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  • longthinker

mehr als 1000 Beiträge seit 23.04.2005

Das manchmal entscheidende "fast"

Das neue Layout gefällt mir nicht - aber da stehe ich selbstverständlich drüber.
Naja, fast.

Eigentlich stand der Entschluss schon gestern fest, aber ich habe nochmal drüber geschlafen. Es hat sich über Nacht nicht geändert: es ist nicht mehr "meine" c't!

Ich gebe zu, die Abokündigung (der iX gleich mit dazu) ist irrational. Das liegt aber vor allem daran, dass ich das Abo seit vielen Jahren nur noch aus ebenso irrationalen Gründen hatte - sprich mehr oder weniger aus Nostalgie. Meist habe ich das Heft einmal lustlos durchgeblättert und dann lag es noch ein paar Wochen auf dem Wohnzimmertisch rum, in der Hoffnung irgendwann doch noch gelesen zu werden. Irgendwann ging mir das Chaos auf dem Tisch auf die Nerven und ein paar weitere Hefte landeten auf dem Stapel unten im Regal.

Das heißt, inhaltlich war es schon länger nicht mehr "meine" c't. Ich empfinde schon länger den Namen unpassend: statt c't ("magazin für computer technik") müsste es t'c, "Magazin für Technik-Consumer" heißen. Jedenfalls gab es immer weniger Artikel, die mich interessierten.

Und noch etwas hat sich seit meinen Anfängen mit der c't in den 90er Jahren für mich stark verändert: die subjektive Lesefreude. Ich erinnere mich noch gut daran, unter anderem deshalb, weil ich diese Meinung öfter mal gegenüber Bekannten zum Ausdruck gebracht hatte. Ich lese gerne gut geschriebene Texte, habe einfach Freude an gut gemachtem Einsatz von Sprache. Das hat mir die c't damals geboten! Ich will nicht sagen, dass heute extrem schlecht geschrieben wird - aber die Lesefreude von damals finde ich kaum mehr (Ausnahme: Andreas Stiller). Und an kleinen sprachlichen Unsauberkeiten merkt man schon, dass die sprachliche Qualität heute nicht mehr dieselbe Rolle spielt. Das mögen im Einzelfall unbedeutende Kleinigkeiten sein - aber in der Summe stören sie den Gesamteindruck deutlich. (Ein Beispiel aus dem aktuellen Heft, S. 50: "Der X1 ist etwas kleiner und mit seinen leicht abgerundeten Kanten deutlich taschenkompatibler." - Sprachlich ist er hier nur wegen der abgerundeten Kanten taschenkompatibler... was aber wahrscheinlich nicht gemeint ist. Oder doch? Irgendwie uneindeutig und damit irritierend. So wie übrigens auch das "dennoch" im zweiten Satz des Beitrages.)

Als kleines "Zuckerl" gab's damals noch häufig gut gemachte, witzige Aufmacherbilder zu den Artikeln - immer wieder Anlass zu freudigem Grinsen.

Nein, ich kündige nicht wirklich wegen dem Layout - aber es führt mir so eindringlich buchstäblich vor Augen, dass dies nicht mehr "meine" c't ist, dass ich selbige einfach nicht mehr länger vor den Tatsachen verschließen kann: das Abo macht für mich keinen Sinn mehr.

Bleiben für mich als zukünftig wieder nur potenziellen Kunden zwei Hinweise an den Verlag:

Ich nutze den Newsticker. Mit Noscript und damit nahezu werbefrei. Auch wenn im Newsticker die sprachlichen Einschränkungen noch deutlich spürbarer sind als im Heft, wäre ich gerne bereit für die Nutzung zu zahlen. Golem macht es vor...

Ich wäre ebenfalls gerne bereit für eine "c't classic" zu bezahlen, sie dürfte gerne dünner sein, 10 Euro pro Heft kosten und zweimonatlich erscheinen - wenn richtig massiv auf Qualität in jeder Hinsicht gelegt würde und die Themenauswahl nicht ausschließlich zeitgeist- und consumerbezogen wäre.

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