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  • miwake

3 Beiträge seit 13.05.2016

Re: Deutsche Regelungswut

Ein Standard dient dazu, Verfahren und Begriffe zu vereinheitlichen und damit effizienter zu sein als ohne ihn möglich wäre. Allerdings schießt das BSI weit über das Ziel hinaus: Anstatt eines Standards haben sie ein Lehrbuch verfasst, das jetzt ausserem quasi das UMRA (Umsetzungsrahmenwerk) zur 100-4 mit enthält. Ein Standard sollte aber schlank sein, so wie die ISO 22301. Man hätte sich darauf beschränken können, diese durch Praxisbeispiele und Hilfen zu ergänzen. Und es wiehert der Amtsschimmel aus den Wortneuschöpfungen: Die AAO (Allgemeine Aufbauorganisation) wird im Notfall durch die BAO (Besondere Aufbauorganisation) ersetzt. Man hätte wie bisher auch Betriebsorgansiation und Notfallorgansiation nehmen können. Der Mehrwert dieser Begriffe erschließt sich mir nicht.
Schlimmer noch sind aber die fachlichen Fehler: In Abbildung 5 (S.5 Commmunity Draft) werden in einer einzigen Kurve Leistung und Aufwand vereinigt. Zu Beginn bei 100% fällt sie auf 0%, um dann im "Störbetrieb" auf über 100 % zu steigen. Wahrscheinlich ist der Aufwand gemeint. Dann aber ist der nicht bei 100 % vor dem Notfall und fällt mit dem Notfall nicht auf 0%, sondern ist in der Regel tatsächlich höher, um später wieder reduziert zu werden.
Auch wenig verständlich, warum die Umsetzung des BCMS in zwei Strängen verläuft (S. 47). Das hat mit dem ISO-22301-Standard nichts mehr zu tun, da kocht man sich sein eigenes Süppchen.
Ich kann mich leider des Eindrucks nicht erwehren, dass die maßgeblich beteilgte Beratungsfirma, zu der auch die Autoren des Beitrags gehören, hier vor allem ihr eigenes Beratungsgeschäftankurbeln wollen.

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