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  • riwam

6 Beiträge seit 18.05.2015

Das kurze Gedächtnis von deutschen c’t Redakteuren

Als in Südamerika geborener und dort aufgewachsen war ich empört über die verzerrte Darstellung in der c’t Ausgabe 23 über den Rückzug von Adobe aus Venezuela.
Die “Kommentar” Rubrik von Hartmund Gieselmann (“Danke Donald!”) zeigt absolute Unkenntnis der aktuellen Lage in dem von Maduro’s militärischen Diktatur beherrschten Land.
Durch direkten Kontakt mit dortigen Einwohnern kann ich versichern, dass die kleine Photographie zu diesem Bericht von einer vom Diktator orchestrierten “Volksprotest” gegen die USA, meilenweit liegt von der tatsächlichen Einstellung der Bevölkerung.
Im Erdöl extrem reichen Staat sind die Venezolaner nicht nur nach Freiheit ausgehungert sondern wortwörtlich!. Außerhalb Caracas sterben Leute aus Hunger!
Soldaten trauen sich nicht gegen den Diktator Stellung zu nehmen weil Militärs besseren Zugang bekommen zu den knappen Lebensmitteln. Sie fürchten ihre Familien würden ebenfalls verhungern...
Natürlich kann diese Entscheidung von Adobe die dortige Misere nicht ändern aber dieser Schritt hat trotzdem einen symbolischen Wert für die dortige Bevölkerung, eben dass die Welt Venezuela nicht gänzlich vergessen hat!
Ebenfalls falsch ist die Behauptung Giesselmans die Chinesen würden Adobe ersetzen,
Trotz viele Anstrengungen in Industrie-Spionage (z.B. durch die im Artikel gerade erwähnten chinesischen Telefonen) sind sie zum Glück noch nicht dazu gekommen Adobe Software zu klauen.
Außerdem in der weltgrößten Diktatur (jawohl! das ist sie) ist man zur Zeit eher beschäftigt durch z.B. -leider- erfolgreichen Druck auf Apple’s AppStore, die allgemeine Bevölkerung möglichst in Unkenntnis zu halten vom mutigen Kampf für Freiheit in Hong Kong.
Hacken auf Donald Trump ist halt “in Mode” (auch wenn es nicht an fiesen Diktatoren in dieser traurigen Welt gerade fehlt) und die Redakteure von c’t wollen offensichtlich sich besonders “modisch” zeigen, wobei die Tatsache, dass Trump von der US-Bevölkerung in freien Wahlen gewählt wurde und nicht, wie Nicolas Maduro vom früheren Herscher Hugo Chávez “ernannt” wurde, so wenig in Betracht gezogen wurde wie die Tatsache, dass nur Trump den Mut hat auch gegen die Grossdiktatur und Weltmacht China Massnahmen zu ergreifen. Alle andere Regierungschefs denken nur an die riesengroße Geldverluste, die entstehen würden, wenn man von China mehr Demokratie verlangen würde, also schauen sie zur Seite...
Letztlich hat der Rückzug von Adobe aus Venezuela für die dortigen Grafiker und Photographen einen fast inexistierenden Effekt. Nur eine Handvoll von ihnen konnte sich ein Abonnement zur Creative Cloud in den katastrophalen, heutigen Umständen leisten. Alle anderen benutzen weiterhin ältere Adobe Software, als sie noch käuflich war.
Schließlich gerade von einer deutschen Veröffentlichung wie c’t, einen solchen verzerrten Blick auf einen düsteren Regime zu verbreiten sei weder zu verstehen noch zu verzeihen.
Hat man bei der c’t Redaktion so schnell vergessen, dass es nicht so lange her sei, als Millionen von deutschen Bürgern in einer linken Diktatur (über)leben mussten?
Edmundo Waltuch

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (28.10.2019 20:59).

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