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Re: kommt hinzu, kommt hinzu, kommt hinzu

_lars schrieb am 17.07.2017 12:42:

Stell Dir vor, Du kommst in ein C++ Projekt, welches auf dem Mist verschiedenster Entwickler gewachsen ist. Jeder Entwickler benutzt nun C++ nach seiner eigenen Facon.

Dann wurde der erste Fehler schonmal vom (technischen) Projektleiter gemacht, der es versäumt hat, Codingguidelines zu erstellen und auch durchzusetzen.

Der zweite Fehler fand dann im Teamwork statt, wenn ein Mitarbeiter irgendwelche exotischen Features benutzt, wird das im Team bekannt gegeben, dann weißt du zumindest schonmal, dass es dieses Feature gibt, und dass es verwendet wurde. Ggf. bei großem Unkenntniss (und hoher Relevanz) lässt sich auch mal eine Stunde finden, in der der Entwickler das kurz vorstellen und erklären kann.

Der dritte Fehler ist dann der unfähige Entwickler, der sich nicht mal eben schlau machen kann, wenn er auf unbekanntes stößt. Viele Entwickler sind da wirklich unglaublich unflexibel. So in etwa "Wie, Ölwechsel bei einem BMW? Ne, ne, das kann ich nicht machen, ich hab nur an Audis gelernt".

Da ist die Chance recht groß, dass irgendeiner von denen dann genau die Features nutzt, in denen Du nicht fit bist. Jetzt ist der Kollege mal krank und Du musst an seinen Code ran. Was dann?

Dann schlägt hier womöglich der vierte Fehler zu: Falsche oder nicht vorhandene Urlaubsplanung. Am besten noch gepaart mit dem 5ten Fehler, dass der PO jeden Entwickler sich in seine Ecke setzen lässt und sich jeder um einen speziellen Bereich kümmert, natürlich jeder EINZELN.
"Och ne, das Modul hat der Kollege Huber entwickelt, da können wir jetzt nichts machen, das versteht* ausser ihm keiner und er ist noch 3 Wochen im Urlaub".

* wobei sich verstehen in solchen Fällen meistens nicht auf eingesetzte unbekannte Sprachfeatures (oder auch Frameworkelemente) eingesetzt werden, sondern das da irgendwas passiert, wovon schon rein logisch keiner der anderen Entwickler versteht, WAS da überhaupt passiert.

Erstaunlich finde ich da sowieso immer Leute, die sich mit genau sowas in einer Firma absichtlich "unverzichtbar" machen. Das sind dann idR auch genau die, die bei jeder Urlaubsplanung rumheulen, weil sie ihre Urlaube nie so kriegen, wie sie sie haben wollen und sich dann auch wundern, wenn in jedem Urlaub ein (von der Person selbst provozierter) "Notfall" eintritt und diese dann im Urlaub (mehrfach) angerufen werden (müssen) und ggf. sogar im Urlaub dann doch mal arbeiten müssen.

Und dann stellt sich noch die Frage nach der Praxisrelevanz. Bei uns ging es so vor ca. 2 Jahren los dass wir erste Projekte gekriegt haben, in denen man sich vorab schonmal darauf geeinigt hat, dass C++11 (ELF!) erlaubt ist und verwendet werden darf. Das traf aber alles nur auf neue Projekte zu, also Projekte die from scratch gestartet wurden.
Dagegen stehen noch zahlreiche ältere Projekte, bei denen zu Projektstart C++11 noch ausdrücklich untersagt wurde (rein schon aus Compilerfragen) und noch ältere Projekte, wo man noch nichtmal C++11 Sachen verwenden kann, weil deren Compiler noch nichtmal das kann.
Also das so C++20 Sachen wirklich produktiv angewendet werden, bzw. sogar wegen Compiler angewendet werden KÖNNEN, erwarte ich nicht vor 2025.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (17.07.2017 14:32).

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