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  • PremKavi

mehr als 1000 Beiträge seit 16.08.2006

Gute Ergänzung des Vertriebs über eine Webseite

Moderne Techniken bringen so manchen Wandel mit sich. Wenn es
tatsächlich möglich ist, einzelne Exemplare von Büchern inklusive dem
binden fast ebenso preiswert über eine digital Druckerei
herzustellen, wie früher eine Auflage von mindestens 1000 Stück, ist
damit auch eine Chance für junge und unbekannte Autoren gegeben.

Der gesamte Hintergrund ist so vielschichtig, dass er sich kaum hier
in einem kurzen Artikel abhandeln lässt.

Die Verlage hatten bisher einen gewissermaßen Vermarktungsmonopol und
haben es sich von beiden Seiten gut bezahlen lassen. Vom Publikum mit
eklatant hohen Preisen, von den Autoren mit fast ebenso lächerlich
kleinen Anteilen am Verkauf, wie sie in der Musikindustrie üblich
sind. Nun gut, ein Autor bekommt meist etwas mehr als die 2-5 %, die
ein Musiker erhält, doch angesichts von beispielsweise 50 € für ein
Fachbuch sind 3-4 Euro für den Autor auch nicht gerade viel.

Dazu muss der Autor auch noch durch etliche Lektorat tingeln, bis er
endlich einen Verlag gefunden hat, der bereit ist, den Vertrieb zu
übernehmen.

Das Web bietet unbekannten Autoren eine gute Chance für einen Start.
Die Gestaltung einer guten, suchmaschinenoptimierten, Webseite kostet
nicht viel mehr als das Porto für den Versand an die Lektorate der
diversen Verlage. Beim Verkauf eines Buchs über eine Webseite fließen
100 % der Einkünfte in die Tasche des Autoren. Und nicht lediglich
zwischen fünf und 20 %, abhängig vom Verlag und dem Ruf des Autors.

Gerade bei Themen mit voraussichtlich sehr kleiner Käuferschicht kann
sich diese Art des Vertriebs sogar für bekannte Autoren lohnen. Ich
habe einmal in dem damals führenden deutschsprachigen Vertrieb für
klassische homöopathische Literatur mitgearbeitet. Die Auflagen
dieser Bücher erreichten selten mehr als die Startauflage von 500
oder 1000 Stück. In diesem Bereich gab es schon frühzeitig namhafte
Homöopathen, die lieber auf den Eigenverlag als die Verlegung über
einen Fachverlag setzten und damit letztendlich auch mehr verdienten.
Trotz der damals noch außerordentlich hohen Herstellungskosten für
ein Buch. Natürlich sahen auch wir uns die Bücher durch, bevor sie
sie in den Katalog aufnahmen. Diese Arbeit konnten wir uns nur
sparen, wenn das Buch von einem seriösen Verlag auf den Markt
gebracht wurde. Doch für den Verkaufserfolg spielte es keine Rolle,
ob das Buch im Eigenverlag oder durch einen bekannten Verlag auf den
Markt gebracht wurde. Zumindest nicht bei uns. Mag sein, dass es für
den klassischen Buchhandel vor Ort eine Rolle spielt. Doch welche
Fachbuchhandlung hat beispielsweise ein komplettes aktuelles
Sortiment zur klassischen Homöopathie? Außer den
Versandbuchhandlungen keine. Die Fachbuchhandlung vor Ort lebt denn
auch eher von Zufallstreffern oder Kunden, die ein Buch lieber dort
als in einer Buchhandlung bestellen. Zumal sich Fachbuchhandlungen
beispielsweise für den medizinischen Bereich auch nur in wenigen
Universitätsstädten finden.

Ich stelle mir den Buchvertrieb in diesem Sektor gerade mal
stattdessen mit dem Webvertrieb vor. So und so viele Kunden begnügen
sich mit einem PDF, das zu einem Preis von beispielsweise 18 €
angeboten wird, doch der eine oder andere bestellt auf der Webseite
die gebundene Ausgabe, die den eben um den Preis der Druck und
Versandkosten teurer wird. Ein ideales Vertriebskonzept für Bücher,
die wahrscheinlich niemals eine Auflage von 1000 Stück überschreiten
werden. Das, was ich im Bereich der klassischen Homöopathie erlebt
habe, dürfte für viele Fachbereiche gelten.

Umgekehrt habe ich vor einem halben Jahr ein kleines Buch aus dem
Verlag Markt und Technik gekauft, ein kleines Handbuch für CSS, dass
bei meinem Kauf bereits innerhalb kürzester Zeit 3.000.000 Mal
gedruckt worden war. Man sollte nicht glauben, dass ein IT-Fachbuch
diese hohe Auflagenzahl erreicht. Der Autor wurde auf jeden Fall
mehrfacher Millionär alleine durch dieses Buch und unabhängig davon,
wie schlecht die Vergütung durch den Verlag war. Preis des Buchs Euro
28, für den Autor vermutlich 2-5 Euro pro Buch. Das wäre über einen
Eigenverlag bei Druck on demand wohl kaum jemals möglich. Doch auch
bei Markt und Technik dürften nur wenige Bücher die Startauflage von
500 oder 1000 Stück jemals überschreiten.

Gerade im Zeitalter von E-Book und guten E-Book-Readern dürfte der
Druck on demand auch neue Vertriebskonzept erlauben. Wer ein Buch in
gebundener Form haben will, kann es sich entweder selbst bei einem
solchen Verlag bestellen, oder er zahlt eben einen Aufpreis für
Druckkosten und Versand.

Ich bin heise dankbar für diese Meldung, denn auch ich war bisher der
Meinung, dass sich Druck und Bindekosten für ein Buch nur bei
mehreren 100 Exemplaren überhaupt lohnen würde. Vermutlich steht auch
das gesamte Verlagswesen in einem gewaltigen Umbruch.
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