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  • Autumn70

mehr als 1000 Beiträge seit 17.12.2008

Gendern - Eine kleine Aufgabe... und ein Rant.

Na, könnt ihr dies lesen?

„Ehct ksras! Gmäeß eneir Sutide eneir Uvinisterät, ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wort snid, das ezniige was wcthiig ist, das der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiin snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sein, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, weil wir nicht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wort als gzeans enkreenn. Ehct ksras! Das ghet wcklirh! Und dfüar ghneen wir jrhlaeng in die Slhcue!“

Quelle: https://www.haefnerwelt.de/blog/gehirn-herausfinden-leistung/

Könnt ihr dies lesen?
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Sehr gut.
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Nun wird es schwerer:

D1353 M1TT31LUNG Z31GT D1R, ZU W3LCH3N GRO554RT1G3N L315TUNG3N UN53R G3H1RN F43H1G 15T! 4M 4NF4NG W4R 35 51CH3R NOCH 5CHW3R, D45 ZU L353N, 483R M1TTL3RW31L3 K4NN5T DU D45 W4HR5CH31NL1CH 5CHON G4NZ GUT L353N, 0HN3 D455 35 D1CH W1RKL1CH 4N5TR3NGT.

Quelle: https://www.haefnerwelt.de/blog/gehirn-herausfinden-leistung/

Auch geschafft?
Wunderbar!

Und jetzt, da ihr dies wirklich geschafft habt behaupten einige Sätze wie diese:

" Genau diese Ausnahmen für potentiell legale Uploads sind jedoch ein Kernstück des Gesetzesvorschlags der Bundesregierung. Weitere Angriffe der CDU auf die Rechte der Nutzer:innen sind im Gesetzgebungsverfahren also zu befürchten. Umso wichtiger ist es, die Gefahren zu illustrieren, die von Uploadfiltern für die Meinungsfreiheit ausgehen."

https://www.heise.de/meinung/Edit-Policy-Missbrauchsgefahr-durch-Uploadfilter-5054738.html

Seien unlesbar.

Wirklich?

Ah, gut, der Text stammt ja auch von Julia Reda, da muss es ja unlesbar sein.

Es tut mir leid, einige wollen eine Sprachpolizei sein, die gesellschaftliche Veränderungen mit aller Gewalt aufhalten will.

Dabei ist das Gendern nur die Spitze des Eisbergs, diese Verweigerungshaltung gilt gegenüber allen Veränderungen. Jede etwas progressive, moderne Strömung wird mit plumpem Populismus platt gemacht.

Wer solche Probleme mit den Veränderungen in der Welt hat, ist wirklich zu bemitleiden.

Da ist es für diese Menschen natürlich nur noch ein kurzer Weg zur Dauerverärgerung.
Egal ob Covid 19, geschlechtergerechte Sprache oder Migration.
Jede Veränderung die nicht erzkonservativ oder rechtsextrem ist, sehen diese Menschen als einen weiteren Schritt an den Abgrund.

Und noch eine kleine Ergänzung zur Gehirnleistung:

Das Gehirn nimmt die einzelnen Buchstaben mit ihren Merkmalen aber auch nicht ganz genau in der Reihenfolge auf, wie sie geschrieben stehen. Stattdessen werden alle Buchstaben eines Wortes auf einmal aufgenommen, das Wort also als Ganzes erfasst. Daher fällt es uns oftmals auch gar nicht sofort auf, wenn ein Wort falsch geschrieben ist oder ein Buchstabe fehlt – vor allem dann, wenn wir nicht bewusst darauf achten, sondern zügig lesen.

Nachdem nun das Auge die Merkmale aufgenommen hat und das Gehirn die Buchstaben mittels dieser Merkmale erkannt hat, wird die Zusammensetzung der bestimmten Buchstaben im mentalen Lexikon gesucht. Es wird also das Wort herausgesucht, dass die Buchstaben enthält, die erkannt wurden. Liest man nur sehr ungenau und überfliegt einen Text, kann es auch dazu kommen, dass das Gehirn ein falsches Wort heraussucht. Dieses weist dann ähnliche Merkmale wie das eigentlich gesuchte auf, und wird vom Gehirn fälschlicherweise für das richtige gehalten. Das liegt daran, dass es nicht genug Zeit hatte, alle Merkmale zu überprüfen.

http://satzzeichen-blog.de/2018/10/03/wiseo-knoeenn-wir-das-lseen-wie-unser-gehirn-beim-lesen-woerter-erfasst/

Genau dieses kleine stolpern bei der gendergerechten Sprache erzeugt die Aufmerksamkeit, welche damit erzielt werden soll.

Geschlechtergerechte Sprache beeinflusst kindliche Wahrnehmung von Berufen
https://idw-online.de/de/news632492

Und dies funktioniert nicht nur bei Grundschulkindern.

Geschlechtergerechte Sprache wirkt
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/studie-aus-schweden-geschlechtergerechte-sprache-wirkt/24906988.html

Normalbegabte, intelligente Menschen kommen damit zurecht.

Die letzten Sätze sind an alle lauten Kritiker gerichtet:

Euer Gehirn ist dazu nicht in der Lage?
Ihr seid nicht intelligent genug dies zu bewerkstelligen?

Das mag für einen kleinen Prozentsatz gelten - mein Beileid, für den großen Rest ist es lautes Gejammer - pure Verweigerungshaltung.

Wenn sich Autor*innen aus gutem Grund für gendergerechte Sprache entscheiden, dann führen sie keinen Kulturkampf, es geht darum die Wahrnehmung zu ändern.

@Heise - Ich würde mir mehr konsequent gegenderte Artikel wünschen.
Es gibt vom DJV dazu eine sehr gut zusammengestellte Sammlung.
https://www.genderleicht.de/schreibtipps/

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