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  • Hirnverwender

171 Beiträge seit 20.01.2022

Oft gibt es nicht-fachliche Gründe bei Entscheidungen über Software

ier mal eine Auflistung von Fällen die ich alle aus erster Hand und in verschieden Unternehmen mitbekommen habe:
1) Man wollte die Last von einem Datenbanksystem nehmen, den einfach nur leistungsfähigere
Hardware für diese Datenbank, hätte auch deutlich höhere Lizenzkosten bedeutet.
Es wurde verschieden lizenzkostenfreie Systeme evaluiert und auch ein eindeutige am besten
geeignetes System gefunden. Fachlich musste nur eine Art von Anfragen auf mehre Instanzen des
lizenzkostenfeien Systems verlagert werden, denn das machte den Großteil der Last aus.
Diese Datenübertragung war schon programmiert. Aber weil die Datenbank geschäftskritische Daten enthält, wollten Abteilungsleiter die neun Datenbank-Servern als zusätzliches Backup für alle Daten
der kommerzielle Datenbank haben. Die Verzögerung durch zusätzliche Aufwand alle Daten zu verteilen (ohne Wissen der Geschäftsführung !) führte dazu, das andere im Betrieb dann eine andere lizenzkostenfreie Datenbanksystem einführten. Eines das in der Evaluation nicht besonders gut abgeschnitten hat!
2) Obwohl das Softwaresystem gerade erfolgreich eine Prüfung durch eine externe Firma bestanden hat, wurde auf mittlerer Ebene entscheiden zusätzlich zu einer kleinen fachlichen Änderung noch eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme einzubauen (auch hier wieder,ohne Wissen des Chefs) Die so verursachte Verzögerung führte dazu, dass der Chef Zweifel an dem eingesetzten Softwaresystem und an der Kompetenz des beauftragen Entwicklers bekam. Danach kamen von oben laufend Vorschläge andere Softwaresysteme zu prüfen.
3) Die Firma wollte sich ein zusätzliches Geschäftsfeld erschließen, hatte aber nicht die Manpower das selbst zu entwickeln ohne die bisherigen Geschäftsfelder zu vernachlässigen, also hat sie Externe beauftragt. Am Ende gab es zwei Vorschläge. Bei einem hätten Entwickler und Administratoren ein System kennengelernt, das dafür geeignet wäre auch System in den bisherigen Geschäftsfeldern zu ersetzen so Kosten zu sparen. Der andere Vorschlag hatte diesen positiven Nebeneffekt nicht kam aber von einer Firma mit der der Geschäftsführer zusammengearbeitet hat bevor er zu uns kam und danach auch wieder. Natürlich hat man sich für Letzteren entschieden.
4) Die Firma hatte Softwaresysteme für verschiedene Kunden im Einsatz, die alle einer sehr ähnliche Aufgabe hatten. Trotzdem hat der Entwickler für jeden Kunden ein anders Framework eingesetzt, was natürlich schlecht für die Wartbarkeit und die Einarbeitung von neuen Entwicklern war. Der Entwickler der die vielen Frameworks eingeführt hatte kündigte dann. Es war für ihn ja leicht einen neuen Job zu finden, da er ja die Eilegende-Wollmilchsau-Anforderung,in zig Frameworks Praxiserfahrung zu haben, aus den Stellenanzeigen voll erfüllte.
5) Eine Firma hatte ein Softwaresystem selbst entwickelt, welches sei auch hätte kaufen können.
Ob das und die speziellen Anforderung an so ein System, das zu diese Entscheidung geführt haben, sinnvoll War, kann man hinterfragen. Aber es wurde fertig und nach Aussage des Abteilungsleiters für den die Software entwickelt wurde, war das Ergebnis auch besser als alles was er sich auf dem Markt angesehen hat. Seine Nachfolgerin war kaum da, schon wollte sie das selbstentwickelte System wieder loswerden. Ich habe dann mitbekommen, dass es schon klar ist, dass sie nicht auf Dauer Abteilungsleiterin sein wird, weil der Posten in wenigen Jahren vom Sohn des Chefs übernommen werden soll. Und dann ist sie noch nicht im Rentenalter.
6) Das Anforderungsprofil in einer Stellenanzeige für eine Entwickler in der Firma passte weder zu was derzeitig eingesetzt wird noch zu etwas mit dem man das sinnvollerweise ersetzen kann. Es passte allerdings zu etwas was damals sehr nachgefragt war. Ob der Abteilungsleiter selbst oder ein Entwickler der ihn beim Schreiben dieser Stellenanzeige weg wollte und darum mit diese Technik über den neuen Entwickler im Betrieb einführen wollte, habe ich nicht mehr mitbekommen
7) Bei einigen Fällen in denen die Anforderer unbedingt einen Exportmöglichkeit nach Excel wollten obwohl ich ihnen eine meiner Meinung nach bessere Alternative Lösung angeboten habe, hatte ich das Gefühl, dass da mitspielt mal in einer Bewerbung die oft geforderten Praxiskenntnisse in MS-Office zu haben.

Die Beispiele zeigen, dass bei Entscheidungen oft Gründe mitspielen die daran liegen wie unser Arbeitsmarkt aufgebaut ist. Diese nach den Wünschen der Arbeitgeberlobby so geschaffene und wegen unfreier weil anzeigenkundenabhängige Presse nicht kritisierte Arbeitsmarkt, führt auf mehre Ebenen von Unternehmen dazu, dass Entscheidunngen mit dem Hintergedanken getroffen werden zukünftig auch in einer andere Firma unterzukommen. Und das begünstigt dann immer die allgemein schon weit verbreiteten Softwaresysteme bei solchen Entscheidungen.

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