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Avatar von aquadraht
  • aquadraht

mehr als 1000 Beiträge seit 17.11.2000

Re: Gesicht Zeigen ? Waffen für alle

küsschen (chief@tm1.net) schrieb am 2. Februar 2001 12:44:
> aquadraht schrieb am 2. Februar 2001 11:42:

[ .. Jaeger mit Pistole .. ]

> Stimmt. Das liegt aber daran, dass es einfacher ist, dem Tier den
> Gnadenschuss zu geben, als es zu erwürgen.

Ich behaupte mal, den Versuch, ein verwundetes Wildschwein
zu erwuergen, macht man genauso oft, wie man sich an 
Knollenblaetterpilzen satt isst.

...

> Im Wald oder im Dickicht, wenn ein Jäger das Tier jagt, wird er
> ohnehin so gut wie nie die Verlegenheit kommen, viel weiter 
> als 10 Meter schiessen zu müssen. 

In einem Gebaeude noch weniger. Da sind selten Strecken ueber 
10m, die es geradeaus geht. Andererseits ist es auch kein
Problem, mit einer Pistole 20 oder 30m weit zu schiessen,
die Durchschlagskraft des Geschosses nimmt davon nicht 
wesentlich ab. 

> Wenn man das gejagte Tier nur verwundet, so wird es in
> der Regel nicht unmittelbar zum Gegenangriff übergehen 
> (hängt bestimmt auch mit der Gattung und der Art der 
> Verletzung zusammen - ich bin kein Jäger). Ein nicht-exakter
> treffer ist daher nicht weiter gefährlich für den Jäger.

Dass Du kein Jaeger bist, merkt man. Ich haette weniger 
Respekt vor einer ganzen Schule als vor einem einzelnen 
Wildschwein. Und ein verwundetes Wildschwein, solange es 
nicht bewegungsunfaehig oder sterbend ist, ist eher 
gefaehrlicher als ein Tiger. Es haben schon Jaeger Arme
und Beine eingebuesst oder ueberlebten nur dank Rettungs-
hubschrauber, weil sie so ein Vieh unterschaetzt haben
(im Grunde hat das Schwein ja recht *g*, aber es schmeckt
nunmal so gut ..). 

> Wenn Du aber einen Angreifer nur verwundest, kannst Du
> ihn vollends zum durchdrehen bringen.

Es ging um die Frage, ob automatische Gewehre fuer einen
Terroranschlag wie in Littleton geeigneter bzw. unabdingbar
sind. Ich behaupte, dass sich unbewaffnete Lehrer und Schueler
mit Pistolen genausogut, wenn nicht besser unter Kontrolle
halten lassen, wenn man einmal von der staerkeren Einschuech-
terungswirkung automatischer Waffen bei actionfilmgewohnten
Opfern absieht. Spaetestens beim ersten Erschossenen wird
aber auch der Respekt vor der Pistole da sein. Und ich sehe
nicht, welche Gefahr ein angeschossener Lehrer oder Schueler
darstellt. Das ist nicht Arnie oder Bruce Willis im Film,
sondern ein Mensch mit einer Schusswunde. 

> Bei der Jagd ist die Situation in der Regel umgekehrt, weil der
> Jäger der Angreifer ist.

Das waren die Attentaeter von Littleton doch auch.


[ Ballermaenner zum Rumschleppen .. ]
> Das ist alles richtig. Dennoch sind solche Waffen durch ihr 
> Gewicht und ihre Größe nicht sonderlich alltagstauglich - 
> nichts für Handtasche / Aktenmappe / Halfter.

Nun, die Uzi ist schon ein guter Kompromiss fuer den 
schleppunlustigen Terroristen.

> Was glaubst Du, worauf die Polizisten in Israel so achten, 
> wenn sie jemanden mit langem Mantel oder großer Tasche sehen?

Sie achten ueberwiegend auf muslimische Araber. Bisher haben
sich die Attentaeter noch nie als orthodoxe Juden etc. getarnt,
deshalb ist es "normal", wenn die bis an die Zaehne bewaffnet 
sind wie der Attentaeter Baruch Goldstein, der eine ganze 
Moschee zusammengeballert hat.

...


> > Naja. In der Schweiz laufen staendig Leute mit ihrem 
> > Sturmgewehr (ich glaub, das sind auch 9mm, ist jedenfalls
...
> schlimm, dieses ständige Gemetzel in den schweizer Fußgängerzonen.

Es ging darum, ob es auffaellt, wenn jemand mit dicker 
Wumme rumrennt. Es faellt nicht auf.

> Deshalb traut sich wahrscheinlich auch niemand dorthin - dann
> lieber als Frau nach Afghanistan - da haben nur die Polizisten
> und Militärs Knarren. :-)

Das ist nicht wahr. In Afghanistan lernen die Jungen schiessen,
ehe sie - wenn ueberhaupt - Lesen und Schreiben lernen. Es gibt
da mehr Waffen als zu fressen und jeder rennt da mit mindestens
einer Kanone, besser noch mit Gewehr/Mpi und Pistole rum. 
Trotzdem ist das eine der abstossendsten Tyranneien der 
Gegenwart und nicht zufaellig eines der Laender mit der 
hoechsten Toetungsrate.

>> wenn man Pech hat und es knallt, wuerde jeder in Deckung 
>> gehen und auf die Polizei warten. Das Leben  ist kein Actionfilm.
 
> WEIL die Menschen keine Handlungsmöglichkeit haben und den 
> Schutz ihres Eigentums, ihres Lebens in fremde Hände geben. 
> Wer sich nicht wehren kann, wehrt sich auch nicht. Wer sich
> nicht wehrt, hat keine Zivilcourage.

Zivilcourage heisst nicht mit der dickeren Flinte draufhalten.
In den meisten Faellen (gerade bei rechter Gewalt) reicht die
eindeutige Missbilligung durch eine Mehrzahl der anwesenden
Zuschauer und Zeugen, um Gewalttaeter zu verunsichern und zu
bremsen. Das ist riskant, weil man da durchaus einen Schlag
in die Fresse riskiert. Dieses Risiko kann und soll man 
eingehen, weil anders die Freiheit in unserer Gesellschaft
nicht aufrechterhalten werden kann.
 
Aber ich gebe in der Tat den Schutz vor bewaffneter Gewalt
in die Haende anderer, die dafuer ausgeruestet und ausgebildet
sind. Ich gebe auch (obwohl ich vor dem Studium Autoschlosser
gelernt habe) die Wartung der Bremsen meines Autos, wenn ich
eins habe, in fremde Haende. 

Und dabei habe ich garnichts gegen Schusswaffen. Ich schiesse
gern und war schon mal in einem Schiesssportverein. Ueberhaupt
liebe ich alles, was brennt, knallt, zischt etc., dafuer kann
man ins THW, da lernt man mit Sprengstoff, Sauerstofflanze,
Presslufthammer und allem, was in der Hinsicht Spass macht,
umzugehen, obendrein noch zu einem vernuenftigen Zweck 
(Katastrophenschutz). Aber Waffen haben einfach im Haus 
und in der Wohnung nichts zu suchen. Wo man selbst oder
jemand anders schonmal besoffen oder unter Drogen ist, 
Beziehungsknatsch oder Depressionen hat, wo Kinder und 
Jugendliche sich aufhalten (Kinder kriegen _jeden_ Schrank
auf, ich weiss das aus eigener Erfahrung als Kind *g*),
da haben Schusswaffen einfach nichts zu suchen, so wenig
wie Sprengstoff, Giftgas oder andere Risikomaterialien.

[ .. Amoklauf und allgemeines Massaker .. ]
> Ich halte dieses Szenario für extrem unwahrscheinlich in 
> einer Gesellschaft, in der jeder gelernt hat, sein Recht
> auf Selbstschutz auszuüben. 

Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Meiner
Meinung nach ist es weniger die Aufgabe der Polizei, 
Demonstranten zusammenzuschlagen, weil sie eine Sonnenbrille
aufhaben oder unschuldige Menschen in Abschiebeknaeste zu
sperren und in Folterlaender zu deportieren.

Es ist aber sehr wohl ihre Aufgabe, gewalttaetige Angriffe auf
andere Menschen zu verhindern und notfalls mit Gewalt zu 
unterbinden. Das gilt besonders fuer bewaffnete Angriffe,
denn hier ist es besonders wichtig, erstens professionell
und zweitens verhaeltnismaessig vorzugehen. Das kann am besten
jemand, der dafuer ausgebildet und staendig trainiert ist,
der hat bessere Chancen, einen Angreifer durch einen Schuss
in Arm oder Bein kampfunfaehig zu machen als ihn in Panik
mit zig Schuss vollzupumpen. Und dadurch, dass Zivilisten
nicht einfach die Knarre auspacken und losballern, bleibt
alles uebersichtlicher.


> Wir lernen in der Schule standarmäßig nicht den Schutz
> des eigenen Lebens. 

Doch. Wir lernen den sachgemaessen Umgang mit Technik,
mit Gas, Elektrizitaet, Strassenverkehr und den sinnvollen
Umgang mit unserer Gesundheit. Das sind die wichtigen
Aspekte, um in unserer Gesellschaft am Leben zu bleiben.

...

[ Umgang mit Gewalt .. ]
> In einer durchwaffneten und dafür auch ausgebildeten
> Gesellschaft würden die Menschen nicht so schnell den
> Kopf verlieren, weil sie auf den Umgang mit gewalttätigen 
> Situationen vorbereitet sind.

Ich sehe nicht ein, dass man eine waffenstarrende Gesellschaft
fuer weniger Gewalt braucht. Das funktioniert nicht, es hat
nie funktioniert und wird nie funktionieren. Gerade tyrannische
Regime wie das NS-Regime und die Terrorregime in Iran und
Afghanistan existieren sehr gut mit einer allgemeinen Verbreitung
von Waffen.
 
Umgang mit Gewalt heisst sicher Stellung beziehen, Risiken
eingehen. Es heisst aber vor allem, einen kuehlen Kopf zu
behalten und zu deeskalieren statt zuzuspitzen. Ich hatte
frueher oft ein Messer dabei. Nachdem zweimal Auseinander-
setzungen zu Messerstechereien eskaliert waren und zu 
Verletzungen fuehrten, habe ich das Ding zu Hause gelassen. 
Danach kam es kaum noch zu Pruegeleien, schon weil ich eher
defensiv an die Sache heranging und wenn ein anderer ein 
Messer auspackte, eher abwiegelte, darauf hinwies, dass ich unbewaffnet
war und der Waffeneinsatz feige etc. (ja, ich 
hab mich zeitweilig in etwas rauheren Ecken rumgetrieben). 
Bei einer Schusswaffe ist die Eskalationsstufe noch hoeher
und man kommt noch schwerer von ihr runter.

Dazu kommen die psychischen Ausnahmesituationen, in denen 
aus einer Beziehungskrise, einer Depression, einem Rausch
mit einer Waffe leicht eine Katastrophe wird. ICh habe mal
einen Film ueber Polizeiarbeit in den USA gesehen. Da war
das passiert, was auch bei uns taeglich passiert: Mann,
getrennt von seiner Frau, kommt in die ehemals gemeinsame
Wohnung, streitet, randaliert. Frau ruft die Polizei, Mann
verbarrikadiert sich. Allerdings: natuerlich hatte der
Mann eine Pistole und ballerte auch etwas rum (ohne zu
treffen). Ergebnis: 10 Streifenwagen wie bei einem 
Terroristeneinsatz, nach Stunden hat sich der Typ dann
erschossen. Bei uns gehen in so einem Fall (bei dem meist
eben keine Knarre mitspielt) zwei Polizisten in die 
Wohnung und schmeissen den Typ raus, mit der Drohung,
ihn fuer die naechsten 24 Stunden einzusperren, wenn er
sich nicht beruhigt.

Wie gesagt: Schusswaffen haben im Privatleben nix zu 
suchen. Punkt.

a^2


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