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Avatar von Corvus Corax

mehr als 1000 Beiträge seit 25.03.2002

Alternativer Ansatz: Adblocking als "Kollateralschaden"

Vielleicht liegt es an meinem früheren Engagement bei der Initiative Stop1984, meiner Paranoia, oder einfach meiner Geduld, aber die Werbeeinblendungen selbst haben mich eigentlich nie gestört.

Was mir auf den Geist geht, ist das einige Seiten, allen voran Google, Facebook, aber insbesondere auch die grossen Advertising Netzwerke über das Nachladen der Ads von ihren Domains jeden Web-user tracken können. Denn egal auf welche Seite man surft, "doubleclick" und konsorten kriegen es mit. Die Domain wird schön im "referrer" vom Browser mitgeliefert, und der Benutzer auch schön getrackt, denn nur so kann man schliesslich personalisierte Werbung anbieten...

Mir geht dieses Tracking auf Schritt und Tritt wenn ich mich im Web bewege aber auf den Geist. Heise hat ja selbst eine schöne Lösung für Webseitenbetreiber angeboten, die Facebook und Google+ "Like" buttons, die notorisch jeden User ausspionieren der sich die Seite nur ansieht, hinter einem weiteren "opt-in" click zu verstecken, so das Facebook und Konsorten nur von den Nutzern erfahren, die auch tatsächlich etwas "Liken" wollen.

Aber gleichzeitig wird über die eingeblendete Werbung den selben Tracking Methoden Tür und Tor geöffnet, und hier kann Heise auch keinen Workaround anbieten, denn damit würden sie sich ja um die eigenen Einnahmen bringen.

Was aber wirklich fast alle Trackingmethoden gemeinsam haben, ist das Daten von dritt-domains nachgeladen werden. Den Umstand machen sich schliesslich auch die meisten Adblocker zu Nutze, die diese Domains einfach blockieren.

Aber warum muss eine Seite überhaupt Daten von dritten nachladen? Das ist grunsdätzlich Datenschutzrechtlich fragwürdig, egal ob die Daten jetzt von einem Cloudanbieter (cloudfront), Javascript-Bibliotheken (googleapis) Schriftarten und zentrale Bilderrepositories (Googlefonts, Gravatar, ...) kommen, in jedem Fall kann der jeweilige Anbieter sämtliche Benutzer der Seite durchleuchten. Und das eben auch Seitenübergreifend auf sämtlichen Seiten die diese Dienste einsetzen!

Nach Deutschem Datenschutzrecht ist das ziemlich problematisch, ich würde auf einer eiegenen Seite auf keine dieser Dienstleister zurückgreifen wollen, einfach um rechtlich nicht aufs Glatteis zu geraten.

Es gibt natürlich einen Workaround, Für Firefox nennt sich das "request-policy" und ist eine Erweiterung die das "same origin" Prinzip, das für Javascript ja sowieso schon gilt, auch auf alle anderen Inhalte anwendet.

Das verhindert alles Tracking von dritten, und erwischt damit natürlich auch die allerschlimmsten: Die Werbeanbieter. Werbebanner kommen von Drittdomains und werden einfach nicht mehr angezeigt, wenn man die Verteilserver nicht whitelistet.

Wegen der Verschlungenen Wege in denen Werbung über mehrere Zwischenschritte nachgeladen wird, ist das bei Werbung sogar garnicht so einfach, sollte man die tatsächlich mal whitelisten wollen. Selbst der Knopf "Alle Quellen von xy.domain temporär erlauben" den Request Policy anbietet erlaubt nur die direkten Zugriffe auf z..B. doubleclick, aber nicht den vom Werbe-iframe ausgelöseten weiteren Zugriff auf eine weitere externe Domain für den eigentlichen dynamischen Werbeinhalt.

Sicheres Browsen und problemlose Darstellung der Werbebanner scheinen sich gar nicht so einfach vereinen zu können - das sollte einem zu denken geben ;)

Long story short, das ungefragte Nachladen von Daten aus Drittquellen ist ein Problem, und eine Browsererweiterung die vorher nachfragt ist meines Erachtens Pflicht für jeden Datenreisenden der auch nur rudimentär auf seine Privatsphäre achten will. Eigentlich gehört sowas in allen gängigen Browsern vorinstalliert!

Das würde auch Crossite-scripting attacken und diverse Malware-verteil-schemes unterbinden.

Allerdings stirbt dann das derzeitige Verteilmodell der Online-werbeindustrie als Kollateralschaden, denn eine Industrie die das "user Tracking" zum Geschäftsmodell gemacht hat kann nicht funktionieren, wenn sich die user einfach nicht mehr tracken lassen.

Wie gesagt, ob die Werbung dargestellt wird oder nicht ist mir Scheissegal, ich will nicht das Werbeanbieter und Zwischenhändler erfahren auf welchen Seiten ich mich bewege. Nur das ist wichtig.

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