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  • dennis_fake

mehr als 1000 Beiträge seit 29.01.2005

Alles regulieren, keine Freiräume... Möglichkeiten zum Verstoß sind lebensnotwen

Der überall grassierende Kontrollwahn, der jede kleinste Bewegung,
jede Handlung überwachen, klassifizieren, evaluieren und bei Verstoß
gegen eine der zahllosen Bestimmungen ahnden möchte, bedeutet nichts
anderes als die vollständige Zerstörung von Individualität und die
Schaffung einer kohärenten und absolut homogenen Masse
gleichgeschalteter Personen.
Die Pläne zielen weit über das Verfolgen tatsächlich begangener Taten
hinaus, es geht durchaus um die Normierung des Verhaltens und des
Denkens. Ich verweise auf Programme zur Unterdrückung des sog.
"anti-social behaviour" in Großbritannien.

Auch wenn jetzt viele aufschreien, daß doch Ordnung herrschen muß und
nicht jeder machen können soll, was er will, muß ich es sagen:
die Möglichkeit, gegen Regeln zu verstoßen, ohne daß dies verfolgt
wird, macht Leben erst lebenswert. Denn diese Regeln sind
willkürlich. Sie sind veränderbar. Sie sind nicht ohne Zweifel
gültig. Sie sind nicht Naturgesetz.
Funktionierende Gesellschaften müssen sich - und das ununterbrochen -
darüber verständigen, was sie tolerieren wollen und was nicht. Dies
ist ein Prozess. Tötet man diesen Prozess, indem man die Möglichkeit
zur Verletzung von Regeln dadurch unmöglich macht, daß jeder noch so
kleine Verstoß unmittelbar verfolgt und bestraft wird, tötet man die
Gesellschaft. Dies zudem verstärkt durch die Entmündigung des
Individuums, dem man exakt detailliert vorschreibt, wie er sich in
jeder Situation zu verhalten hat. Eine freie Willensbildung und
Entscheidungsfindung ist so nicht mehr möglich.

Ich plädiere keinesfalls für eine vollständige Anarchie, aber Regeln
sind wie geschrieben flexibel und veränderbar. Manchmal kann man sie
biegen, manchmal muß man sie brechen.
Ich stehe z. B. nicht nachts an einer roten Fußgängerampel und warte
auf Grün. Ich entscheide für mich selbst, ob ich diese Regelung in
diesem Moment für sinnvoll erachte und verhalte mich entsprechend.
Was wäre wenn derlei Handlungen sofort sanktioniert würden?

Das ist das, was tatsächlich hinter dem sehr treffenden Begriff des
"Großen Bruders" steckt. Er will mir die Welt erklären - wie er sie
sieht -, mich erziehen, diese gemäß seinen Normen zu "durchleben" und
bestrafen, wenn ich etwas anders mache. Glaube ich ihm, ohne auch nur
einmal Zweifel zu hegen oder zwingt er mich durch Strafen zu
absoluten Gehorsam, kann ich irgendwann nicht mehr ohne ihn. Ich wäre
verloren, einsam, hilflos. Ich wäre nie autonom. Nie individuell. Nie
authentisch.

Das ist für mich eine der Gefahren der Entwicklung exponentiell
zunehmender Überwachungs-, Kontroll- und Sanktionsmaßnahmen.
Jeder noch so kleine Bereich des Lebens soll in Normen gegossen und
reguliert, der Kritiker oder Andersdenkende bzw. -handelnde
kriminalisiert werden.
Gerade die Automatisierung solcher Vorgänge, die keinerlei
Flexibilität zulässt, jede aufgezeichnete und archivierte Handlung
streng nach Schema sortiert und entsprechend darauf reagiert, zeigt,
wie unmenschlich diese Entwicklung ist.
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