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  • cdonat

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Re: Nobody ever got fired for using Jira.

Bitschnipser schrieb am 16.02.2019 06:04:

cdonat schrieb am 15.02.2019 09:08:

Nicht der einzige, aber einer der wichtigsten Gründe für den Umstieg war das sehr gut gelungene Code Review Feature in Phabricator. So was scheint Jira nicht integriert zu haben. Da muss man dann immer noch z.B. Bitbucket zusätzlich haben

Ich wäre jetzt auch nicht auf die Idee gekommen, das Code Review in Jira zu machen.

Phabricator ist halt auch eher vergleichbar mit Confluence + Jira + Bitbucket + noch ein paar mehr Sachen zusammen. Dabei sind all die Features sehr gut miteinander integriert. Es sind zwar verschiedene Module, aber der User sieht ein Tool mit all den Features, wobei alle Module vorbildlich miteinander kooperieren.

und die Integration zwischen Jira und Bitbucket ist, so weit ich das bisher gesehen habe, bei weitem nicht so perfekt, wie es sein könnte.

Da sind mir bisher keine Defizite aufgefallen.
Was fehlt denn?

Das fängt ja schon bei so elementaren Dingen an, wie ein Single Sign on in der Standard Installation. Bei Attalassian Tools muss ich mich immer in jedem Tool noch mal neu einloggen.

Dann kommt das Thema einheitliche Oberfläche. Wenn ich einem Link von Jira nach Bitbucket folge, sind alle Menüs andere, ich finde nicht einfach gleich wieder zurück, sogar das Icon im Browsertab ist anders.

Die nächste Ebene sind dann so Dinge, wie du sie weiter unten auch angesprochen hast, dass das Markup in den Tools zwar immer ähnlich, aber nicht genau gleich ist. Es passt einfach alles nicht wirklich gut zusammen.

Es fühlt sich halt insgesamt als mehrere Tools an, denen jemand ein paar Verknüpfungen aufgedrängt hat. Im Gegensatz dazu fühlt sich Phabricator wie ein Tool an, das all die tollen Dinge kann, für die man bei Atlassian mehrere verschiedene Tools mit getrennten Obeflächen braucht.

Sehr angenehm für die Entwickler ist auch der CLI-Client für Phabricator. Da muss man nicht von der Kommandozeile in den Webbroser wechseln, um einen Review Request für einen Feature-Branch abzusetzen. Für einen Projektmanager klingt das nach einer lächerlichen Kleinigkeit, aber beachte dazu bitte http://www.paulgraham.com/makersschedule.html. Wenn ein Entwickler dadurch weniger abgelenkt wird, ist es Gold wert.

Genau das ist auch das Schlimme an den GUI-Inkonsistenzen der Atlassian-Tools.
Andererseits: Wenn ich einen PR absetze, brauche ich sowieso einen diff.

Wenn ich den PR absetze brauche ich keinen diff. Auch nicht in Bitbucket. Was soll ich auch damit? Wenn ich einen PR reviewe, dann brauch ich diff, ja. Und natürlich mach ich ja auch andere Sachen als PRs zu reviewen. Ich übernehme Tickets, ich schliesse Tickets, ich kommentiere Tickets, ich setze PRs ab, etc.

Ich muss auch je nachdem zwischen Inline und side-by-side umschalten können, zwischen zwei- und drei-Wege-Diff, mit mehr und mit weniger Kontext. Da muss ich ohnehin die Maus in die Hand nehmen - und es ist kein Zufall, dass ich das mit der IDE mache, auf der CLI wird das Gebastel.

Ich verwende dafür spezielle Diff-Tools, wie z.B. meld, oder kompare, die ich natürlich von der CLI aus starte. Die können das eine, was sie können im Zweifel meistens besser als ein Eierlegendewollmichsautool, wie eine IDE. Ansonsten, so schreckliches Gebastel ist ein "vim -d" als reine CLI-Lösung jetzt auch wieder nicht. Ich bin mir sicher, dass es für emacs was ähnliches gibt.

Herrje, für das Zusammenstellen des nächsten Commit verwende ich git-gui. Nicht, weil das Teil so gut ist (das ist eigentlich Murks), sondern weil ich damit einzelne Zeilen für den Commit auswählen kann, das kriege ich mit git auf der cli zwar auch hin, aber nur umständlich.

Wir scheinen völlig verschiedene Arbeitsweisen zu haben. Ich mach das alles viel lieber auf der Kommandozeile.

Das schöne an Phabricator: Du hast eine Web-GUI, und es gibt auch diverse IDE-Integrationen (deren Qualität ich nicht beurteilen kann). Für mich als "CLI-Junkie" gibt es arcanist, mit dessen Hilfe ich mir auch sehr schnell und einfach ein paar vim Kommandos zuammen bauen kann. Das kommt meiner Arbeitsweise entgegen.

Phabricator würde uns beide unterstütze, Confluence/Jira/Bitbucket nur einen von uns.

Bisher habe ich mit Jira nur begrenzte Erfahrungen gesammelt, aber das hat mich jetzt nicht so vom Hocker gehauen, dass ich es unbedingt jedem als das beste Tool aller Zeiten empfehlen würde, wie es der eine, oder andere hier manchmal tut. Da hätte bei mir bisher Phabricator schon bessere Chancen. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen.

Aber natürlich kenne ich nicht alles und hab auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Wenn du mir erläutern kannst, was es den ist, was Jira so gut macht, dann erkenne ich vielleicht endlich den Vorteil und kann es auch bei meiner Arbeit besser einsetzen.

Plus: Es erkennt Issue-IDs und setzt sie automatisch in Links um.

Meinst du so, wie das selbst Trac schon seit Ewigkeiten macht? Das setzt "#42" in einen Link zum Ticket Nummer 42 um, wenn es in einem anderen Ticket, auf einer Wiki-Seite, oder in einem Commit-Kommentar auftaucht. Sonstige Trac Links gibts hier: https://trac.edgewall.org/wiki/TracLinks

Bei Phabricator wäre das dann "T42". https://secure.phabricator.com/book/phabricator/article/remarkup/#linking-to-objects

Plus: Du kannst so ziemlich alles einbinden: PNGs, eml-Dateien. Kunde schickt eine Mail mit langwierigen Erläuterungen, keine Zeit, das Ding zu analysieren und aufzudröseln -> .eml in den Issue reinwerfen, ab ins Backlog, fertig.

Kann ich auch eine Mailadresse aufsetzen, bei der jede eingehende Mail direkt in ein Ticket umgewandelt und ins Backlog gepackt wird? Das ist bei Trac ja schon nichts besonderes. Bei Phabricator natürlich auch: https://secure.phabricator.com/book/phabricator/article/configuring_inbound_email/

Plus: Boards. Spalten sind frei definierbar, die Regeln, nach denen Issues in die Spalten einsortierbar sind, ebenfalls.

Naja, die Schwäche von Trac, dass du dir Boards per Pedes ins Wiki bauen musst, beinhaltet natürlich gleichzeitig den Vorteil, dass du da machen kannst, was du willst.

In Phabricator hab ich gesehen, dass es sehr verschiedene Boards gibt, hab die aber selber nicht angelegt. Darum weiss ich natürlich jetzt nicht, wie flexibel das ist.

Man kann Issues per Drag&Drop von einer Spalte in die nächste schieben und Jira ändert den Status automatisch (man muss einen Issue also nicht öffnen, wenn er nur mal schnell im Board weiter vorrücken soll).

Ja, kann Phabricator auch. Trac kann D&D meines Wissens nur bei der Sortierung des Backlogs nach Prioritäten. Im Board hab ich das noch nie gesehen, was aber natürlich nicht bedeutet, dass es nicht geht, zumal man sich das Board ja eh selber bauen muss.

Plus: Plugins. Es gibt welche für das Hinmalen von Grafiken, und noch ein paar weitere, die von vielen Nutzern als Teil von Jira wahrgenommen werden. Ein "nacktes" Jira ist wohl eine relativ frugale Angelegenheit; die richtigen Plugins zu finden, zu installieren und sauber zu konfigurieren dauert ein Weilchen.

Jo. https://trac.edgewall.org/wiki/PluginList und https://trac-hacks.org/wiki/HackIndex Bei Trac hat man auch ein Weilchen, bis man die Plugins zusammen hat, die man brauchen kann. Viele sind halt leider von eher durchwachsener Qualität.

Für Phabricator kenne ich keine Liste an verfügbaren Plugins. Aber natürlich ist auch Phabricator als Komponentensystem aufgebaut, dem man Komponenten hinzufügen kann. Mitgeliefert wird diese Liste von "Applications": https://github.com/phacility/phabricator/tree/master/src/applications Ausserdem hab ich auf der Webseite des Herstellers noch das hier gefunden, was dir vielleicht einen Überblick über die Features gibt: https://phacility.com/phabricator/

Minus: Das Markup ist im Detail oft unterschiedlich. Sowohl zwischen den Atlassian-Produkten (Confluence vs. Bitbucket vs. Jira) als auch innerhalb der Produkte (in Jira ist das Markup für Issues anders als das für Kommentare unter den Issues - man kriegt Schreikrämpfe).
Minus: Teilweise haarsträubende Bugs. In Jira funktioniert Cut&Paste nicht, sobald die Seite Tabellen enthält, Cut kopiert den falschen Bereich (löscht aber den richtigen). Wenn man auf den Text statt auf die Bedienung fixiert ist, merkt man's manchmal erst später. Immerhin funktioniert Undo, und Copy&Paste geht. Auch die Textformatierung hat eine Vielzahl von kleinen, ärgerlichen Bugs, die ein flüssiges Arbeiten so gut wie unmöglich machen.

Genau so was sind die Dinge, weshalb es sich nicht wie ein Tool aus integrierten Komponenten anfühlt, sondern wie mehrere voneinander getrennte Tools, denen jemand so ein paar mehr oder minder gute Verbindungen einprogrammiert hat.

Vielen Dank für deine Mühe. Ich weiss zwar immer noch nicht, was jetzt "alle" an Jira so toll finden, mir drängt sich aber immer mehr der Verdacht auf, dass es halt das einzige ist, was die betreffenden Personen kennen.

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