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Avatar von Eva K
  • Eva K

mehr als 1000 Beiträge seit 10.01.2000

Viel Geschrei mit den falschen Argumenten

Da schreiben eine ganze Reihe Forisiten sehr bemüht wirklich lustige und amüsante Beiträge zum Thema, aber fast alles gehen am Thema vorbei und zeigen nur wenig Kenntnis der Sache.

1. Die Reiss-Engelhorn-Museen werden von vier privaten Stiftungen getragen und nicht von der öffentlichen Hand. Geleitet werden die Museen von der Museums Management Mannheim GmbH. Das hätten die Foristen, die von Steuergeldern schreiben, schnell selbst herausfinden können, aber Recherche scheint was für Weicheier zu sein.

> http://www.rem-mannheim.de

2. Die Sache hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Leistungsschutzrecht zu tun. Da fiel das Stichwort urheberrechtlich relevante Leistung, und gemäß dem Zuschnappreflex wird das automatisch mit dem Leistungsschutzrecht assoziiert. Auch hier hätte diese blöde Recherche geholfen.

> https://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f%C3%BCr_Presseverleger

3a. Eine Klage seitens der REM gegen Wikimedia Deutschland e.V. ist witzlos und wie schon so viele Klagen vorher zum Scheitern verurteilt. WMDE ist nicht Träger der Wikipedia, das ist ausschließlich die Wikimedia Foundation in den USA, die auch die Server betreibt. WMDE hüllt sich deshalb zu Recht in Schweigen.

3b. Daß der mit Realnamen agierende Hochlader des Bildes mit einem Verfahren überzogen wird, bestärkt mich in der Überzeugung, solche Bilder nur mit einer Sockenpuppe hochzuladen. Persönliche Lorbeeren spielen dabei sowieso keine Rolle, weil das Bild ja kein eigenes Werk ist. Es geht nur darum, es verfügbar zu machen, mehr nicht.

4. Es geht nur und ausschließlich darum, ob die fotografische Reproduktion eines urheberrechtlich nicht mehr geschützten zweidimensionalen Werkes eigenen Werkcharakter hat und damit dem urheberrechtlichen Schutz wenigstens als Lichtbild unterliegt. Damit beliefe sich die Schutzdauer auf 50 Jahre nach Erstveröffentlichung. während die meisten Fotografien als Lichtbildwerke mit einer Regelschutzfrist von 70 Jahren post mortem auctoris eingestuft werden.

Die Diskussion darum ist nicht neu, und die Sicht auf das Thema ist uneinheitlich. Seitens der allermeisten Museen wird die Auffassung vertreten, daß selbst die Anfertigung eines einfachen Scans oder eine Farbfotokopie von Materialien aus ihen Beständen eine urheberrechtlich relevanten Akt mit Schöpfungshöhe darstellt. Dadurch fühlen sie sich berechtigt, die Reproduktion mit ihrem Urheberechtsstempel zu versehen. Eine entsprechende Aussage machte einmal Jan Gerchow, der Leiter des Frankfurter Stadtmuseums, als ich ihn auf die Problematik der Schutzrechtsberühmung ansprach.

Um so mehr wird natürlich auf die Leistung als urherberrechtsstiftender Arbeitsaufwand abgehoben, wenn Ausleuchtung und Nachbearbeitung einer fotografischen Reproduktion ins Spiel kommen. Dem gegenüber steht aber die Rechtsprechung des BGH, die den Arbeitsaufwand als irrelevant für die Schöpfungshöhe erachtet. Dies steht im Ggs. zum angelsächsischen Recht, daß den Aufwand mit dem Begriff sweat of the brow durchaus einrechnet. Die fast durchgängige deutsche Rechtsprechung zum Urheberrecht von Reproduktionen widerspricht der Auffassung der Museen und negiert ein eigenständiges Urheberrecht.

Dazu gibt es einen sehr interessanten Artikel des Historikers und Archivars Klaus Graf, der sich seit Jahren intensiv mit diesen Themen auseinandersetzt.

Klaus Graf: Urheberrecht - Schutz der Reproduktionsfotografie?
in: Kunstchronik 61 (2008), S. 206-208
> http://archiv.twoday.net/stories/4850312/

Graf führt in seinem Artikel anhand der Urteile des BGH, der bei urheberrechtlich relevaten Werken auf einem Mindestmaß an persönlicher geistiger - nicht einmal schöpferischer - Leistung besteht, aus. warum Gemäldereproduktionen keinen Urheberrechtsschutz genießen: Es ginge um die Verbreitung der geistigen Leistung des Schöpfers des Originals, hinter der Individualität und Leistung des Reproduktionserstellers zurückzutreten hätten. Es bleibe die rein handwerkliche Leistung, die nicht nach dem Immaterialgüterrecht schutzfähig sei. Insofern sieht die rechtliche Initiative des RME als zum Scheitern verurteilt aus, aber das wird letztlich die Rechtsprechung dazu zeigen.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (03.07.2015 21:36).

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