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  • IcyA1

3 Beiträge seit 14.10.2018

Mein Erster: Schneider Joyce

Interessanter Podcast für ältere Semester wie mich! Danke!

Staunend sah ich zu, wie mein Onkel in den 80-ern einen frühen Siemens-PC, der unter Sinix lief, per Pascal-Programmierung beibrachte, die komplizierten Berechnungen zum Versorgungsausgleich bei einer Scheidung durchzuführen. Das Ding fungierte zugleich als Terminal für den Server im Keller der Behörde, auf dem Sijus lief, eine Fachanwendung für die Justiz.

Das war irgendwie der Anstoß. Von meinen Zivi-Dollars (ich glaube, er verschlang 5 Monats-"Gehälter") leistete ich mir Anfang 1986 einen Schneider Joyce (Amstrad PCW 8256), den ich für das Nonplusultra hielt. Ich arbeitete mich in's Mallard-Basic ein und schrieb als erstes und einziges Programm eine kleines Kassensystem für eine Bargeldverwaltung. Au Mann, war das eine Arbeit, die Listings aus den Computerheften abzutippen, ehe es - später für die "IBM-Kompatiblen" die ersten Public-Domain-Verkaufsstände mit 3,5"-Disketten in den Bücherläden gab. Das Spiel "Head over Heels" für den Schneider besaß ich, verstand es aber genauso wenig wie ein James-Bond-Spiel. Ich habe gelernt, dass ich einfach für Computerspiele nichts übrig habe. Die Schildkröte des DRLogo (einer Programmiersprache) per Skript-Befehl über den Bildschirm zu bewegen war dagegen cool, wenn auch in meinem Augen nutzlos. Mein Trauma überhaupt war die ca. 50-seitige Seminararbeit und der denkwürdige Abgabetermin an einem 23.12.. In der Nacht davor hatte ich durchgemacht, weil das Textsystem Locoscript (trotz selbst durchgeführter RAM-Aufrüstung mit Modulen mit "Käferbeinchen" auf irre 512 MB!) ca. eine Stunde brauchte, um es vom Ende zum Anfang durchzuscrollen (mit Sprüngen im Text war es ganz schwierig) und das Formatieren unheimlich Zeit brauchte. Irgendwann stürzte der Rechner in der Nacht ab, ich verlor einen Teil und war völlig fertig, als ich am Abgabetag abends um 21 Uhr noch einen Assistenten der Uni auftreiben musste, der den Packen Papier gnädig entgegennahm, den ich letzten Endes dem Systemdrucker mit viel Mühe und geschwächtem Farbband entrungen hatte.

Außerdem blickte ich bald neidvoll auf die anderen mit ihren bunten Schneider-Rechnern (Amstrad 664 & Co.), bei denen es blinkte und einfach viel unterhaltsamer war, weil sie verbreiteter waren und mehr Support genossen, später auf die edlen Atari STs mit der gestochenen Schrift, während es bei mir pixelig grün auf schwarz aussah

Den Todesstoß versetzten meinem ersten Rechner der Kontakt mit den IBM-Rechnern an der Uni, erst die 8086-er im Rechnerpool, dann am Lehrstuhl ein protziger 386-er im fetten Gehäuse, der unter DOS mit WordPerfect 5.1 super lief. Völlig crazy war damals der Netzwerk-Anschluss mit 10-Base2-Drähten von Rechner zu Rechner, so dass die Uni-Rechner weltweit Anschluss hatten per Mailsystem pine - blöd nur, dass man keinen kannte, dem man hätte schreiben können. Per NCSA Mosaic kam man auch nur auf irgendwelche langweiligen Textseiten. Und weil man zwischen PCs und Schneider Joyce keine Texte austauschen konnte (der Joyce war nicht internetfähig), musste er 1990 einem 286-er weichen, den ein Bekannter mit seinem Computer-Startup zusammengebastelt hatte. Das mitgelieferte DOS war vermutlich nicht so ganz legal erworben ...

Und heute, viele, viele Jahre später, nach viel c't-Lektüre, vielen Podcasts, diversen selbst aufgebauten PC's, haufenweisen Windows-Installationen hie und da (Win95, Win98, WinME, WinXP, Win7, Win10) und noch mehr Linux-Installationen (seit Ubuntu 5.04)? Ubuntu Mate auf einem ausrangierten Büro-PC von 2013. Und Win10 im Büro. Von der Performance und Funktionalität her kein Vergleich. Aber lange, lange nicht mehr so aufregend wie damals.

Nochmals danke an alle Mitwirkenden am Retro-uplink (und -Heft)!

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (22.10.2018 16:08).

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