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  • Aleister_Crowley

mehr als 1000 Beiträge seit 20.07.2005

Krankenhausinformationssysteme, Arztsoftware und Spitäler

Mit diesen Dingen haben die Leute die hier (zu recht) ungläubig ihr
Besserwissen posten, wohl noch nicht zu tun gehabt...

Die IT spielt im Gesundheitswesen zwar eine wichtige Rolle, wirklich
mitzureden haben IT-ler bei Abläufen und Entscheidungen aber meist
nicht. Ich habe berufsbedingt sehr viel mit diesen Problemen zu
kämpfen: da gilt es exotischste Hard- und Software unter einen Hut zu
bekommen, was teilweise kaum machbar ist. Was soll man denn tun, wenn
die Software von Kardiologiesystem X oder dem "einzig brauchbaren"
Programm Y ohne das Professor Z nicht arbeiten kann, noch auf
Access95 basiert, von Netzwerkprotokollen noch nie etwas gehört hat
und somit einen zentralen Patientenstamm geflissentlich ignoriert?

Was da an eigentlich hochsensiblen Patientendaten gemailt, gefaxt,
auf externe Datenträger kopiert oder per Fernwartung von
irgendwelchen Buden gewartet - oder gar extern gehostet wird -
soviele Augen zum Zudrücken hat ein halbwegs gebildeter IT-Fachmann
gar nicht. Ärzte, Schwestern und Verwaltungspersonal die mit diesen
hochkomplexen Systemen arbeiten, haben von Computern aber mitunter
herzlich wenig Ahnung - oder schlimmer noch: meinen, sie hätten
welche.

Sollte die IT den Ärzten verbieten, Palms, USB-Sticks, E-Mail,
Software aus der eigenen Ordination etc zu verwenden? Ja, natürlich -
ist aber utopisch. Da kann man sich nicht aussuchen, ob man Windows
einsetzt oder Linux. Oracle, MySQL oder Access. Servicepack 1, 2 
oder 3. Die IT hat umzusetzen, was die Direktionen anordnen - den
"Verhindererstatus" hat die EDV im Gesundheitswesen ebenso, wie in
allen anderen "Nicht IT nahen Bereichen". Nur herrscht in ersterem
ungleich mehr Heterogenität.

Das Problem ist ein Organisatorisches. Workflows in Spitälern sind
kaum IT-technisch abzubilden. In Österreich gibt es beispielsweise
sogenannte "Belegsspitäler", wo die Patienten ihre Ärzte mitbringen.
Wer soll dort die Befunde ins System eingeben? Jeden Arzt zuerst in
Schulungen schicken? Schwestern, Pfleger und/oder
Verwaltungsbedienstete? Wer hat Zugriff auf was? Wie weit darf
IT-Sicherheit die Brauchbarkeit eines Systems einschränken -
einerseits überall hochverfügbar, andererseit hochsensibel...?

Es gibt im Gesundheitsbereich die unglaublichsten Konstrukte -
IT-Security spielt da leider eine ganz kleine Nebenrolle. Solange
nicht Dinge, wie da in Kärnten geschehen, oder mal kurz die
Patientendaten der Obama-Family oder sonst eines Promis an die
Öffentlichkeit geraten... Eigentlich ist diese Wurminfektion sogar
gut für die IT-Leute in Kärnten - hoffe ich zumindest.
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