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Avatar von Fabian A. Scherschel

340 Beiträge seit 27.09.2013

Re: Witzig wie es hier dargestellt wird.

Wow ist richtig. Angesichts der Tatsache, dass die technischen Sachverhalte seit Juni öffentlich sind, die Durchsuchung Mitte September stattgefunden hat und die erste Berichterstattung zu diesem konkreten Thema schon Tage bevor ich angefragt habe erfolgte, ist das eine durchaus großzügige Frist im Online-Journalismus.

Zumal dem Kollegen bei Golem ja am oder vor dem 14. Oktober geantwortet wurde. Mindestens die selbe Stellungnahme hätte man mir ja auch schicken können. Mir wurde nicht mal geantwortet, abgesehen von einer automatischen Mail des Ticketsystems.

Aus zehn Jahren in diesem Beruf kann ich übrigens sagen, dass ja, in der Tat, fast alle anderen Firmen es schaffen, so was innerhalb von weniger als 8 Stunden zu formulieren und auch vom Anwalt absegnen lassen. Gute Anwälte springen in der Tat sofort, sie lassen sich das schließlich auch entsprechend bezahlen.

Eigentlich ist das aber alles nebensächlich. An eurer Stelle würde ich mal nicht über Disclosure-Timelines oder die Deadlines der Presse sinnieren, sondern ganz feste darüber nachdenken, wie man sich bei den 700.000 Menschen entschuldigt, deren Daten gefährdet waren, weil hier augenscheinlich extrem stümperhaft in der Gegend rumgecoded wurde.

Und ich würde alles daran setzen, dass diese Ermittlungen gegen einen Menschen eingestellt werden, der augenscheinlich im Sinne der Allgemeinheit gehandelt hat. Dass er dabei vielleicht etwas ungeschickt vorgegangen ist scheint mir viel weniger wichtig als die Tatsache, dass das was er da gemacht hat gut für uns alle war. Wer auch immer in angezeigt hat ist das eigentliche Problem. Der handelt nicht im Interesse der Allgemeinheit und der Betroffenen.

Und natürlich ist die Person (oder die Personen), die eine solchen katastrophalen Software-Müll zu verantworten haben, wegen denen der arme Typ sich jetzt mit der Polizei auseinandersetzen muss, ein noch viel größeres Problem.

Der Knackpunkt bei dieser Geschichte ist nicht, wie viel Zeit der Firma gegeben wurde, das zu fixen oder der Presse zu antworten. Der Knackpunkt ist, wie so was überhaupt passieren konnte. Wer entscheidet, dass so etwas entwickelt wird? Wer nickt das ab? Und wer hat dann obendrein auch noch den Reflex, auf Sicherheitsforscher und Journalisten einzukloppen, anstatt sich zu entschuldigen?

Ich wär so klein mit Hut jetzt...

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