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Re: Wir brauchen ein Recht auf Home-Schooling!

fette henne schrieb am 20.11.2020 15:32:

Sehe ich nur begrenzt positiv, Schule ist imho wesentlich mehr als nur Lernen, Schule ist auch gesellschaftliches Zusammensein, eben auch Konfliktbewältigung, Erlebnisse in der Gruppe etc.

Das einzige, was ich in meiner Schulzeit über Gesellschaft und Konfliktbewältigung gelernt habe, ist dass ich immer dann bestraft werde, wenn ich mich (konstruktiv) als Individuum einbringen möchte. Ob nun gegenüber dem Lehrer, oder den Mitschülern. Gehört man nicht zu den "Beliebten", lernt man nur, sich klein zu halten. Wirklich eine tolle zwischenmenschliche Lektion. Mein ganzes Selbstbewusstsein, ja zuweilen sogar Selbstwertgefühl, konnte ich erst nach der Schule aufbauen. Und ich war damit kein Einzelfall: Es gab und gibt viele Kinder, die durch diesen Fleischwolf gedreht werden. Als Freigeist geht man in solchen Systemen völlig unter. Nicht wenige bekommen davon sogar Depressionen.

Da hilft es auch nicht, dass manche Lehrer sogar indirekte politischen Einflussnahme betreiben. Habe ich in meiner eigenen Schulzeit erlebt, wo mir von Lehrern sogar jeder freiwillige (!) Vortrag samt Quellen in der Klasse verwehrt wurden, mit dem ich einfach eine andere Perspektive im Politikunterricht darstellen wollte. So lernt man sicher vieles, aber kein Diskutieren, kein Recherchieren, und vor allem keine Selbstständigkeit. Das (deutsche) Schulsystem ist auch im Jahre 2020 stumpfe, preußische Auswendig-Lernerei. Und sobald man sich als Schüler einbringen will, ohne dabei dem Status Quo hinterherzulaufen, werden einem so viele Steine in den Weg gelegt, wie es nur geht. Und Zeus soll einem beistehen, wenn man einen Hipster-Lehrer hat, der meint, er müsste seine Weltanschauung sogar in völlig unpolitischen Fächern zum Besten geben.

Auch die Benotung in talentbasierten Fächern wie Kunst und Musik, sind immer noch Standard.
Man kann sogar seine Versetzung gefährden, wenn man in diesen Fächern massiv schwächelt.
Was soll ein Schüler daraus bitte lernen?

Und alles was die "Erlebnisse in der Gruppe" von Gleichaltrigen angeht:
In den Klassenräumen ist Stillsitzen angesagt. Da lernt man null komma nix über Gruppendynamik, Konfliktbewältigung oder gesellschaftliches Zusammensein. Solche Dinge lernen die Schüler höchstens selbst - und zwar auf dem Pausenhof. Aber sowas kann auch jedes Kind nach dem Homeschooling nachmittags beim Treffen mit Freunden lernen. Dafür braucht es kein dediziertes Gebäude. Es braucht im Zweifel einfach nur Eltern die es nicht erlauben, dass das eigene Kind 24/7 vor einem Bildschirm hockt.

Ich würde sogar recht selbstsicher behaupten, dass ein Kind mehr über Erlebnisse in der Gruppe lernt, wenn er mit Gleichaltrigen z.B. einen Sportverein besucht, der auch seinem Interesse entspricht. Da gibt es direkt eine ganz andere Dynamik, als in dem erzwungenen zusammen Stillsitzen in der Schule.

Problem ist eher, dass viele Eltern dafür nicht genug Zeit und Energie aufbringen wollen (oder können).
Aber für die ist dann auch das Homeschooling-Modell nichts.

Wenn Du jemanden nur zuhause lehrst ohne Kontakt zu Gleichaltrigen, züchtest Du Dir sicher einen egomanischen Psychopathen ran, der wahrscheinlich nur ganz schlecht mit anderen Menschen klarkommt.

Wird sich schwer beweisen lassen, da wir in Deutschland kein Homeschooling haben.

Im Gegensatz dazu sind die psychischen Probleme, die unser aktuelles Schulsystem begünstigt, durchaus bekannt und nachgewiesen.

Außerdem muss es ja kein schwarz und weiß sein. Homeschooling kann man ja eventuell wie Homeoffice auch nur an einigen Tagen der Woche anbieten. Oder nur spezifisch für bestimmte Fächer, je nach Wahl des Schülers.

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