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  • Milchshake

1 Beitrag seit 17.06.2014

Re: Tatsächlich noch viel schlimmer

Erstaunlich, was für ein voreingenommenes Bild Sie vom Standart des gegenwärtigen Informatikunterrichts haben. Ich will das Problem nicht klein reden, im Gegenteil, auch ich sehe die fortwährende Existenz kompetenter IT-Spezialisten in öffentlichen Einrichtungen bedroht, aber ich möchte ihnen im folgenden zumindest die Situation in meiner Schule vorstellen, womit klar werden sollten, dass eine Verallgemeinerung in diesem Maße nicht angebracht ist.
Auf meine Schule gehen in etwa 1500 Schüler, wir sind eins von zwei städtischen Gymnasien, wir haben fünf Computerräume, davon zwei mit recht zeitgemäßen All-in-one-PCs aus dem vorletzen Jahr, der Rest nicht älter als 6 Jahre, dazu zwei mobile Einheiten mit je 30 Laptops und eine 150Mbit/s Glasfaser-Internetverbindung. Ja auf den Rechnern ist noch XP installiert, aber spätestens im nächsten Jahr, wird auf den ohnehin schon Windows7-fähigen Rechnern das Upgrade installiert.

Und praktisch bedeutet "Informatik" in der Schule meist die Behandlung von extrem grundlegenden Problemen wie: "Wie formatiere ich meine Überschrift in 24-Punkt-Arial bei MS Word?"

Da war Informatik an unserer Schule in der Oberstufe 1982 bis 1986 fortschrittlicher mit mehreren OS, verschiedenen Pascal-Dialekten, Grundlagen von Algorithmen, Assembler (!) und vielem mehr.

Ist das nun wirklich Ihr Ernst? Jetzt wird die "Früher war alles besser"-Kiste aufgemacht? Wir halten uns wie jedes andere Gymnasium in NRW auch an einen Lehrplan, der umfangreiche Algorithmusprogrammierung in Java und Einheiten über Kommunikation und Verschlüsselung, Grammatiken und Automaten, Datenstrukturen und Rekursion beinhaltet. Es hat sich nicht viel Grundlegendes geändert seit 1986. Es ist nur altes von neuem abgelöst worden.

Ja, Informatik ist immer noch nicht den naturwissenschaftlichen Fächern gleichgestellt.

Doch! Bio und Chemie hab ich abgewählt, Phsyik nur mündlich, Informatik schriftlich, im Abi dann Mathe, die Kategorie Naturwissenschaft wird bei mir allerdings durch Informatik ausgefüllt.
Wo ich tatsächlich eine Problematik sehe, ist das fehlende Interesse der neuen Generation. Wir bringen es auf gerade einmal einen Grundkurs bei uns in der Q1. Zweien in der EF und einem in der (nun bereits entlassenen) Q2. Ein LK kommt nur in Kooperation mit dem anderen Gymnasium in unserer Stadt zustande. Aber mehr kann sich die Schule auch nicht leisten. Mit zwei Informatiklehrern (+ einer Auhilfskraft) an unserer Schule, sowie einem weiteren auf dem anderen Gymnasium ist das Kollegium mehr als dünn besetzt.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mache aus unserer Situation keine Regel. Ich behaupte keineswegs, alles sei gut, und zwar überall, aber den heutigen Informatikunterricht auf Benutzungsgrundlagen zu reduzieren ist wohl eine allzu übertriebene Darstellung und hat auch nichts mit der Konservativen Leier zu tun.
Wie sich Software und Hardware verändert, verändert sich eben auch der Unterricht.

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