Michael Rowlins, von vielen Freunden und Feinden auf Grund seiner
fast schon an Fetischismus grenzenden Vorliebe für Monitore (er
besaß, obwohl nur 5 Rechner sein eigen waren, tatsächlich
mittlerweile 35 Monitore) Miro genannt, stapfte ein wenig entnervt
zur Tür. Heute war nicht sein Tag. Es hatte Stunden gedauert bis sich
im
Netz ein vernünftiges Gespräch entwickelt hatte, der Kaffee war kalt,
die Erektion bei Ansicht des Pornos ließ auf sich warten und der
letzte Sex war ein Jahr her.
Seit die Gesetze gegen Cybercrime verabschiedet worden waren, hatte
er sich (er war ja nicht blöd!) schweren Herzens von seinen
ausgewaschenen T-Shirts und den ebenso ausgeleierten Shorts getrennt,
hatte sich einen Rasierer geleistet und war binnen kürzester Zeit vom
Pseudo-Revoluzzer zum Advanced Security Manager aufgestiegen. Er
hatte in den letzten Jahren genug Hacker, Script-Kiddies und Cracker
ans Messer geliefert um demnächst in der "Hall of Security Agents"
verewigt zu werden - samt Wachsfigur und allem. Coole Sache, fand er.
Mittlerweile hatte er sich auch an das Leben im Zeitalter der
Sicherheit gewöhnt, er fand es sogar richtig erholsam, dass draußen
nur noch Leute in Begleitung eines Sicherheitsbeamten hinausgehen
konnten und durften. Dass man zwei Leute erst kürzlich wieder durch
"SMS" (Small Measures for Security, wie man die kleinen Bällchen
nannte, die man nun statt tödlichen Kugeln versandte) dazu gebracht
hatte, sich nun endlich vernünftig zu benehmen, war eindeutig ein
Fortschritt. Dass die Bällchen letztlich auch Small Measures for
Stupidity waren, führten sie doch zu einer nicht zu unterschätzenden
Verringerung der Gehirnmasse, war nun wirklich eine Kleinigkeit, die
nicht jeder wissen musste. Da die meisten Leute sowieso ihre
Gehirnmasse nicht effektiv nutzen oder eben für das Falsche nutzten -
selbst schuld.
Er öffnete mit einem freundlich-falschen Lächeln die Tür, rieb sich
den Finger, der von der kurzen DNA-Analyse (man wusste ja nie,
vielleicht hatte sich jemand irgendwie heimlich in die Wohnung
geschlichen) etwas schmerzte. Man sollte sich wirklich etwas anderes
überlegen, dachte er. Diese Chip-Sache, fünf Chips pro Mensch, das
war was.
Damit man nicht etwa einen Körperteil abtrennen konnte, würde nur das
Zusammenspiel der 5 Chips (Arme, Beine, Torso) plus der Iris-Scan und
der Fingerabdruck sowie die DNA-Analyse dann als eindeutig
identifiziert gelten. Aber da heulten noch ein paar rum. Da griff man
noch nicht genug durch.
Er sah die beiden Typen an, die vor seiner Tür standen.
Sicherheitsleute, alles klar. War wohl eine Routineuntersuchung.
"Sie nutzen das Terrornet?" fragte einer der beiden.
Miro blinzelte. "Sorry?"
"Das Terrornet."
"Terrornet? Nie gehört."
Der andere schwarzgekleidete Mann lächelte und zog ein Schreiben mit
einer Verfügung hervor. "Sie sollen einmal täglich das Terrornet,
vorher Freenet genannt, nutzen, wie man uns sagte. Und wir haben
Beweise."
Er schnarrte etwas von heimlich installierten Kameras, von Aussagen
von Freunden und Verwandten (unter Androhung von VIM (Violence
Indicating Measures) gemacht).
"Aber-" Miro schüttelte den Kopf. "Ich bin Security Agent. Ich darf
das Freenet nutzen. Ich hab nichts zu verbergen in der Hinsicht."
"Sorry, aber ab heute ist die Nutzung des Terrornet rückwirkend eine
Straftat, die mit einer SMS geahndet wird."
Miro blickte in das feine schwarze Rohr, aus dem gleich eine SMS
kommen würde und er musste tatsächlich lachen bei dem Gedanken, dass
er tatsächlich doch immer geglaubt hatte, dass "nichts zu verbergen"
heißt, dass man wirklich nichts zu verbergen hat. Dass es eigentlich
hieß "heute nichts zu verbergen ohne zu wissen, was morgen ist", das
hatte er wohl ausgeklammert. Dabei hätte er eigentlich nachdenken
müssen als man den Freitag in Sicherheitstag umnannte.
fast schon an Fetischismus grenzenden Vorliebe für Monitore (er
besaß, obwohl nur 5 Rechner sein eigen waren, tatsächlich
mittlerweile 35 Monitore) Miro genannt, stapfte ein wenig entnervt
zur Tür. Heute war nicht sein Tag. Es hatte Stunden gedauert bis sich
im
Netz ein vernünftiges Gespräch entwickelt hatte, der Kaffee war kalt,
die Erektion bei Ansicht des Pornos ließ auf sich warten und der
letzte Sex war ein Jahr her.
Seit die Gesetze gegen Cybercrime verabschiedet worden waren, hatte
er sich (er war ja nicht blöd!) schweren Herzens von seinen
ausgewaschenen T-Shirts und den ebenso ausgeleierten Shorts getrennt,
hatte sich einen Rasierer geleistet und war binnen kürzester Zeit vom
Pseudo-Revoluzzer zum Advanced Security Manager aufgestiegen. Er
hatte in den letzten Jahren genug Hacker, Script-Kiddies und Cracker
ans Messer geliefert um demnächst in der "Hall of Security Agents"
verewigt zu werden - samt Wachsfigur und allem. Coole Sache, fand er.
Mittlerweile hatte er sich auch an das Leben im Zeitalter der
Sicherheit gewöhnt, er fand es sogar richtig erholsam, dass draußen
nur noch Leute in Begleitung eines Sicherheitsbeamten hinausgehen
konnten und durften. Dass man zwei Leute erst kürzlich wieder durch
"SMS" (Small Measures for Security, wie man die kleinen Bällchen
nannte, die man nun statt tödlichen Kugeln versandte) dazu gebracht
hatte, sich nun endlich vernünftig zu benehmen, war eindeutig ein
Fortschritt. Dass die Bällchen letztlich auch Small Measures for
Stupidity waren, führten sie doch zu einer nicht zu unterschätzenden
Verringerung der Gehirnmasse, war nun wirklich eine Kleinigkeit, die
nicht jeder wissen musste. Da die meisten Leute sowieso ihre
Gehirnmasse nicht effektiv nutzen oder eben für das Falsche nutzten -
selbst schuld.
Er öffnete mit einem freundlich-falschen Lächeln die Tür, rieb sich
den Finger, der von der kurzen DNA-Analyse (man wusste ja nie,
vielleicht hatte sich jemand irgendwie heimlich in die Wohnung
geschlichen) etwas schmerzte. Man sollte sich wirklich etwas anderes
überlegen, dachte er. Diese Chip-Sache, fünf Chips pro Mensch, das
war was.
Damit man nicht etwa einen Körperteil abtrennen konnte, würde nur das
Zusammenspiel der 5 Chips (Arme, Beine, Torso) plus der Iris-Scan und
der Fingerabdruck sowie die DNA-Analyse dann als eindeutig
identifiziert gelten. Aber da heulten noch ein paar rum. Da griff man
noch nicht genug durch.
Er sah die beiden Typen an, die vor seiner Tür standen.
Sicherheitsleute, alles klar. War wohl eine Routineuntersuchung.
"Sie nutzen das Terrornet?" fragte einer der beiden.
Miro blinzelte. "Sorry?"
"Das Terrornet."
"Terrornet? Nie gehört."
Der andere schwarzgekleidete Mann lächelte und zog ein Schreiben mit
einer Verfügung hervor. "Sie sollen einmal täglich das Terrornet,
vorher Freenet genannt, nutzen, wie man uns sagte. Und wir haben
Beweise."
Er schnarrte etwas von heimlich installierten Kameras, von Aussagen
von Freunden und Verwandten (unter Androhung von VIM (Violence
Indicating Measures) gemacht).
"Aber-" Miro schüttelte den Kopf. "Ich bin Security Agent. Ich darf
das Freenet nutzen. Ich hab nichts zu verbergen in der Hinsicht."
"Sorry, aber ab heute ist die Nutzung des Terrornet rückwirkend eine
Straftat, die mit einer SMS geahndet wird."
Miro blickte in das feine schwarze Rohr, aus dem gleich eine SMS
kommen würde und er musste tatsächlich lachen bei dem Gedanken, dass
er tatsächlich doch immer geglaubt hatte, dass "nichts zu verbergen"
heißt, dass man wirklich nichts zu verbergen hat. Dass es eigentlich
hieß "heute nichts zu verbergen ohne zu wissen, was morgen ist", das
hatte er wohl ausgeklammert. Dabei hätte er eigentlich nachdenken
müssen als man den Freitag in Sicherheitstag umnannte.