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  • Bitschnipser

mehr als 1000 Beiträge seit 14.01.2016

Re: Was ist der Vorteil einer Blockchain bei einem solchen Einsatz?

Kaufi schrieb am 07.12.2017 17:30:

Was wenn die Datenbank auch völlig öffentlich ist, kann ich sie dann nicht kontrollieren?

Kannst du nicht.
Jedenfalls nicht, wenn es eine der üblichen Datenbankengines ist, also einem zentralen Datenserver, den man über irgendeinen Port anspricht.
Jedenfalls nicht, solange nicht jeder Admin-Rechte auf dem Server hat und jederzeit alles überprüfen kann, aber das scheitert nicht nur daran, dass so ein Server umgehend gehackt würde, sondern auch daran, dass keine Serversoftware der Welt es aushält, von ein paar hunderttausend Leuten gleichzeitig Queries abarbeiten zu müssen.

Es lässt sich auch bei einer zentralisierten Lösung die nachträgliche Änderung eines Datensatzen verhindern. Z.B. durch Signaturen. Jede Änderung eines Zustands muss Dokumentiert werden. (ähnlich eines Git-Repositories - wie in einem anderen Betrag hier geschrieben wurde; bei einer Stimmabgebe: Jeder Anwender hat einen commit).

Die Hashes von git bilden eine Blockchain :-D
Man müsste git noch ein bisschen härten, dann wäre es in der Tat geeignet. Es wäre dann eine noch bessere Blockchain.

Also: Wenn es ihnen mit mehr Transparenz und Vertrauen Ernst ist, dann hilft die Blockchain schon, aber sie ist kein Allheilmittel.

Meine aktuelle Position ist: Die Blockchain verstärkt nur das Gefühl von Transparenz.

Ach, sie schließt bestimmte Formen von Manipulation schon aus.

Wenn man die Manipulationssicherheit ernst meint, ist die Blockchain nicht unbedingt die dümmste technische Grundlage.

Edit: Nachtrag: Kann ich in einem Verteilten System nicht jeder Zeit den aktuellen Stand der Wahl sehen? Das müsste technisch noch verhindert werden und steigert nocheinmal die komplexität. (bei einer zentralen Version könnte es einfacher sein, aber der Teufel liegt wahrscheinlich im Detail)

Das lässt sich problemlos verhindern: Man signiert seine Stimme nicht nur, sondern verschlüsselt sie mit dem öffentlichen Schlüssel der Wahlleitung.
Die Wahlleitung entschlüsselt die Stimmen erst am Wahltag.
Stimmveränderung ist dann nicht möglich, weil die Stimmen ja signiert waren.
Die Wahlleitung muss daran gehindert werden, ihren privaten Schlüssel vorzeitig einzusetzen. Aber man kann den privaten Schlüssel ja in einem Tresor mit Zeitschloss unterbringen, je nach Grad der Paranoia unter mehr oder weniger ausführlicher Anwesenheit von Zeugen, bei höheren Paranoiagraden kann man den PC zufällig im Blödmarkt kaufen, in einem Faraday'schen Käfig laufenlassen, den geheimen Schlüssel auf USB-Stick und (noch im Käfig) in einen Tresor mit Zeitschloss, den PC (ebenfalls noch im Käfig) komplett verschrotten.

Wie du siehst, sind die nichttechnischen Sicherungsmaßnahmen viel aufwändiger als die technischen.
Die bräuchte es übrigens *eigentlich* auch bei der klassischen Papierwahl. Da, wo man es wirklich genau wissen will, schickt man ja auch Wahlbeobachter hin.
Die Moskauer müssten eigentlich, um ihre Wahlen vertrauenswürdiger zu machen, einfach nur Wahlbeobachter einladen... :-)

Allerdings: Will man eine Wahl elektronisch durchführen, ist eine Blockchain nicht die dümmste Idee.

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