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  • Marcusson

mehr als 1000 Beiträge seit 28.06.2004

Sind Reproduktionen überhaupt schutzfähig?

Ich glaube mich ziemlich genau zu erinnern, dass Reproduktionen - egal ob gemalt oder fotografiert - gar nicht die Voraussetzungen erfüllen können, um unter das Urheberrecht zu fallen, da ihnen die schöpferische Tiefe fehlt.

Dabei spielt der Aufwand der Anfertigung keine Rolle, sondern nur der schöpferische Akt selbst, welcher bei einer Kopie aber fehlt.

Eine Reproduktion wäre lediglich eine handwerkliche, aber keine schöpferische Arbeit. Weil eine ausreichende schöpferische Tiefe aber erforderlich ist, wäre eine Reproduktion als solche folglich auch nicht per se schutzfähig. Dabei interessiert das Urheberrecht auch herzlich wenig, ob diese handwerkliche Tätigkeit den Käufer billig oder teuer zu stehen gekommen ist.

Erinnern wir uns an die Ursprünge des "Copyrights", nämlich den Buchdruck: dort liegen die Urheberrechte auch auf dem Original. Die gedruckte Kopie selbst genießt kein eigenes Urheberrecht und zwar absichtlich. Sprich, dem Buchdrucker entstehen durch den Druck keine eigenen Urheberrechte am gedruckten Werk. Das ist gerade die Grundidee der ganzen Sache und etwas anderes zu behaupten hat somit wenig Aussicht auf Erfolg.

Wenn die Kopie des Museums aber folglich keinen (eigenen) Urheberrechtsschutz genießt, so ergeben sich für das Museum daraus auch keine abgeleiteten kommerziellen Verwertungsrechte und damit: keine Grundlage für eine Abmahnung.

Denn! Man überlege sich mal, welche Konsequenzen es hätte, wenn es anders wäre und das Museum recht hätte!

Beispiel:
Person X macht Reproduktion 1 von Gemälde A.
Person Y macht Reproduktion 2 von Gemälde A.
Person X verklagt Y wg. Urheberrechtsverletzung von Reproduktion 2 an 1.

Begründung:
Reproduktion 2 ist eine Kopie von Gemälde A. Weil aber Reproduktion 1 auch eine Kopie von Gemälde A ist, wäre Reproduktion 2 auch eine Kopie von Reproduktion 1, die urheberrechtlich geschützt sein würde.
(Denn für das Urheberrecht ist es unerheblich was der Kopierende hinterher behauptet, welche Vorlage er angeblich benutzt hat.)
Als Folge müsste jeder Mensch auf dem Planeten, der künftig eine Kopie von Gemälde A anfertigen will, Person X um Erlaubnis fragen und potentiell eine Lizenz kaufen. Und das nur, weil Person X ein bisschen eher mit der Kopie fertig war als alle anderen.

Die Chance, dass jemals irgendein Gericht so eine Rechtsauffassung vertritt, dürfte verschwindend gering sein.

Ist also völlig ausgeschlossen, dass eine Reproduktion unter das Urheberrecht fällt?
Nein! Wenn es eine besonders "schlechte" Reproduktion ist, die vom Original ausreichend stark abweicht, um ein eigenständiges Werk zu sein: dann genießt sie den Schutz des Urheberrechts.

Muss man also nur noch einen Künstler finden, der besonders schlecht zeichnen kann.

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