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  • Schmitt Thomas

249 Beiträge seit 21.05.2020

Geimpfte Risikopatienten erhalten keine frühe ambulante antivirale Therapie

Am 5.5. wurde im Ärzteblatt die neue Leitlinie für niedergelassene Hausärzte und Hausärztinnen zur ambulanten Therapie von COVID-Patienten veröffentlicht.

Empfehlungen zur ambulanten medikamentösen Therapie von Patientinnen und Patienten mit COVID-19

Die Leitlinie wurde schon im Februar 2022 verabschiedet und gilt jetzt erstmal bis einschließlich Oktober 2022.

https://www.aerzteblatt.de/archiv/224979/Empfehlungen-zur-ambulanten-medikamentoesen-Therapie-von-Patientinnen-und-Patienten-mit-COVID-19

Nach diesen Leitlinien erhalten Risikopatienten, die geimpft sind, keine ambulante (frühe) antivirale Therapie z.B. mit Paxlovid oder Antikörpern (einzige Ausnahme: Sotrovimab-Antikörper für immunsuppremierte Geimpfte, wobei anzumerken ist, dass Sotrovimab gegen Omicron BA.2 ohnehin nicht mehr wirksam ist).

Jeder Geimpfte sollte sich mithin auch als Risikopatient (!) darüber im Klaren sein, dass er keine ambulante antivirale Therapie erhält*, sondern seine COVID-spezifische Therapie erst beginnt, wenn er ins Krankenhaus muss (dann ist es i.d.R. zu spät für eine antivirale Therapie, weil die so schnell wie möglich nach Diagnose oder Symptombeginn erfolgen muss, um noch zu wirken).

(*was natürlich nicht ausschließt, vom Hausarzt z.B. mit Fieber- oder Hustenmitteln versorgt zu werden, das ist aber keine spezifische antivirale Therapie, sondern reine Symptomlinderung und kann einen ggf. schweren späteren Verlauf nicht verhindern).

Das Risiko als geimpfter Risikopatient, bei einer Durchbruchsinfektion ins Krankenhaus zu müssen, mag unter Omicron BA.1 oder BA.2 ja gering sein, kann aber in den nächsten Wochen und Monaten wieder steigen, wenn sich BA.4 und/oder BA.5 durchsetzen, oder falls im Spätsommer/Herbst eine neue Variante der nicht ausgestorbenen VoC Delta wieder auftaucht. Auch dann gilt diese Leitlinie aber noch ....

Zurzeit fallen mehr als 8 % aller weltweit bei WORLDOMETER dokumentierten Sterbefälle an COVID auf Deutschland, und laut den letzten diesbezüglichen RKI-Daten von Ende April machen Geimpfte/Geboosterte in der Altersgruppe 60+ inzwischen etwa die Hälfte aller Sterbefälle und sogar etwas mehr als die Hälfte aller ICU-Fälle aus.

Man muss sich daher fragen, ob es in Ordnung ist, geimpfte Risikopatienten grundsätzlich von den Möglichkeiten der frühen ambulanten antiviralen Therapie (und damit vom wissenschaftlichen Fortschritt der letzten 1 1/2 Jahre) auszuschließen, auch angesichts der heraufziehenden neuen Bedrohungen (im Vergleich zu den im Moment mal relativ entspannten Zeiten).

Hier die Auswertung zu den Sterbefällen in Deutschland im weltweiten Vergleich:

http://freepdfhosting.com/5036dbcd8e.pdf

Zu betonen ist, dass es hier nur um die Risikopatienten unter den Geimpften geht. Selbstverständlich besteht keine Notwendigkeit, einen gesunden 30-Jährigen nach einer SARS-CoV-2 Diagnose unter eine antivirale Therapie zu setzen, auch stimmt das Nutzen-Risiko- und Nutzen-Kosten-Verhältnis für diesen Fall nicht.

Als die Leitlinien erarbeitet wurden, war beispielsweise Paxlovid noch sehr knapp, was die sehr restriktiven Kriterien erklären mag. Es vergeht aber Zeit und es ist Sache der Politik, eine solche Knappheit sukzessive zu überwinden, damit es einem breiteren Kreis von RISIKOpatienten zur Verfügung gestellt werden kann.

Die Politik muss sich auch fragen, ob es auf noch Ungeimpfte impfmotivierend wirkt, wenn man mit der Impfung die Chance auf eine frühe antivirale Therapie verwirkt?

Und man sollte den Blick nicht nur auf die Todesfälle und Intensivstationen richten. Im Umfeld meiner Familie kenne ich viel mehr Fälle mit schwerem Long COVID mit langfristiger schwerer Beeinträchtigung der Erwerbs- und Leistungsfähigkeit, als Intensiv- oder Todesfälle.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (16.05.2022 21:32).

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