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  • PremKavi

mehr als 1000 Beiträge seit 16.08.2006

Das Thema Kinderpornographie ist nach wie vor sehr populistisch.

Nachdem die Große Koalition in der öffentlichen Meinung zunehmend auf
dem absteigenden Ast ist, muss man sich wohl mit populistischen
Themen mal wieder positiv in der Öffentlichkeit präsentieren.

Deutschland scheint das einzige Land der Welt zu sein, dem es nicht
um den Kindesmissbrauch, sondern um den Konsum von Kinderpornographie
geht. Entgegen aller wissenschaftlichen Untersuchungen wird frech
behauptet, der Konsum von Kinderpornographie würde die
Missbrauchsschwelle herabsetzen. Die Erfahrungen, die bei der
Freigabe der Pornographie gemacht wurden, wie auch die Erfahrungen,
die man macht, sei es massenhaft Pornos im Internet gibt, zeigen das
genaue Gegenteil. Ein massiver Rückgang der sexuellen Gewaltdelikte
seit 1986. Der Rückgang beträgt immerhin 2/3.

Würde es um Kindesmissbrauch gehen, dann würde man nicht die
Web-Seiten sperren und damit die Betreiber dieser Webseiten warnen,
dann würde man stattdessen über die Betreiber versuchen, die
Hintermänner herauszufinden. Das setzt natürlich eine internationale
Zusammenarbeit voraus und setzt ebenfalls voraus, dass man einmal
nicht mit dem Grundsatz "am deutschen Wesen soll die Welt genesen" an
eine internationale Zusammenarbeit herangeht, sondern tatsächlich
pragmatisch im Kampf gegen den Missbrauch von Kindern.

Frühere Untersuchungen zeigten deutlich, dass Deutschland im
Missbrauch von Kindern fast die Weltspitze einnimmt. Ich weiß nicht,
ob die Zahlen stimmen, es wird davon gesprochen, dass jedes dritte
Mädchen und jeder fünfte Junge in ihrer Kindheit sexuell missbraucht
wurden. Diese Zahlen gelten allerdings nur für Deutschland. Der
Missbrauch findet in aller Regel innerhalb der Familie statt,
entweder durch die eigenen Eltern oder zumindest mit
stillschweigender Duldung der Eltern.

Andererseits ist für die Strafverfolgungsbehörden der Missbrauch von
Kindern offensichtlich kein Thema. Wir, die von mir koordinierten
deutschsprachigen Usenet Provider, suchen die Zusammenarbeit mit
einer Polizeibehörde, um die Kinderpornographie im Usenet ein zu
dämmen. Doch die Frage, die wir immer wieder hören, ob denn
Kinderpornographie im Usenet überhaupt wichtig genug wäre, um damit
wertvolle Ressourcen der Ermittlungsbehörden zu binden.

In allen anderen Ländern der Welt sind kinderpornographische
Zeichnungen und Geschichten ausdrücklich erlaubt. Denn dadurch wird
kein einziges Kind missbraucht. Im Gegenteil, die Erfahrung in den
anderen Ländern zeigt sehr deutlich, ebenso wie bei den übrigen
Sexualdelikten, dass die Hemmschwelle zum tatsächlichen
Kindesmissbrauch nicht etwa herab gesetzt, sondern im Gegenteil
erheblich erhöht wird. Dass  die meisten, die unter anderem eine
pädophile  Veranlagung haben, sich mit dem Konsum der Bilder
zufrieden geben.

Doch wissenschaftliche Erkenntnisse werden in Berlin immer nur dann
wahrgenommen, wenn sie ausnahmsweise einmal die aktuelle Politik
bestätigen. Ansonsten werden sie sehr gerne totgeschwiegenoder sogar
frech ins Gegenteil verkehrt.

Weder die Bundesfamilienministerin noch ihre Partei werden durch
solche populistischen Äußerungen für mich wählbar. Würde man
tatsächlich gegen den Kindesmissbrauch vorgehen, könnte ich über die
Wählbarkeit ja noch nachdenken. Doch so gewiss nicht.

Im übrigen führt die Sperre von Web-Seiten nur zunehmend in den
Untergrund. Damit wird jedoch auch die Suche nach den Urhebern der
Bilder und Videos erheblich erschwert.

Es würde der Bundesfamilienministerin gut anstehen, sich für eine
internationale Zusammenarbeit bei der Verfolgung echter
Kinderpornographie stark zu machen. Allerdings stellt sich die Frage,
ob dadurch auch nur ein Kind weniger missbraucht wird. Überträgt man
die Erfahrungen mit normaler Pornographie auf den Missbrauch von
Kindern, könnte man eher vermuten, dass durch die Eindämmung von
Kinderpornographie im Internet der Missbrauch von Kindern ansteigen
wird.
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