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  • Jenni

1 Beitrag seit 18.10.2001

Sicht eines 3.Semestlers an FH

Ich habe nun 1 Jahr Wirtschaftsinformatik an der HTW Dresden "hinter
mir" und denke damit die richtige Wahl getroffen zu haben.

Nun bei uns wird gleich ausgesiebt, da nur 60 pro Jahr immatrikuliert
werden. In den Seminargruppen sind also nur 20 Studenten, inzwischen
nach dem natürlichen Schwund im Durchschnitt sogar nur 15. In diesen
Gruppen werden dann auch die Praktika und Übungen abgehalten. 
Die Übungen machen die Profs auch selber, genauso wie sie bei Praktikas
dabei sind, in denen meist auch noch ein Betreuer hilft. Praktikas
bedeutet bei uns Programme in C (inzwischen C++) etc. zu schreiben,
Sybase versuchen mit SQL zu beherrschen, mit CASE-Tools und SAS
experimentieren und bald auch Domänen unter Win 2000 aufbauen (Linux
gabs ausführlich im 1. Semester), um nur einiges zu nennen. Ich komme
nicht drumrum zu sagen: es macht Spaß.
Man hat viel zu tun, das Motto beim Programmieren heißt: Üben, üben,
üben und unsere Profs freuen sich über unsere Fehler, weil man aus
denen ja lernt.

Mathematik äußert sich vor allem in Wirtschaftsmathematik und
Statistik, wobei an der FH auf aufwendige Beweise meist verzichtet
wird, sondern man viele Beispiele zum üben hat. Das hat Vor- und
Nachteile, aber wer an die FH geht will meist nicht in die Forschung,
sondern in die Wirtschaft. Was aber nicht daran hindert, dass in der
letzten Matheprüfung nicht mal 50 % durchgekommen sind. Auch bei uns
sind die Studenten eben sehr gemischt. 

Trotz allem gibt es auch Probleme neue Professoren an die FH zu
bekommen, die Wirtschaft bezahlt nun mal besser. Aber auch die
Professoren beschweren sich über die Studenten. Fehlende Motivation,
misserable Grundkentnisse (was aber eher an unserem schlechten
Bildungssystem liegt).

Vielleicht ist auch bei uns nicht alles optimal, aber man bemüht sich.
So werden im Software-Engineering Projektgruppen gebildet und die
Professorin tritt als Auftraggeber auf und es gibt eine eigenständige
Veranstalltung Systems-Engineering im 2.Semester. Man muss aber den
Willen haben, zu arbeiten.

Viele die mit Informatik anfangen, denken, nur weil sie Excel und Word 
kennen, mal ein wenig Pascal gelernt haben oder Windows installieren
können, haben sie die halbe Miete schon drin. Von der Realität ist das
aber sehr sehr weit entfernt und die Hochschulen müssen mehr bemüht
sein, diesen Irrtum aus der Welt zu schaffen. Computer bestimmen
inzwischen den Alltag, aber wenige wissen, welch riesiges Gebiet sich
dahinter verbirgt. Hier muss Aufklärungsarbeit geleistet werden.




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