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  • gawag

868 Beiträge seit 03.11.2011

Re: Als Hearts of Iron und Europa Universalis Spieler will man zu sowas primitiv

-ulf- schrieb am 12.10.2017 21:14:

Mit den Paradox Strat-Sims kann man sich tatsächlich gut den Spaß an Civilization ruinieren ;)

Aber Civvi hat dazu auch noch ein paar hausgemachte Probleme: viele Elemente, die das Spiel interessanter machen sollen für Experten jede noch so kleine Regelnuance auswendig kennen sind für Durchschnittsspieler eine riesige Einschränkung der Entscheidungsfreiheit. Der übertrainierte Wettkampfspieler mag ja großen Spaß daran haben, anhand der Nuancen der Karte zu erkennen, welche Tech-Boni ihm leichtfallen werden und für welche Wunder er gute Bauplätze hat und für welche nicht und anhand dieser Einschätzungen eine dazu passende Strategie auszuwählen.

Aber durchschnittlere Spieler, die zwar nicht nach dem ersten mal durchspielen zu etwas anderem bunt blinkenden wechseln aber auch nicht so tief einsteigen um irgendwelche Buildkonzepte gegeneinander durchzurechnen und auswendig zu lernen, der steht immer wieder effektiv passiv vor Entscheidungen, die eigentlich keine sind: "ich könnte jetzt Technologie A, B oder C forschen - für B habe ich kürzlich einen 50%-Rabatt bekommen, für A und C kommt vielleicht noch einer". Für Wettkampfspieler mag es ja spannend sein, diese Boni bewusst einzusammeln, aber Normalsterbliche werden da schnell in die Gleichgültigkeit gedrängt "nehme ich halt das mit dem Bonus, das wird schon kein Fehler sein, wozu gibt es Balancing".

Wenn nur das erste mal Durchspielen Spaß macht und dann erst wieder ab dem hundertsten mal, dann hat Civvi seine etablierte Zielgruppe komplett verfehlt.

Hm. Also ich meine das letzt Civ was ich gespielt hab wäre 5 gewesen und das hab ich glaub ich nichtmals zwei mal durchgespielt (also zwei Matche, gegen Computergegner).
Bei Civ ist durch die zufällige Karte und die recht zufällige Entwicklung der "Geschichte" (also wer wann was macht) alles so beliebig. Ich habe damals sehr viel Alpha Centauri gespielt. Klar nach einiger Zeit wusste man ungefähr wie Computerspieler auf was reagieren, aber irgendwas wirklich planen konnte man nur recht bedingt.
Das finde ich bei Europa Universalis (4) recht interessant: Die Diplomatie ist recht komplex und so was wie Kriege kündigen sich länger im Voraus an. Ich meine bei Alpha Centauri und Civ 5 gab es immer sehr plötzlich große Änderungen wie plötzliche Kriegserklärungen.

Bei Hearts of Iron hat man logischerweise (zumindest wenn die AI auf "historischen Fokus" gesetzt ist) immer so ziemlich dieselbe Entwicklung pro Match. Da ist es dann eben interessant zu sehen wie man wann mit welchen Aktionen welchen Einfluss hat. z.B. wenn man Kriege früher oder später beginnt oder ganz vermeidet und andere Routen nimmt.
Hearts of Iron 3 und 4 hab ich dutzende Male durchgespielt. Laut Steam HoI4 über 700 Stunden... Die Spiele haben durchaus auch so einige Mängel aber das Interessante ist eben zu schauen, wie man mit mehr Wissen über das Spielmechaniken, darüber wann was passiert und wie Computerspieler auf was reagieren das Match zu seinen Gunsten formen kann.

Wäre eigentlich schön wenn man bei Civ / Alpha Centauri o.ä. auch einen Spielmodus hätte, wo es eine feste Karte (üngefähre Weltkarte in verschiedenen Epochen z.B.) mit fester Ausgangslage gibt wo sich die AI immer ziemlich gleich verhält. Eben nicht so was wie Japan startet neben dem römischen Reich und China verbündet sich mit Azteken gegen die USA oder was auch immer es so bei Civ gibt.

Ich hab mal ein Hearts of Iron 4 Multiplayer Match von den Spielentwicklern gesehen und da haben die Axis dann extra andere Länder nur "gepuppeted" anstatt sie zu annektieren weil das weniger World Tension erzeugt. Die Allierten können nämlich einige Dinge erst ab einer bestimmten World Tension tun, dies wollten die gegnerischen Spieler eben hinauszögern. Solche Asymmetrien und Tricks sind auch sehr interessant.

Ah apropro Asymmetrie: was ich auch so reizvoll an HoI4 finde ist, dass man mit guter Strategie gegen deutlich stärkere Gegner bestehen kann. z.B. als Dänemark gegen Deutschland. Die Grenze (Front) ist recht klein und Dänemark hat zumindest genug Leute und Wirtschaft um diese Grenze sehr gut zu befestigen und zu bewachen. Als Dänemark war ich dann der Brückenkopf der Allierten und nach langem Stillstand in dem sich die Axen an meiner schönen Grenze verschlissen haben ging es dann in einem Rutsch mit breiter Front von Nord nach Süd bis in Italien rein und in Europa war es das dann mit den Axen. Die Soviets mussten glaub ich gar nicht helfen. :-D
Solche asymmetrischen Möglichkeiten vermisse ich bei anderen Spielen immer. Selbst bei Stellaris und Europa Universalis geht da kaum was. Man hat keinen möglicherweise dicken Verteidigungsbonus wie bei HoI4. Bei Civ und Alpha Centauri meine ich auch nicht. Zumindest nicht so extrem wie mit demokratischem Dänemark das ganze dritte Reich aufzuhalten. ;-)

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