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  • M. Le Mondse, Markus Montz,

16 Beiträge seit 01.03.2017

Re: QR mit Betrag alla WePay

Die Frage ist aus meiner Sicht weniger, ob man in Deutschland/Europa flächendeckend ein QR-Code-System nach chinesischem Vorbild einführen könnte (wie geschrieben, das geht schon, siehe Bluecode). Dass ein QR-Code-System auch Vorteile hat, gerade im P2P-Bereich, steht für mich ebenfalls außer Frage.

Diese Vorteile und Chancen/Mehrwerte scheinen mir aus Sicht eines Zahlungsdienstleisters und damit verbunden Händlers aber aktuell nicht so groß zu sein, dass sich das Risiko des Aufbaus eines Konkurrenzsystems zu NFC für beide tatsächlich lohnt. Denn man kann diese Frage nicht ohne weiteres davon entkoppeln, weil die Händler in dem Zusammenhang eine sehr wichtige Rolle spielen -- schon allein dadurch, dass sie solch ein System im Grunde finanzieren müssten. PayPal ist dafür das beste Beispiel: Dass der private P2P-Bereich kostenlos nutzbar ist, liegt ja daran, dass PayPal dies letztendlich über die Händlergebühren an anderer Stelle querfinanziert.

Den Vergleich mit China finde ich aber generell schwierig, was auch mit der jeweiligen Ausgangsposition zusammenhängt. Die Systeme von Alipay und WeChatPay sind in China auf eine Bevölkerung getroffen, die größtenteils keine Girokonten im europäischen Sinne besaß, und dementsprechend auch keine Bezahlkarten. Debitkarten (inkl. Girocard) und Kreditkarten waren und sind in China in absoluten Zahlen bis heute eher die Ausnahme.

Daher musste sich auch niemand beim elektronischen Bezahlen von einem etablierten und an für den Kunden grundsätzlich einfachen System umgewöhnen. Vielmehr war der Mehrwert für die Kunden sofort offensichtlich, zumal als Zusatzfunktion in bereits beliebten und verbreiteten Messengern. Der Schritt "Girokonto" wurde einfach übersprungen. In Europa müsste sich QR dagegen in einem Markt durchsetzen, in dem die Kunden in der Regel bereits ein Girokonto nebst Bezahlkarte haben.

Dessen ungeachtet kann ich mir vorstellen, dass PayPal sein System ausbaut und entsprechende Gateways für größere Läden/Handelsketten anbietet, wenn es sich als erfolgreich erweist. Die strategischen Voraussetzungen dafür haben sie. Die Wahl eines niedrigschwelligen Ansatzes beim Einstieg macht aber in mehrerlei Hinsicht Sinn: Die Kosten und das Risiko sind vorerst niedrig, das Ausbau- und Skalierungspotenzial hoch. Aus unternehmerischer Sicht halte ich den jetzt praktizierten Weg daher für einen schlauen Zug.

Und QR ist auch sonst nicht weg vom Fenster. Wenn sich das Konzept durchsetzt, Ware direkt am Regal zu bezahlen, wäre es wieder im Spiel. Wobei ich es für noch wahrscheinlicher halte, dass kassenlose Systeme mit automatischem Checkout beim Verlassen des Ladens das Rennen machen.

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