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  • Laufstall, Lothar Riemscheid

20 Beiträge seit 06.07.2005

Komplett unterwandert

Ich kann mir schon vorstellen wie in den Chefetagen von Brockhaus et
al., den alteingesessen Wissensbewahrern, deren Pfründe darin
bestanden Allgemeinwissen mit Papier zu verdonglen die Muffe ging als
Wikipedia zusehends wuchs.
Gewiß, für ernsthaftes Arbeiten sind Papierwerke nach wie vor das
Mittel der Wahl, aber die meisten Brockhäuse standen bei Privatleuten
rum und dienten Generation von Schülern und einfachen Leuten als
erste Anlaufstelle bei unbekannten Themen. Für die jüngeren unter
uns, billig war das nicht:

> http://www.amazon.de/Brockhaus-Enzyklopädie-Bände-Vorzugspreis-Komplettabnahme/dp/3765341401/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1259059393&sr=1-1

Die Wikipedia kam um die  Ecke und bot 3 Vorteile auf einmal:
· Keine Papierbeschränkung (das teuerste am Drucken ist das Papier),
auch Randthemen können ausführlich bearbeitet werden.
· Kann stets aktuell gehalten werden.
· Vergleichsweise preiswert

Wie kann ich diese Festung angreifen? Billiger, Aktueller sein?
Unmöglich. Aber da gibts andere Punkte.
Authentizität, Randthemen, die Schreiber.

== Sobald der der Vorteil der Wikipedia weg ist, auch Randthemen,
konträre Meinungen, Pop- und Subkultur darzustellen, (und das
zeitnah) hat sie einen großen Vorteil verloren und ihre
Existenzberechtigung fast verwirkt.

Welchen großen Vorteil (außer kostenlos zu sein) hat noch eine
Enzyklopädie, bei der man sich nie ganz sicher sein kann ob die
Informationen richtig sind? Bei der alles zusammengestrichen wird und
am Ende doch nur Allgemeinwissen auf Lexikon-Niveau übrigbleibt? Bei
der Lobbygruppen und fanate Egomanen ihre Griffel im Spiel haben.

Und wie leicht läßt sich das alles mit ein paar bezahlten
Löschtrollen anstellen. Keine Blödmänner, weiß Gott nicht. Sondern
bezahlte, ausgebildete Leute, die gute Artikel schreiben, viel
Editieren, Credits und Anerkennung sammeln, in der Hierarchie
aufsteigen und dann frei schalten können. 10 Löschmaulwürfe reichen
aus, um hundert Schreibern die Hölle heiß zu machen, 10 reichen aus,
um täglich hunderte Artikel subtil zu verschlechtern, umzuschreiben,
zu löschen, Leute anzukäsen und ein Klima zu schaffen, in dem weitere
Löschadmins (diesmal unbezahlte) heranwachsen, weil dann nur die
übrig sind, die schmerzbefreit durchs Leben laufen, während der
engagierte Schreiber längst das Weite gesucht hat.

Und so wird immer genau das rausgelöscht, was die Wikipedia
eigentlich interessant gemacht hat: Kleine Fakten zu alles und jedem,
neuere Theorien, alternative Sichtweisen, jüngste Ereignisse, Themen
der Subkultur usw. usf.
Und es fällt mir immer schwerer daran zu glauben, daß das alles OHNE
Absicht geschieht........

Mit Grüßen 
Lothar Riemscheid

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