Oder habe ich da was Grundsätzliches falsch verstanden?

In der Praxis ist es wie bei z.B. Musikern mit CC-Lizenzen. Einige
Lizenzen erlauben alles, andere nur die nichtkommerzielle Nutzung
kostenfrei. 
Es gibt auch Modelle, wo eine Band eine Art Aktienmodell verfolgt.
Die Nutzer, die sich vom Produkt etwas versprechen, können sich
Aktien kaufen und wenn der Wert X erreicht ist, wird das Album
produziert und unter CC freigegeben. Dabei entstehen keine Kosten.
Nutzer, die einen Betrag X gespendet haben, erhalten als
Gegenleistung z.B. eine CD in Hardware.
Desweiteren gibt es Bands, die über einen Livestream zahlenden
Clubmitgliedern Probesessions und Konzerte übers Netz streamen. Ggf
erhalten diese Nutzer auch CD/DVD Produktionen für ihre Zahlungen.

Abgesehen davon könnte man auch Vereins-, Stiftungs-,
Genossenschafts-, gGmbH- oder gAG-Modelle verwenden. 

Ich denke, wir stehen hier erst am Anfang des Prozesses. Dennoch
haben sich ein paar kreative Ideen entwickelt, wie man sich nach wie
vor finanzieren kann.
Solange Hardware das Produkt ist, wird ein Kunde auch dafür bezahlen.
Die Frage ist eigentlich nur: Wie bekommt man das Geld/motivierte
Freizeittüftler für die erste Anschubfinanzierung?
Wenn der Entwicklungs- und vor allem der Entscheidungsprozeß
entsprechend offen gestaltet ist, sollten Produkte herauskommen, die
Marktfähig sind, weil die Käufer intensiv beteiligt wurden. 

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