Avatar von NUT
  • NUT

mehr als 1000 Beiträge seit 20.10.2000

Von Kreativen/Urhebern/Rechteinhabern und Rechteverwertern

In Diskussionen um das Urheberrecht wird nicht nur jetzt aktuell mal wieder beklagt, dass die Vergütung für die Werke der Kreativen und Urheber, also derer die die Werke erschaffen, nicht gerecht ist. Diese Ungerechtigkeit der digitalen Sphäre müsse korrigiert werden. Kein Mensch, der sich mit der Materie etwas beschäftigt hat, würde dem widersprechen können.

Nur wird ein entscheidender Fehler in der weiterführenden Diskussion begangen. Im folgenden wird oft nur noch vom Rechteverwerter gesprochen und stillschweigend davon ausgegangen, dass wenn es dem Rechteverwerter gut geht, automatisch der Urheber davon profitiert! Oder der Rechteverwerter gar der Rechteinhaber ist. Das ist meistens falsch.

Um wirklich richtig argumentieren zu können, wäre es richtig, genau zu beschreiben welche Auswirkungen der Voss-Bericht auf die Rechteverwerter hat. Im folgenden muss man genau betrachten welche Folgen auf die Kreativen/Urheber/Rechteinhaber zukommen werden.

Wollte man wirklich die Rechte der Kreativen/Urheber/Rechteinhaber stärken, wie das Lied ja immer begonnen wird, dann muss die Grenzlinie nicht zwischen Kreativen/Urheber/Rechteinhaber und Google/Facebook/Youtube gezogen werden. Sondern sie muss zwischen Rechteverwertern und Kreativen/Urheber/Rechteinhaber gezogen werden.

Die Verlage sind keine Kreativen/Urheber/Rechteinhaber sondern genau wie Google/Facebook/Youtube nämlich Rechteverwerter. Auch das Geschäftsmodell der Verlage baut wie bei Google/Facebook/Youtube auf den Werken der Urheber auf.

Also sind auf der einen Seite die Gatekeeper in Form von Verlagen UND Google/Facebook/Youtube und auf der anderen Seite die die Werke erstellen, womit die Gatekeeper verdienen und ihre Aktionäre füttern also die Kreativen/Urheber/Rechteinhaber. Genau genommen macht es keinen Unterschied ob Verlag oder Youtube, beide sind auf die Werke der Kreativen/Urheber/Rechteinhaber angewiesen.

Thema Axel Voss:
"Kreative gerieten immer weiter in Abhängigkeit der großen Plattformen wie Google oder Facebook"
https://www.golem.de/news/eu-urheberrechtsreform-eu-berichterstatter-axel-voss-kupfert-bei-bertelsmann-ab-1902-139257.html

Verlage sind nicht die Kreativen! Verlage haben sich nur eine Lizenz an den Werken von Kreativen/Urhebern/Rechteinhabern erworben und sind somit Rechteverwerter, mehr nicht. Warum suggeriert Voss dass er den Kreativen helfen möchte? Er ist tief in dieses Thema eingearbeitet, er kann es wissen. An dieser Stelle von einer Lüge zu sprechen ist an dieser Stelle wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Diese Form der Manipulation passiert leider grundsätzlich von den Befürwortern der Reform. Axel Voss begünstigt aber mit seinen Forderungen die sehr einseitig die Verlage als Rechteverwerter nicht die Kreativen/Urheber/Rechteinhaber.

Ganz einfach kann man das deutlich machen: Es gäbe Kreativen/Urheber/Rechteinhaber und deren Werke ohne Verlage, Google/Facebook/Youtube. Aber es liegt in der Natur der Sache, es könnte keine Verlage oder Google/Facebook/Youtube geben, ohne die Werke der Kreativen/Urheber/Rechteinhaber die sie verwerten könnten.

Würde die Grenze wie oben beschrieben tatsächlich zwischen Rechteverwertern und Kreativen/Urheber/Rechteinhaber gezogen, sähe die Urheberrechtsreform sicher ganz anders aus. Auch Herr Voss mit seinem (bewiesenermaßen wirkungslosen) Leistungschutzrecht als offensichtlicher Lobbyist der Rechteverwerter wäre auf der anderen Seite der Diskussion zu finden.

Wollte man wirklich die Rechte der Kreativen/Urheber/Rechteinhaber stärken, dann würde man sie auch mit in die Diskussion mit einbeziehen und eine gerechtere Vergütung anstreben. Man würde nicht nur mit Rechteverwertern wie Springers und deren Verluste durch die Digitalisierung reden.

Man würde die Macht der Kreativen/Urheber/Rechteinhaber in Lizenzverhandlungen gegenüber ALLEN übermächtigen Rechteverwertern wie Verlagen/Google/Facebook/Youtube stärken.

Die jetzt angestrebte Reform schwächt sogar noch die Position der kleineren bis mittleren Kreativen/Urheber/Rechteinhaber und stärkt deren Abhängigkeit vom Wohlwollen der derzeit sehr übermächtigen Rechteverwerter. Kreativen/Urheber/Rechteinhaber haben eben keine Rechtsabteilung.

Die Verwertung von Werken der Kreativen/Urhebern/Rechteinhabern ist halt ein riesiges multi Billionen Geschäft. Nur reich werden damit halt nur ganz wenige, die meist selbst gar keine Kreativen/Urheber/Rechteinhaber sind.

Übrigens gibt es auch Verlage, die unter den jetzigen Bedingungen gelernt haben Erfolg zu haben. Was übrigens viel mit dem geänderten Umgang mit ihren Kreativen/Urhebern/Rechteinhabern zu tun hat:
https://www.notebookcheck.com/New-York-Times-meldet-Rekordumsatz-fuer-das-Digitalgeschaeft.403936.0.html

nut

Bewerten
- +