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  • homunculus_smalltalk

11 Beiträge seit 21.04.2010

Re: Miete ist Kapital - und Kapital ist Diebstahl

Hallo yaid,

ich finde es auch wichtig das es etwas wie OpenSource gibt und auch
den Schritt zur OpenHardware sehr interessant.
Allerdings halte ich deine Einstellung zur Privatisierung für
vermessen.

>1. es gibt keine Bildung ohne dass die Allgemeinheit mir diesen als
>    Vorschuss gewährt.
>2. dann hat auch die Allgemeinheit einen Anspruch auf die Früchte
>    der Bildung.
>
>3. Der gesamte Rechtemist dient ausschließlich der Privatisierung
>(lat. privare = rauben!) von Recht 

Als die Sprache geprägt wurde, "lebte" sie in einem ganz anderen
Umfeld und jeder der schon einmal versuchte etwas zu Übersetzen, weiß
wie schwer es ist wenn man kein entsprechendes Wort oder Synonym hat
auf das man die Bedeutung abbilden kann. Daher darf man es nicht
einfach so hinnehmen wenn wie in diesem Fall die etwas "bissige"
Aussage viel schärfer erscheint als es vielleicht ursprünglich
gemeint war.

Privateigentum ist in meinen Augen etwas gutes. Weil es jedem ein
faires Recht einräumt etwas zu Besitzen das er nicht teilen möchte.
Außerdem räumt es das Recht ein eine "Privatsphäre" zu haben. Wenn du
behauptest das Bildung von der Gesellschaft finanziert wurde und
einforderst das Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wird,
finde ich das sehr dreist. Es klingt für mich wie die Versklavung
meines Geistes. Jeder der bereit ist den Kopf in Bücher zu stecken
und Zeit zu Opfern um sich zu Bilden oder um neue Bereiche der
Wissenschaft zu erschaffen, hat es sowieso verdient selbst zu
entscheiden was er damit machen möchte.

Man muss nicht auf die Ressourcen der Gemeinschaft zurückgreifen um
sich etwas zu erschaffen.

Ich möchte dich jetzt nicht in die Schublade der Raubkopierer
stecken, aber oft sind es gerade jene die sich an der Arbeit anderen
Bereichern, die eine Einstellung der Haltung von "Rechte an Wissen"
fordern. Dabei missachten sie das dadurch ihre eigene Freiheit sehr
stark beschnitten wird, wenn sie anderen nicht das Recht auf
(Geistigem) Eigentum, einräumen. In der Hoffnung etwas "gratis" vom
Kuchen zu bekommen. Sie verzichte auf ihr Recht an Eigentum, dafür
Verpflichten sie andere dazu dies auch zu tun, nur um sich an fremden
Quellen zu laben.

Jemand der arbeitet, hat einfach das Recht die Früchte seiner Arbeit
selbst zu genießen (Auch weil man das Recht einräumen muss das jemand
nicht arbeitet.). Das Unternehmen in unserem Jahrhundert zu
aufgeblasenen Klötzen gewachsen sind ist deren Problem, auch das sie
gerade zu wenig Geld haben um dies in "unsere Bildung" zu stecken.
Aber wenn du heute versuchst einen 16 Jährigen eine Ausbildung zu
ermöglichen, so das für dich als Unternehmer noch etwas dabei herum
kommt, würdest du wissen, das Unternehmen sehr viel "Kraft, Geld,
Zeit" investieren um der "Allgemeinheit" Wissen zu schaffen. Und es
ist jetzt "egal" ob diese Schaffung in Deutschland, Europa, den USA
oder in China statt findet und wo die Steuern gezahlt werden.

Ich fürchte mich von einer Welt, die versucht alles der Allgemeinheit
zur Verfügung zu stellen, denn dort halte ich den Druck für zu
gering, der auf den einzelnen Köpfen lastet, um das was wir bis
heute, hier in Europa erreicht haben zu Erhalten. In einer Zeit in
der dieses "Wissen" der Einzige Rohstoff ist den wir anbieten können
(zu Fleiß und Körperliche Arbeit sind wir ja kaum noch bereit, dies
hat unsere Gesellschaft schon mehr oder weniger Erfolgreich ins
Ausland ausgelagert, dort wo es den Menschen schlechter geht.), halte
ich eine Forderung für fatal die danach schreit dieses Wissen gratis
mit anderen zu teilen.

Trotzdem halte ich es "auch" für sehr wichtig das unsere Gemeinschaft
unabhängiger wird, (noch) mehr Energie in die Entwicklung von Bildung
steckt und sofern es eine sich lohnende alternative ist. Also sich an
der Entwicklung von OpenSource und OpenHardware beteiligen sofern die
Gesellschaft daraus einen Nutzen zieht. Doch all das ist jetzt schon
möglich. Es müssen keine Patente gekippt werden oder die Lagerstätten
von Rechteinhabern geplündert werden.

Ich weiß nicht mehr warum, aber nach dem ich deinen Kommentar las
verspürte ich den drang mich hier zu Registrieren, um zu erwähnen das
man als kleiner Bürger vor vielen und für viele Jahren keine Rechte
hatte. Sie wurden ausgebeutet bis aufs Blut. Das "wir" Privateigentum
haben dürfen haben wir uns schon vor Tausenden von Jahren erkämpfen
müssen. Genauso wie das Recht, Rechte zu haben. Wir dürfen diese
jetzt nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Bin gespannt was du dazu sagst.

Grüße

homunculus

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