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  • reichhart

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Re: Nächste Generation von IT-Lohnsklaven heranzüchten

alkalamba schrieb am 21.10.2017 20:46:

reichhart schrieb am 21.10.2017 10:21:

Ich kenne alle Statistiken. Von Heise, Verdi und andere. Seit mehreren Jahren.
Ich kenne aber auch die Gehälter vieler Leute und wundere mich immer über eine gewisse Diskrepanz.

Naja, der eigene Bekanntenkreis ist vielleicht nicht immer repräsentativ. Ich verdiene als promovierter Informatiker knapp 100.000 und das ohne Führungsverantwortung (Forschung, DAX-Konzern in München).

OK, Punkt für Dich. :-)
Aber wie hoch ist eigentlich die Relation zwischen Leuten mit Diss und z.B. Fachinformatikern/Bachelor-Absolventen?
1:20? 1:50? 1:100? Oder noch höher?

Stimmt schon. Aber Informatiker in München verdienen in der Regel auch weit mehr als 50.000. Jedenfalls die in meinem Bekanntenkreis. Mit 100.000 wird man zwar immer noch nicht reich, kann aber die hohen Mieten bezahlen.

Eben. Und so ist das halt mit Statistiken und "Durchschnitt". Da gehen auch Deine 100 ein. Auf der Gegenseite stehen dann zwei Abteilungsleiter mit 36. Da kommt man dann vermutlich auf ungefähr die 55.

Das "Fachkräftemangel"-Gejammer gibt es gefühlt schon seit Jahrzehnten. Ich würde heutigen Abiturienten aber auch nicht unbedingt empfehlen, in die IT zu gehen. Klar ist ein großer Bedarf da, inzwischen aber halt auch ein großes Angebot. Und zu einer guten Stelle gehört immer auch eine Portion Glück.

Wenn wirklich 10% aller Jugendlichen qualifizierte Software-Entwickler wären, wäre das aus meiner Sicht geradezu atemberaubend viel. Wir hatten aber schon so oft Bewerber da, die trotz behaupteter Programmierkenntnisse sehr elementare Dinge nicht kannten, dass ich das stark bezweifle.

Das sehe ich auch so. Bei 80 Mio Deutschen tippe ich mal ganz grob auf 500.000 "Programmierer". Das sind weit weniger als 10%. Und trotzdem sind genügend arbeitslos. Deshalb ist die "Argumentation" der Studie einfach nur schwachsinnig und primitiv und durchschaubar.
Und das Argument, dass die arbeitslosen ITler das "zu recht" seien, lasse ich nicht mehr gelten. Klar, es gibt ziemlich viel faules Obst. Allerdings habe ich täglich mit ins Ausland "outgesourcten" ehemaligen deutschen Arbeitsplätzen zu tun. Und was ich täglich mit Indern und Co erlebe, lässt mich ständig von einer Bazooka träumen. "Unix Senior Admin", die nicht einmal den Unterschied zwischen Kernel- und Userspace kennen. DB-Admins, die mich beim Ticket "Dump einspielen" fragen, ob sie die Tables droppen müssen ("No, it's a standard dump containing 'drop if table exists'."). Nee, so schlechte Leute habe ich in Deutschland nicht erlebt, wie ich sie jeden Tag "outgesourced" in Indien erlebe.

Wäre interessant, mal zu untersuchen, ob man dieses Gefühl auch statistisch untermauern kann. Ich glaube, wir sollten da schon aufpassen, nicht in dieses undifferenzierte "Die heutige Jugend taugt nichts" einzustimmen, das es seit Tausenden von Jahren gibt. Du kennst dieses Zitat von Sokrates? "Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer."

Genau. Und wenn die damit aufhören, zählen sie nicht mehr zur Jugend und lästern über diese! ;-)

Es gibt übrigens sehr viele Statistiken zu dem Thema. Die bekannteste nennt man IMHO kurz "Pisa". Und jüngst ging es noch durch's Radio, wie sehr sich die Grundschüler in den letzten 5 Jahren verschlechtert haben. :-)

Meines Wissens werden verbeamtete Lehrer alles andere als schlecht bezahlt - vor allem, wenn man die Pensionsansprüche und die Beihilfe für die private Krankenversicherung miteinrechnet.

Stimmt. Beamte haben zwar nicht so gute Aufstiegschancen hinsichtlich Gehalt, aber die Pension und mehr macht alles wieder wett.
Aber nicht jeder ist "beamtet". Und die Praxis, Lehrern vor den Sommerferien zu kündigen und später - vielleicht - wieder einzustellen, auf dass sie nicht eine Zeit durchgehend beschäftigt sind und daher eine Festanstellung nicht einklagen können, ist Dir bekannt? Diese Schweinepraxis ist beinahe Usus in NRW.

Ja, im Bundestag sitzen ziemlich viele Leute mit arg begrenztem Horizont, die da besser nicht sitzen sollten. Aber Deine Kritik ist mir trotzdem zu pauschal. Niemand sollte die Erwartung haben, dass mit IT-Kenntnissen die Bäume in den Himmel wachsen,

NEIN? Wieso nicht? Das verstehe ich jetzt aber nicht! Das sagt die *BITKOM* doch immer! ;-)

das ist bei anderen qualifizierten Berufen wie etwa Chemikern auch nicht so. Was mir tatsächlich Sorgen macht, ist die von der Eurorettung, den Vorschriften zur energetischen Sanierung und der Flüchtlingswelle verursachte Assetinflation insbesondere bei Immobilien. Die hat dazu geführt, dass, während in den 60ern noch ein Arbeiter sich ein Haus in München für seine Familie bauen konnte, heute selbst Leute wie ich mit sechsstelligem Jahresbrutto froh sein können, wenn sie sich noch 70 Quadratmeter Wohnung leisten können - und sich dafür auf Jahrzehnte hoch verschulden müssen. Aber die Person, die das an vorderster Front zu verantworten hat, ist gerade erst sehr wahrscheinlich für weitere vier Jahre zur Kanzlerin gewählt worden. In einer Demokratie hat jedes Volk die Regierung, die es verdient.

Da bist Du jetzt aber zu pauschal. Dem "Volk" kannst Du das nicht unbedingt vorwerfen.
Wenn die FDP wieder in NRW in den Landtag kommt und im Bundestag so viele Stimmen hat, während die Schere immer weiter auseinander geht und immer mehr Leute immer weniger Geld haben und dann ausgerechnet die FDP wählen, dann fällt mir nur noch Einsteins Spruch über das Universum und die menschliche Dummheit ein.
In NRW wurde die FDP hauptsächlich von den 20- bis 30-Jährigen gewählt. Kurz nach der Wahl wollte die FDP Studiengebühren einführen. Betroffene davon: Die knapp über 20-Jährigen. Määääh! Und woher kommt das?
Wie war der alte Dialog zwischen König und Bischof? "Halt Du sie arm. Ich halte sie dumm."
Die Bildung wird seit ungefähr 30 Jahren konsequent gegen die Wand gefahren. Der (politisch) mündige Bürger wurde durch den treuen Untertan abgelöst.
Und das ganze hat sich inzwischen verstärkt, weil eben die mittlerweile herangezüchteten Pisa-Verlierer im Bundestag sitzen.
Gute Nacht, Deutschland.

Määäh! ;-)

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