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Re: Miete ist Kapital - und Kapital ist Diebstahl

Hackito ergo Sum schrieb am 18. April 2010 11:23
> Du hast "Kapitalismus ist böse" auf extrem umständliche und
> einschläfernde Weise umschrieben.
Wenn es Dich ermüdet (hat), tut mir das natürlich Leid, nur habe ich
nicht wirklich etwas gegen den Kapitalismus! Ich hab' was gegen die
Sklaven die ihn mit sich geschehen lassen und dann wie Spartakuss
meinen aufbegehren zu dürfen, wenn mal wieder die Peitsche knallt.
Das, widert mich an! Dass die "/permanente kapitalistische
Revolution/" [Marx & Engels] die Objekte /Arbeit/ frisst wie der
Hochofen die Kohle, dafür braucht es keine großartige Bildung. Das
ist schon 1000 Mal laut und deutlich formuliert worden. Das ist das
Wesen des K. Hätten die 1000de von Machos in unsere Branche mal auf
ihre Frauen, ihre Mütter, ihre Freundinnen gehört, anstelle hormonell
fehlgesteuert ("ich bin der Größte, der Beste, der am meisten
Verdienende Informatiker") sich freiwillig als Objekte(!) zum Teil
dieses /permanenten kapitalistischen Revolution/ zu machen, hätten
sie weniger Angst (Dieter Duhm, "Angst im Kapitalismus"), wären wohl
weniger Impotent (Zeugungsunfähig, warum wohl ist Viagra ein solcher
Erfolg geworden?) und - vor allen Dingen - könnten von einer
Metaebene aus (weil das Bewusstsein nicht durch hormonelle Triebe
/getrübt/) sich selbst in Relation zu dieser Umwälzung wahrnehmen und
insbesondere ihr eigenes Verhältnis zu dieser nahezu beliebig zu
ändern, gestalten. Man hätte es nur wollen müssen.
[Nein, ich entschuldig mich nicht. Es ist fast eine Art Sport
geworden, Sätze in vermeintlich nicht für die sog. neuen Medien
angepasster Kürze zu formulieren. Ein Gedanke ist halt ein Gedanke
und damit ein ganzer Satz.]

> Fakt ist aber das nicht jeder zu jeder Arbeit qualifiziert werden
> kann. Fakt ist auch das ein Studium eine ganze Menge Geld kostet und
> dieses Geld wieder reinkommen muß um die Altersversorgung zu sichern.
Ja, der Mensch lebt nicht von Brot allein. Und so ist es genauso
Pflicht eines jeden, sich über sich und sein Verhältnis zu zeiner
Umwelt klar zu werden, sprich sich bewusst zu machen, sprich zu
Bewusstsein zu gelangen. Im Unterschied zu den beinahe triebhaften
Bedürfnissen die Du ansprichst (Hunger, Ausbildung um sein Leben zu
bewältigen usw.) gibt es für dieses zu Bewusstsein zu gelangen aber
keine oder nur sehr geringe hormonelle Automatisen. Der Homo sapiens
sapiens (der Mensch der von sich selbst weiß, dass er weiß, sprich
der zu Bewusstsein seiner selbst gelangte Mensch) ist eine Option für
jeden. Er/sie kann zu Bewusstsein gelangen, muss es aber nicht. Und
dies ist auch heute ohne Studium, sogar ohne Schulbildung möglich.
Ich kann nur immer wieder auf I.K. verweisen: "Aufklärung ist der
Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.
Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung
eines anderen zu bedienen. ..." Da steht nichts davon, dass dies nur
nachdem man eine enttsprechende Anleitung verabreicht bekommen hat,
dazu in der Lage zu sein. Die Unmündigkeit ist, wenn, dann
prinzipiell selbst verschuldet.

> Fakt ist auch das jemand der sich hinsetzt und über mehrere Jahre
> hinweg KnowHow ansammelt und in der Produktion eines Gegenstandes
> umsetzt dafür einen Lohn erwarten kann. Den erhält er aber nicht wenn
> er $tollesProdukt, an dem er10 Jahre lang gearbeitet hat, am selben
> Tag an dem er es ausstellt am Nachbarstand 1:1 kopiert mit dem
> Aufkleber "Made in China" wiederfindet.
Du hast insofern Recht, als das solange gilt, solange die
Einkommenserzielung an (prinzipiell!) unnatürliche Rechte gebunden
ist. Kein Kant und kein Goethe haben ihre Schriften verfasst und
veröffentlicht, weil sie damit ein Patent oder ein Copyright in
Händen hatten. Im Gegenteil, sie waren an einer möglichst großartigen
Verbreitung ihrer Schriften interessiert und haben deshalb Verleger
beauftragt, dieses Schriften in großer Zahl bereitzustellen. Jedoch
hätten (und tatsächlich haben) sie sich gegen Plagiate gewehrt indem
sie, und das ist das Entscheidende daran, neue Schriften verfassten,
sei es als Aufsätze oder sei es als feuiletonistische Artikel in
Zeitschriften oder neuen Büchern.
Als vor vielen 1000 Jahren das Rad erfunden wurde (mit ziemlicher
Sicherheit mehrfach an verschiedenen Stellen der Erde), wurde diese
Erfindung nicht etwa in irgend einer Weise patentiert oder deren
Kopie verboten. Im Gegenteil, eine möglichst schnelle Verbreitung
dieser Technologie lag im ureigensten Interesse der Erfinder, da sie
somit der Verteufelung durch die noch-ohne-Räder entgingen. Das war
zu 100% identisch mit der Erfindung der Dampfeisenbahn, die
anfänglich bis ins 20. Jhd. hinein, als gefährlich für das Gehirn und
als Teufelswerk gebrandmarkt wurde. Aber da ein Watson gerade nicht
darauf pochte, dass seine Dampfmaschine nur er oder in Lizenz bauen
(lassen) dürfe, hat sich die Technologie rasend schnell verbreitet.
Entscheidend ist also, KnowHow ist nur dann wirklich für die Menschen
erfolgreich KnowHow, wenn es sich möglichst *rechtefrei* verbreitet.
Und genauso entscheidend ist, dass die Anwendung des KnowHows
möglichst lokal erfolgt, also das Gegenteil der Globalisierung. Das
Problem mit "Made in China" ist der viel zu geringe Transportpreis.
Das Problem ist nicht primär die frühkapitalistische Ausbeutung bei
der Erstellung der Produkte! Wenngleich es dem Kapitalismus nur
aufgrund der extrem subventionierten Transportkosten überhaupt erst
möglich ist, Arbeit zur Ware und damit zur (Existenz-) Angst zu
machen (siehe oben Dieter Duhm). An der Geschichte der ersten
Industrialisierung auf der Erde, mit Betrieben mit mehr als 10000
Produzierenden, der Geschichte der römischen Industrie, kann man auch
wunderbar sehen, wie im Kapitalismus die Ware Arbeit prinzipiell zur
Sklaverei führt. Und man kann an ihr auch ablesen, dass die Sklaverei
zu sich selbst fortpflanzender Scheinfreiwilligkeit der Sklaven führt
(lieber in Sklaverei sich zu begeben, aus scheinbar freiem
Entschluss, als zu verhungern, obwohl noch die Generation der
Großeltern als freie Bauern gut von ihrer eigenen Bauernexistenz
leben konnten). Mithin: (gestiges) Sklaventum und Kapitalismus sind
nahezu identisch und keines ist ohne das andere denkbar. Wenn also
die Sklaven sich endlich dazu entschließen würden, mit der Sklaverei
aufzuhören, käme mit schon ziemlicher Sicherheit auch die /permanente
kapitalistische Revolution/ zu einem Ende. Man müsste es also nur
wollen. Und genau das gilt auch für den Fall der Kündigung bei
PC-Ware.

> Der Schutz geistigen Eigentums und der schöpferischen Tätigkeit ist
> daher aus meiner Sicht ein legitimes anliegen. Er wird nur
> pervertiert wenn versucht wird sich Dinge anzueignen die
> offensichtlich selbst ein Kleinkind schon "erfindet" oder die schon
> da sind und einfach nur beschrieben werden ("genetischer Code"). 
Schade, dass Du die hinter Deiner Aussage, oder besser unter Deiner
Aussage zugrundeliegenden Indoktriniationsstrukturen nicht tiefer zu
Ermessen bereit bist! Schöpferische Tätigkeit ist erst seit ein paar
lächerlichen Jahrzehnten (im Verhältnis zur Dauer der Zeit, die
Menschen diesen Planeten mit Kreativität beleben) zur scheinbaren
Frage von sog. geistigem Eigentums geworden und auch nur, damit Recht
zur Ware degenerieren konnte, damit Rechtsanwälte und Richter und
Polzei und Gefängnisswärter und nicht zu vergessen, die
Scheinrechteinhaber, die aber nicht die Kreativen sind, davon
/profitieren/  - das Schöpferische bleibt dabei allerdings auf der
Strecke.

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