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  • dewup2005

556 Beiträge seit 25.09.2006

Ich bin ausgestiegen - heute geht es mir gut.

Ich habe 10 Jahre lang in der IT gearbeitet, hauptsächlich im Bereich
Microsoft-Produkte. Anfangs Ende der 90er Jahre als Servicetechniker
für Netzwerke, Server, PCs. Dann als Admin für größere ADDS, später
auch für so Nebenthemen ;-) wie BlackBerry, OCS2007, MSX etc. Zuletzt
war ich dann einer der oft erwähnten hochqualifizierten Consultants
mit Firmen-Audi, Notebook, Handy und 16-stündiger Erreichbarkeit
durch den Chef. Die typische Sprache, nämlich sich zu einem SLA zu
committen und den Kunden asap zufriedenzustellen, am besten in jedem
Meeting, aber immer im Rahmen von SOX und Betriebszeiten, war bei mir
Alltag. Ich denke, die meisten wissen, was ich meine. Ich kenne die
Großen der deutschen Branchen von innen, vom großen roten Mobilfunker
über die Kölner Versicherung bis zum Herkules-Projekt. 
Ich hatte allerdings schon immer diffus das Gefühl, dass etwas nicht
stimmt. Die ausufernden Arbeitszeiten ohne jedes Limit, die vielen
Stunden pro Woche (und nachträglich wahrscheinlich zu Monaten
addierten) Stunden auf den Autobahnen, die Mobilfunkkonferenzen
während der Fahrt, weil sonst keine Zeit blieb. Das Checken von Mails
auch am Abend und am Wochenende.

Anfang 2008 habe ich beschlossen, eine Pause einzulegen. Ich fühlte
mich ausgebrannt, inhaltslos und fand alles sinnlos. Ich hatte
idealisierte Vorstellungen von ruhigen Stunden mit einem guten Buch
in der Bibliothek. Vom Bahnenziehen im Schwimmbad. Von entspannenden
Abenden in der Sauna. 
Da habe ich einfach aufgehört, habe mir kündigen lassen. Habe mir ein
kleines Auto gekauft - Nix mehr großer Audi ;-) Seitdem habe ich
einen simplen Bürojob in Teilzeit für 25 Stunden pro Woche
angenommen. In meiner Stadt - 10 Minuten Fahrzeit - paradiesisch im
Gegensatz zu früher. Anzug und Krawatte ziehe ich manchmal noch gerne
an, so zum Spaß. 
Interessant fand ich, dass sich plötzlich das Gefühl einstellte,
früher mal zu einer Elite gehört zu haben, nun aber im Ruhestand zu
sein. Das muss man sich bewußt machen und es ertragen können. Man muß
intelligent genug sein, sein Leben aktiv gestalten zu können, auch
gegen Widrigkeiten. Ich kann nur jeden dazu ermutigen - das Leben hat
danach den Namen auch wieder verdient!

Gruß

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