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  • Paul Lenz

484 Beiträge seit 28.01.2000

Liebe Tante Google (Beilage zu c't 14)

Zur deinem Heft voller Selbstbeweihräucherung habe ich einige Anmerkungen.

Ja, mag sein, dass Blinde mit GoogleMaps zur nächsten Apotheke finden. Aber Urlaubsplanung kann schon nerven. Da schaue ich mir die Küste von Südschweden an und denke, ob ich hier eventuell ein Jetski mieten kann? Also "Jetski" im Suchfeld eingetippt... und whooosh - schon hat Google mich nach Hause gezoomt und zeigt mir Betriebe im Umkreis meiner Wohnung. Das muss wohl die künstliche Intelligenz sein, die besser weiß als ich selbst, wo ich Jetski fahren möchte. Nein - ich muss erst wieder nach Südschweden scrollen und zoomen und dann auf "hier suchen" klicken, um das zu sehen, was ich sehen wollte.

Ja, das Google-Ranking. Streng geheim, damit niemand sieht, wo der Wurm ist. Neulich wollte ich wissen, wie viele Dollar man bekommt, wenn man bei Monopoly über "Los" geht. Die Suchwörter "monopoly los dollar" brachten jede Menge Links, aber bereits beim 5. Link gab Tante Google verschämt zu "Es fehlt: dollar", und bereits der 6. Link führte zu einem Ebay-Verkäufer anstatt zu der gewünschten Information. Ja, deine künstliche Intelligenz zeigt offensichtlich ein hohes Niveau, liebe Tante Google!

Aber das allerbeste ist die personalisierte Werbung. Weil du, superschlaue Tante Google, allen Ernstes glaubst: wenn ich z.B. eine Online-Zeitung besuche, weil ich irgend eine aktuelle Neuigkeit lesen möchte, dann muss nur die "richtige" Werbung auftauchen, um mich zu veranlassen, dass ich darauf klicke und sogar noch etwas bestelle, anstatt den Artikel zu lesen, der mich interessiert. Nein, liebe Tante Google, da irrst du dich leider gewaltig. Wenn ich einen Zeitungsartikel lesen will, dann lese ich diesen Zeitungsartikel und nichts anderes.

Besonders hirnrissig finde ich die Werbung eines großen Elektronikversenders. Hin und wieder löte ich ganz gern mal ein paar Bauteile zusammen. Deswegen schaue ich in den Katalog dieser Firma, suche die Bestellnummern zusammen und prüfe, ob diese Teile auch in der örtlichen Filiale erhältlich sind. Dann schwinge ich mich auf mein Fahrrad und fahre zu der Filiale, weil ich keine Lust habe, zwei Tage oder länger auf meine Bauteile zu warten. Abends schaue ich noch ein paar Nachrichten an - und was sehe ich da: mir werden genau die Teile als Werbebildchen präsentiert, die ich im Katalog angeschaut hatte und die per Cookie gespeichert wurden. Und die ich ganz bestimmt jetzt nicht noch ein zweites Mal kaufen werde!

OK, Tante Google, du kannst nichts dafür. Aber die Firmen, die dich für personalisierte Werbung bezahlen, darf ich doch für ziemlich bescheuert halten, oder? ;)

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